Keine Solardächer für Parkplätze
Von Klaus Nissen
Warum gibt es eigentlich keine kühlenden Solardächer auf den großen Parkplätzen in Karben? Und was macht die Stadtverwaltung, damit die immer heißeren Sommermonate erträglich bleiben? Die Eigentümer der Parkplätze und die Stadtsprecherin Desireé Stobbe geben Auskunft.Hitze auf versiegelten Plätzen
Um die sechzig Grad heiß wird es diesen Sommer in tausenden Autos, die vor dem Rewe-Markt an der B3, im Einkaufszentrum der Neuen Mitte und auf dem Parkplatz am Groß-Karbener Bahnhof abgestellt sind. Wer dort losfahren will, muss zunächst einen Hitzeschock überstehen.

Solardächer könnten die hektargroßen Flächen kühlen und zugleich zur Stromproduktion nutzen. Das regten zahlreiche Karbener bei einer Online-Umfrage dieser Zeitung an.
Solardach „wirtschaftlich nicht realisierbar“
Trotzdem tut sich vorerst nichts. In der Neuen Mitte wären Solardächer und Schatten spendende Bäume „wirtschaftlich und technisch nicht realisierbar“, schreibt das Betreiber-Unternehmen IMAXXAM Asset- & Portfolio GmbH aus Frankfurt. Unter dem Platz liege ja die Tiefgarage. Um große Bäume darauf zu ernähren, müsste viel Erde darüber liegen. Deren enormes Gewicht würde die Statik überlasten. Auch für den Bau eines Solardaches müsste man die Fundamente aufwändig verstärken.
Der nebenan liegende große Parkplatz zwischen den Einkaufsmärkten der Neuen Mitte gehört laut Stadtverwaltung teils einem europäischen Investmentfonds, teils den Lebensmittelkonzern Aldi Süd. Dessen Presseabteilung in Mülheim an der Ruhr spricht auf Anfrage nicht über eine mögliche Parkplatz-Überdachung, sondern lobt die eigenen Solaranlagen auf den Supermarkt-Dächern: „Am Standort Karben betreibt ALDI SÜD seit 2015 eine PV-Anlage auf dem Filialdach. 80 Prozent des dort produzierten Stroms werden für den Filialbetrieb genutzt, der Rest wird dem Stromnetz zugeführt.“
Rund 70 Prozent der Aldi Süd-Filialen besitzen demnach Photovoltaikanlagen. Dadurch sparte das Unternehmen jährlich über 34000 Tonnen CO2 ein. Zudem biete man Kund:innen auf über 700 Filialparkplätzen 1.600 Ladepunkte an. „Dabei wird standortindividuell geprüft, welche PV-Anlagen installiert werden.“ Was das für Karben heißt, bleibt unklar.

Der Rewe-Markt im früheren Toom-Gelände am Warthweg neben der B3 soll mitsamt dem davor liegenden Parkplatz verändert werden. Das wurde schon vor Jahren angekündigt. „Die Detailplan ung ist jedoch noch nicht abgeschlossen“ berichtet Anja Loewe, Sprecherin der Rewe-Zweigniederlassung Mitte in Rosbach. So gebe es auch nichts zu einer möglichen Bedachung und Begrünung des Parkplatzes zu sagen.
Stadt nennt zahlreiche Hitzeschutz-Maßnahmen
Der große Pendlerparkplatz am Bahnhof gehört der Stadt, bestätigt die Stadtverwaltung auf Anfrage. „Ein Hitzeschutz ist aber hier wegen dem bestehenden, reichhaltigen Baumbestand nicht in Planung, da sonst gesunde Bäume gefällt werden müssten.“ Der Bahnhofsvorplatz soll aber grundlegend umgestaltet werden. Gegebenenfalls werde man hier auch Solar-Überdachungen planen, ohne Bäume zu fällen. Ob damit der kleinere Pendlerparkplatz neben den Schienen gemeint ist, bleibt offen. Bürgermeister Guido Rahn und Klimaschutzmanager Julian Wunnenberg wollten sich auf mündliche Nachfragen nicht einlassen.
Ansonsten hat die Stadt viele Hitzeschutz-Pläne. Sprecherin Stobbe erinnert an die geplante Erweiterung von „Lennys“ Wald an der Stadtgrenze nach Nidderau und an den 2027 fertigen Badeteich hinter dem Hallenbad. Neue Trinkbrunnen bekommen der Okärber Bikepark und das künftige Brunnenquartier. Letzteres erhält auch ein „Wasserfontänenfeld“ und mehr als hundert Bäume. Regenwasser will man weitgehend vor Ort speichern.
Burg-Gräfenrode wird Vorreiter in Sachen Hitzeschutz
Der Platz an der Ecke Heldenberger und Ludwigstraße in Groß-Karben wird laut Stadtverwaltung entsiegelt und neu bepflanzt. Ebenso der Platz an der Burgstraße in Burg-Gräfenrode. Der kleinste Stadtteil Karbens wird „Vorreiterprojekt“ in Sachen Hitzeschutz. Zuschüsse soll es für die Begrünung von Vorgärten und für den Bau von Zisternen geben.
Alle neuen Flachdachbauten der Stadt werden fortan begrünt. Auf den Kitas und Feuerwehrhäusern wächst so eine natürliche Dämmung mit spürbarem Kühleffekt für die Umgebung, heißt es in der Antwort der Stadt. Die neuen Kitas in Petterweil, Rendel und Burg-Gräfenrode bekommen eine Fußbodenkühlung, die die Raumtemperatur um bis zu fünf Grad senken soll. Für die Außenbereiche der Kitas habe die Stadt große Sonnenschirme geordert.
Sehr informativer und wichtiger Beitrag!