OVAG kürzt die Lieferungen
Von Klaus Nissen
Noch kommt jede Menge Trinkwasser aus dem Hahn. Doch das ändert sich: Der Versorger OVAG kündigt für September und Oktober reduzierte Lieferungen an. Wie viel Wasser weniger in die Leitungen kommt, wollte das Versorgungsunternehmen auf Nachfrage nicht mitteilen. Das hänge von den jeweiligen Lieferverträgen mit der Städte und Gemeinden ab.Trinkwasserverbrauch ist viel zu hoch
Seit der ersten Hitzewelle im Juni ist der Wasserverbrauch von Privatleuten und Gewerbe sprunghaft gestiegen, so die Oberhessischen Versorgungsbetriebe. Um wie viel genau, gab Unternehmenssprecher Michel Kaufmann nicht preis. Nur soviel: „Der Freitag vor den Sommerferien war nicht nur der bisherige Spitzentag in diesem Jahr, sondern der Spitzentag seit Beginn der Wasserversorgung durch die OVAG vor rund 120 Jahren.“ Die Anlagen in den Brunnen-Anlagen von Vogelsberg und Wetterau arbeiten laut Kaufmann seitdem am „Rand ihrer Leistungsfähigkeit im absoluten Spitzenlastbetrieb.“

Auch als die Hitzephase zwischendurch leicht abflachte, sei die Wasserabgabe im Juli hoch geblieben. Das führe zu einer großen Belastung der Ressourcen. Nahe der Oberfläche sei im Boden kaum noch Feuchtigkeit. Damit es über den Sommer hinaus genug Trinkwasser gibt, sei die OVAG gezwungen, „in einigen Gewinnungsgebieten die Fördermenge teilweise massiv zu reduzieren und einzelne Fördermöglichkeiten quasi ungenutzt zu lassen.“ Das wurde auch den Aufsichtsbehörden des Landes mitgeteilt.
Wasserspar-Appell ohne Erfolg
Die OVAG fördert nach Angaben aus dem Jahr 2020 pro Jahr bis zu 35,8 Millionen Kubikmeter Wasser für ihre Kunden in Mittelhessen, Wetterau, Frankfurt und Vordertaunus. Davon fließen nach Angaben des OVAG-Vorstandschefs Joachim Arnold vom Oktober 2024 bisher 18,6 Millionen Kubikmeter nach Frankfurt. Rund eine Million Kubikmeter wird in den Vordertaunus geliefert, 10,71 Millionen Kubikmeter an die Kommunen des Wetteraukreises. Arnold prophezeite vor knapp zwei Jahren: In den kommenden Dürresommern müsse die OVAG weniger Wasser aus ihren Brunnen holen, wenn die Mindest-Grundwasserstände unterschritten sind. Das tritt nun ein.
Bisher wurde nicht kommuniziert, dass die OVAG bereits seit Wochen weniger Wasser liefert. Laut Unternehmenssprecher Kaufmann konnte „das System nur stabil gehalten werden, weil die Abgabemenge in die Rhein-Mein-Region drastisch zugunsten der hiesigen Kommunen“ verringert wurde. Die OVAG hatte demnach ihre kommunalen Kunden brieflich aufgefordert, nicht mehr als die vereinbarten Wassermengen abzurufen. „Dies führte nur in einigen Kommunen zum Erfolg“, so Michel Kaufmann.
Ab September bis Jahresende soll nun die Wasserlieferung weiter reduziert werden. Unklar bleibt, um wie viel. Kaufmann weist auf Nachfrage darauf hin, dass die Städte und Gemeinden auch eigene Brunnen und weitere Wasserlieferanten haben.
Wasser wird noch kostbarer
Wenn die auch nicht mehr liefern können, bekommt die Debatte ums Wassersparen eine neue Dynamik. So ist wohl zu erwarten, dass vor Ort weitere Verbote ausgesprochen werden, Gärten mit Trinkwasser zu befeuchten. Von Wasser-Rationierung ist bisher noch nicht die Rede.
Die Stadt Karben bezieht rund die Hälfte ihres Trinkwassers von der OVAG. Ohne auf die Kürzungen der Liefermenge hinzuweisen, bat die Verwaltung Ende Juli die Bevölkerung um einen umsichtigen Umgang mit Wasser. In Spitzenzeiten wüßrden rund 320 000 Liter in einer Stunde abgezapft, heißt es in der Pressemitteilung. Sie empfiehlt, auf das Wässern von Rasenflächen zu verzichten und beispielsweise beim Zähneputzen den Wasserhahn zwischendurch zu schließen.
In Bad Nauheim hat die Stadt schon Angebote. Sie installierte Wasserauffüll-Stationen bei mehreren Einzelhändlern und Gastronomen in der Innenstadt: Wer die eigene Trinkflasche auffüllen möchte, ist willkommen bei „Nix-Drum-Rum“ (Marktplatz 9),
„Lucky man and woman“ (Stresemannstraße 26), „Nei-s“ (Stresemannstraße 20), „Schuckhardt’s“ (Alicestraße 3–4) und dem Restaurant „Ducky’s“ (Ludwigstraße 17).
Erkennbar sind die Stationen an blauen, kreisrunden „Refill-Station“-Aufklebern mit
Wassertropfen-Symbol in den Schaufenstern.
Kostenlose Trinkwasserbrunnen gibt es außerdem in der Alicestraße, im
Gesundheitsgarten und in der Wisselsheimer Ortsmitte.
Die Trinkwasserampel steht auf Gelb. Daher werden Bürgerinnen und Bürger gebeten, Gartenbewässerung und Rasenpflege auf
das Nötigste zu reduzieren, auf privates Autowaschen und auf das Befüllen von Pools zu verzichten. Weitere Verhaltenstipps zum Wassersparen gibt es auf der Website stadtwerke-bad-nauheim.de.
