Otto Franz Kutschker

Verborgener Schatz schmückt Altes Rathaus

Dieses Treffen fand laut einer Presse-Information der Stadt im März statt, bevor sich die Corona-Krisensituation dramatisch verschärfte und strengere Vorgaben zur Vermeidung sozialer Kontakte auferlegte.

Jahrelang lagen die Bleistiftzeichnungen verborgen in einer Schublade des Sekre­tärs. Beim Aufräumen wurden sie wiederentdeckt. Sechs Motive aus dem da­maligen Stadtbild Bad Nauheims hat Otto Franz Kutscher (1890-1971) der Nachwelt hinterlassen. Auf Initiative von Petra Antony-Rosenbecker sind die historisch wertvollen Werke an die Stadt gegangen. Jetzt schmücken sie das Treppenhaus des Alten Rathauses. In einer kleinen Feier­stunde, zu der Bürgermeister Klaus Kreß geladen hatte, wurde des Bad Nauheimer Multitalents der bildenden Künste gedacht.

Otto Franz Kutschker: Bürgermeister Klaus Kreß, Petra Antony-Rosenbecker, Sylvia Freifrau von Schenck, Freimut Freiherr von Schenck,  Dr. Thomas Schwab und Theo Rosenbecker (von links). Bild: Stadt Bad Nauheim
Otto Franz Kutschker: Bürgermeister Klaus Kreß, Petra Antony-Rosenbecker, Sylvia Freifrau von Schenck, Freimut Freiherr von Schenck,  Dr. Thomas Schwab und Theo Rosenbecker (von links) . Bild: Stadt Bad Nauheim

Otto Franz Kutschker war künstlerische Größe

Aus der Vita des in Magdeburg geborenen Malers und dessen künstlerischem Schaf­fen berichtete dabei Stadtarchivarin Brigitte Faatz: „Otto Franz Kutscher zählte über die Grenzen Bad Nauheims hinweg zu den künstlerischen Größen seiner Zeit. Er war auch Illustrator, Industriegrafiker, Schriftsteller und Mitbegründer des Oberhessischen Künstlerbundes.“ Der Bogen habe sich sich von den frühen, dem französischen Impressionismus verbundenen Gemälden voller Lebensfreude gespannt, bis hin zu den eindrucks­vollen Sgrafitti, die sein handwerkliches Können belegten.

Otto Franz Kutschker: An Häusern noch zu sehen

Mehrere Arbeiten im innerstädtischen Raum Bad Nauheims tragen seine künstlerische Hand­schrift. Dabei fand er in späteren Jahren tatkräftige Unterstützung von Philipp Ess aus Dorn-Assenheim. „Heute noch im Original zu sehen sind zwei dekorative Kratzputzarbeiten. Eine davon findet sich am Gebäude der Sprudelapo­theke in der Hauptstraße 2 mit den Schutzheiligen Cosmas und Damian. Die andere am ‚Haus Hedwig‘ in der Karlstraße 28“, freut sich Bürgermeister Klaus Kreß.

Feste und Hauskonzerte

Zahlreiche Atelierfeste fanden in seinem Haus in der Kurstraße 29 statt. Denn unter Mitwirkung seiner Frau Erna gab es mehr als 60 klangvolle Hauskonzerte mit nam­haften Kammermusikern. Enge Freundschaften pflegte Otto Franz Kutscher mit Erich Kästner, Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky. Er zählte sich bereits in den Jahren der Weimarer Republik zum linksorientierten Flügel der geistigen Elite Deutschlands. Deshalb dokumentierte er sein politisches Bekenntnis in jener Richtung.

Lange Vorsitzender des VfL Bad Nauheim

In mehreren Vereinen und Verbänden waren zudem seine Ideen gefragt. Als Mitbegründer der Fechtabteilung des VfL Bad Nauheim und als langjähriger Vor­sitzender des damaligen Großvereins hat er seiner Liebe zum Sport Ausdruck verliehen.

Heinrich Burk schreibt in „Anekdoten aus der Bad Nauheimer Mottenkiste“ dazu: „Im Rahmen der Hauskonzerte fand Otto Franz Kutschker auch den Kontakt zu dem amerikanischen Stadtkommandanten Paul R. Knight, der gegenüber wohnte. Mit ihm verband ihn eine gemeinsame künstlerische Neigung . Es ist nicht auszuschlie­ßen, dass Kutschers Einfluss auf den Colonel nicht nur dessen Deutschfreundlichkeit förderte, sondern auch die Initiative zum Bau des Eis-Stadions positiv beeinflusste.“

Antifaschistisches Leitbild

In den humanistischen Idealen des Freimaurertums habe der bis in die Fingerspitzen musische Mann sein eigenes, liberales, antifaschistisches Leitbild gefunden. Der Friedberger Loge „Ludwig zu den drei Sternen“ schenkte er über Jahre sein Vertrauen und seine Verbundenheit.

Talentierter Poet

In einer Laudatio zum 80. Geburtstag von Otto Franz Kutscher veröffentlichte Jenny Häusler in der Bad Nauheimer Kurzeitung 1970 ein von ihm verfasstes Gedicht. Es unterstreicht sein Talent als Poet:

Zum Kutscher, dem sein Steckenpferd

mehr als ein Vollblut lieb und wert,

kommt mancher, der bekümmert spricht:

„Was hilft Dir, daß Du jovial

erträgst dies Erdenjammertal

bei seelisch ungestörtem Gleichgewicht?“

Der aber strafft nur leicht die Zügel,

entschwebt darauf zu lichten Höh’n –

von da aus scheint die Welt ihm schön:

sein Steckenpferd hat nämlich Flügel!

Goethes Maxime „dem Wahren – Schönen – Guten“ fühlte sich Otto Franz Kutscher sein ganzes reiches Künstlerleben lang stets verpflichtet und verbunden.  

 Verstorbene Bad Nauheimer Künstler                                           

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.