TOUR DER HOFFNUNG

1.444.500 Euro Spendenerlös

Die 44. „Tour der Hoffnung“ 2026 ist über die Ziellinie geradelt. Über 160 Menschen traten drei Tage lang in die Pedale, um in ihren grünen Trikots und gelben Helmen wieder Spenden für krebskranke Kinder und Jugendliche zu sammeln. Rund 250 Kilometer legten sie in mehreren  Tagen zurück. Der Reinerlös einer der größten, ehrenamtlich organisierten Benefiz-Radtouren der Bundesrepublik lautet in diesem Jahr: 1.444.500 Euro.

Olympiasiegerin zieht positive Bilanz

Oliver Keßler (zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei der Tour) fasst die Eindrücke in einer  Reportage zusammen:

„Unsere gemeinsamen drei Tage waren wieder unfassbar emotional“, berichtet Schirmherrin Petra Behle nach der Zieleinfahrt. Es gab 22 Stopps und wunderbare Momente mit Volksfeststimmung vor einer Brauerei, beim morgendlichen Start auf einem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Magdeburg, bei der Polonaise auf der Wiese eines Badesees, zu Besuch im Autohaus oder nach der Einfahrt auf dem Marktplatz unter Geläut mit Cheerleadern und vielen Menschen. So geschehen in Köthen in Sachsen-Anhalt. „Dazu war das Wetter mit einer Mischung aus Sonne und hier und da ein paar Wolken perfekt, um bei unseren Stopps das Leben zu feiern und möglichst viele Spenden zu sammeln“, ergänzt die Olympiasiegerin und neunfache Biathlon-Weltmeisterin.

Die Fahrdisziplin ist ein wichtiges Thema bei der „Tour der Hoffnung“. Foto: Pierre Johne

Vorbereitung hat sich gelohnt

Und immer wieder winken Menschen am Zaun oder aus Autos heraus, hupen LKW-Fahrer und staunen Kinder, wenn der lange Tross mit den grünen Trikots und gelben Helmen an ihnen scheinbar endlos vorbeizieht. „Es hat einfach alles gepasst“, sagt der erste Vorsitzende Dr. Mathias Rinn erleichtert. Der hatte im Winter zusammen mit Jürgen Merlau schon begonnen, die dreitägige Mammutausfahrt zu organisieren. Der Schriftführer erinnert sich an die vielen geführten Gespräche: „Wir waren zusammengerechnet drei Wochen unterwegs, um zwischen Magdeburg, Halle und Leipzig neben Firmen auch Städte und Gemeinden für unsere Sache zu gewinnen.“

Eine Gruppe der Lebenshilfe Leuna-Merseburg führt zum Tour-Lied eine einstudierte Choreografie vor. Foto: Christian Schell

Ein Roadbook mit minutiöser Vorplanung konnte Punkt für Punkt abgehakt werden bis zum Zieleinlauf. Dr. Mathias Rinn sagt am Tag danach: „Als Verantwortliche sind wir jetzt erst mal glücklich über den reibungslosen und unfallfreien Ablauf.“ Mit im Orga-Sattel saß Wolfgang Rinn, der zweite Vorsitzende des Trägervereins Tour der Hoffnung e. V. „Dafür haben neben der exakten Vorbereitung auch unsere über drei Dutzend Helferinnen und Helfer maßgeblich beigetragen“, lobt er die Unterstützung aller Beteiligten. Im Dauereinsatz war hierbei Schatzmeister Benjamin Wagner, der den Stand des Spendenkontos immer auf dem aktuellen Stand hielt und jede einzelne Spende verbucht.

Start war traditionell in Gießen

Die Strecke startet am Prologdonnerstag traditionell in Gießen. Die erste Etappe war diesmal 60 km lang und führte zunächst über Heuchelheim und Gießen-Wieseck weiter nach Lollar, Staufenberg, Reiskirchen, Lich und zurück nach Gießen. Biebertals Bürgermeisterin Patricia Ortmann hatte nicht nur die Biebertaler Sporthalle zum Duschen bereitgestellt, sondern persönlich Carepakete für alle gepackt. Weiter ging es abends mit drei Bussen nach Magdeburg zum Maritim Hotel, das die „Tour der Hoffnung“ seit Jahren unterstützt.

Nach dem Strampeln bleibt immer auch Zeit für ein Tänzchen. Foto: Pierre Johne 

Eine kurze Nacht später machte sich das Fahrerfeld am frühen Morgen im Bördepark in Magdeburg startklar. Von der 95-jährigen DDR-Radlegende Täve Schur auf die Strecke verabschiedet, führte die zweite Etappe mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze als Mitradler zum Kurpark Schönebeck, weiter nach Staßfurt zu einem salzhaltigen Badesee, auf den Marktplatz von Köthen bis nach Halle, wo der Tag im Gewerbegebiet bei der A/V/E GmbH bei Kilometer 116 endete.

Radherausforderungen in Leipzig

Der Abschlusstag am Samstag begann in Halle zwischen Omnibussen der Halleschen Verkehrs AG mit einem Stopp bei Skoda-Autohaus Liebe. Eine spektakuläre Einfahrt wartete in Merseburg.  Nach einer kurzen Auffahrt fanden sich die Tour-Radler auf der Velodrom-Strecke wieder, der letzten erhaltenen Radrennbahn in Sachsen-Anhalt, auf der sie begeistert eine Ehrenrunde drehten. Der Förderverein hatte sich reingehängt und sogar eigene „Tour der Hoffnung“-Energydrinks produzieren lassen. Ein Volksfest lief schon bei der Einfahrt vor dem Kulturhaus in Leuna. Nach weiteren Stopps auf dem Marktplatz in Lützen und bei einer Spielbank in Leuna-Günthersdorf kam fahrtechnisch der schwerste Teil durch Leipzig mit seinen vielen Schienen, die für Straßenbahn grundlegend sind, für Radfahrer aber hinlegend sein können.

Paul wieder gesund!

Im Park an der onkologischen Kinderstation im Universitätsklinikum begrüßte Prof. Dr. Roland Päffle die Gäste an ihrem Ziel. Auch hier gab es Schecks unter tosendem Applaus. Erfasste Stille herrschte bei dem Auftritt von Mitradler Tim Reinicke, dessen Sohn vor zwei Jahren an Leukämie erkrankte. Die zweite Chemotherapie wirkte zwar, aber zu spät. Sein jüngerer Bruder Oskar war zum Glück ein Match als Rückenmarkspender. Das Team der Uniklinik operierte erfolgreich. Heute ist Paul wieder gesund. Seitdem engagieren sich die Reinickes für die „Tour der Hoffnung“, um sich für die Leistung der Mediziner, der Pflegekräfte und allen Beteiligten zu bedanken. Seine bewegende Schilderung zeigte, warum sich jede und jeder einzelne der „Tour der Hoffnung“ verschrieben hat.

Die „Tour der Hoffnung“ startet besonders gerne bei den Stopps richtig durch. Foto: Christian Schell 
Wofür die Spenden verwendet werden

Mit den Spendengeldern werden die Forschung, neue Behandlungskonzepte, pflegerische und psychosoziale Betreuung und klinische Versorgung aktiv unterstützt. Bei der „Tour der Hoffnung“ gilt: Die Spenden kommen zu hundert Prozent bei den Begünstigten an. Sämtliche Kosten der „Tour der Hoffnung“, von der Organisation bis zur Umsetzung, werden von Sponsoren getragen. Deshalb steht neben dem Feiern des Lebens die Übergabe von Spendenschecks im Mittelpunkt eines jeden Stopps. Jeder Betrag wird mit Applaus gewürdigt, von der sechsstelligen Summe bis zu spontan zugesteckten 20 Euro. Und immer wieder werden die Spenden spontan mit einer traditionellen „Tour der Hoffnung“-La Ola gefeiert.

Marina Kielmann und Thomas Ernst moderierten

Bei jedem einzelnen Stopp moderieren Eiskunstläuferin Marina Kielmann und Thomas Ernst durch das Programm. Die musikalischen Botschafter Jessica Kessler und Dominik Reichelt setzen mit der Tour-Ballade „Ein Licht am Horizont“ den Grundton, können aber auch die Gäste zum Tanzen abheben lassen. Zwei Tour-Aktive mischen sich mit Sparschweinen unter die Bürgerinnen und Bürger. Zuletzt übernimmt Petra Behle die Dankesrede an den Gastgeber. Erinnerungsfotos werden mit Bürgerinnen und Bürgern gemacht und Autogramme gesammelt. Dann kommt der Pfiff und es geht wieder in den Sattel. So läuft das bei der Tour.

Bei den bis zu 116 Kilometern langen Etappen geht es nicht um Zeitfahren oder Bergetappen. Entscheidend ist: alle sollen gesund ankommen. Dass der motorisierte Verkehr dem Peloton nicht zu nah kommt, dafür sorgen Motorradstaffeln der Polizei und von Ehrenamtlichen, die die Strecke begleiten und absichern. Eine Handvoll Tour-Radler um Wolfgang Rinn tragen dazu einen roten Helm. Sie sind mit Tourleitung und Polizei per Funk verbunden und halten den Tross zusammen, wenn mal einer aus der Fahrspur zu weit nach links schert oder sich Fahrzeuge zu schnell nähern.

Weitere bekannte Namen

Viele Prominente nutzen ihre Bekanntheit, fahren mit und lassen Selfies mit sich machen. Den Grund der Teilnahme fasste Fußballer und Trainer Felix Magath stellvertretend für viele während eines Stopps zusammen: „Ich bin hier in einer Gemeinschaft, wie ich noch keine Gemeinschaft erlebt habe.“ Dabei waren diesmal unter anderem: Schauspieler Johann von Bülow, Skispringer Stephan Leyhe, Boxer Henry Maske, die Schwimmer Dagmar Hase, Jens Lehmann und Prof. Klaus Steinbach, Ruderin Kathrin Boron, die Biathleten Katrin Apel, Sven Fischer und Frank Ullrich und Hessenschau-Moderator Andreas Hieke. Fehlen durften auch nicht die beiden Tour-Urgesteine Jupp Kapellmann und Klaus-Peter Thaler, die sich seit der ersten Tour im Jahr 1983 der Sache verschrieben haben. Wobei das nur ein kleiner Ausschnitt der 28 Prominenten umfassenden Liste sein kann.

Fast genauso wichtig sind die Begegnungen und Gespräche untereinander. Die über Jahrzehnte zusammengewachsene Tour-Familie genießt das dreitägige Zusammensein. Der Tag kann dabei auch um 5:30 Uhr mit dem gemeinsamen Frühstück starten und nach acht Stunden im Sattel und gemeinsamem Abendessen bis spät am Abend andauern. Die Gesprächsthemen gehen nie aus. Neue Ideen werden entwickelt und Freundschaft gepflegt. „Es war wieder unglaublich, was auch unsere Radlerinnen und Radler selbst mitgebracht haben“, sagt Petra Behle. „Danke an alle, vor allem an unsere engagierten und treuen Sponsoren.“

Neben der finalen Spendensumme interessiert alle im Saal das kommende Ziel: „Nächstes Jahr geht’s nach Hannover“, verkündet der Vorsitzende Dr. Mathias Rinn am späten Samstagabend. Auch das Datum steht bereits fest: Die 45. „Tour der Hoffnung“ wird vom 11. bis 15. August 2027 wieder rollen. Mit einer Neuerung: sie wird einen Tag länger gehen. Der Prolog wird aber weiterhin in und rund um Gießen rollen – dann aber einen Tag länger.

Wie es nun weiter geht

Das Medizinische Kuratorium entscheidet in den kommenden Wochen über gestellte Anträge, 41 an der Zahl, davon 24 wissenschaftliche und 17 therapiebegleitende, mit einem Förderbedarf über 2,8 Millionen Euro. Im November werden die Zuwendungen übergeben. „Daran ist deutlich zu erkennen, dass der Bedarf besteht“, sagt Schirmherrin Petra Behle. Deshalb lautet ihre wichtigste Botschaft: „Auch wenn die 44. Tour der Hoffnung nun vorbei ist, es kann weiterhin gespendet werden.“

Zusätzliche Infos

Internet:         www.tour-der-hoffnung.de

Facebook:      www.facebook.com/hoffnungsradler

Instagram:      www.instagram.com/tourderhoffnung

Film TDH:       https://youtu.be/5DlmeUir1ns    (Langversion)

Titelbild:  lWährend der kompletten Strecke durch Mittelhessen, Sachsen-Anhalt bis Leipzig feuert Maskottchen Michel die ehrenamtlich Engagierten an. Foto: Christian Schell
 


 


 


 

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