Harry Thyssen

Der Veranstaltungs-Jongleur

Von Bruno Rieb

Es gab kaum eine GroßvHarryThysseneranstaltung in den beiden vergangenen Jahrzehnten in Friedberg, bei der er nicht die Finger im Spiel hatte. Er wirkte dabei meist hinter der Bühne. Bei „Friedberg spielt“ am Samstag, 11. Juni 2016, holt der Landbote Harry Thyssen auf die Bühne. Er hat viel zu erzählen.

Bälle und Keulen fliegen

Jongliergeraete
Foto: Backwahn/Wikipedia)

Er weiß wie es ist, im Rampenlicht zu stehen. Seine Anfänge liegen auf der Bühne. Mit jonglieren. Der gelernte Maler und Lackierer hatte eine Krankenpflegerausbildung begonnen. Ein Kollege wirbelte mit Bällen und Keulen. „Zeigst du mir das?“ Er zeigte es Harry Thyssen. Die Ausbildung zum Krankenpfleger war passé. Artistik wurde zur Berufung des Bad Nauheimers – Kleinkunst- und bald auch Großveranstaltungen zu organisieren, zu seinem Beruf.

Mr. Joc und Mr. Hart

Mit einem Freund formierte er das Jonglier-Duo Mr. Joc und Mr. Hart. Thyssen war Mr. Hart. Bei einem Besuch der Friedberger Traditionskneipe Dunkel geriet er in eine Sitzung der Burgfest-AG, die das legendäre, alljährlich Tausende Besucher anlockende Hippiefestival in der Friedberger Burg ausrichtete. Fortan organisierte er das Festival mit.

Earlyjuggling_1Er buchte die Termine für die Auftritte von Mr. Joc und Mr. Hart und  organisierte ein Treffen von Jongleuren mit über 100 Teilnehmern in Friedberg, parallel zum Burgfest, mit Public-Show während des Festes.  Und er wurde Wirt: Mit zwei Teilhabern gründete er das Café Kaktus, das sich bald einen guten Ruf als Kleinkunstbühne erwarb, weit über Friedberg hinaus.

Der Kaktus schreibt Geschichten

Sitzt man mit dem heute 50-Jährigen im Kaktus, kann er unendlich harryThyssen1erzählen. Die Geschichte mit Gregor Gysi zum Beispiel, die teuer wurde. Gysi war zum Streitgespräch mit Heiner Geißler in den Kaktus geladen. Geißler kniff, Gysi nicht. Gysi durfte auch ohne Geißler auftreten. Die Kreissparkasse, die das Kulturprogramm im Kaktus förderte, fand das nicht gut und strich die Förderung von 1000 Euro im Jahr.

„Wir haben Comedy geboten, als es den Begriff noch gar nicht gab“, sagt Thyssen und meint damit nicht das Kreissparkassen-Spektakel sondern das anspruchsvolle Kaktus-Programm. Kommende Größen des Genres gaben sich die Klinke in die Hand: Mario Barth, der heute Stadien füllt, Kaya Yanar, Vince Ebert, Urban Pirol, Ingo Appelt…

Das Organisationstalent

Harry Thyssens Organisationstalent sprach sich herum. Immer wieder wurde er von Freunden und Bekannten gefragt, ob er ihre Auftritte und Veranstaltungen organisieren kann. Er gründete die Veranstaltungsagentur Thyssen Entertainment und stieg 1991 aus dem Kaktus aus, organisierte aber noch drei Jahre das Kleinkunstprogramm.

Das Altstadtfest, der Kreisstadtsommer, „Friedberg hat’s“, die Veranstaltungen sind Legion, die er seither in der Kreisstadt organisierte. Und darüber hinaus: Uni-Sommerfest in Marburg, HR@Night in Kassel, vor zwei Jahren war er auf Tour mit dem Stargeiger David Garret, der von der Neuen Philharmonie Frankfurt begleitet wurde, die Thyssen gut vom Kreisstadtsommer kennt.

Vor allem aber: 2002 wirkte er bei der Gründung des Neujahrs-Varietés des Strom und Wasserversorgers Ovag mit. Es begann mit zwei Veranstaltungen. Heute lockt das Programm mit Spitzenartistik  über 30000 Zuschauer und etwa 40 Aufführungen. Der Strom- und Wasserversorger hält die Eintrittspreise Preise niedrig. Fürs kommende Jahr kosten die Karten auf der Ovag-Homepage zwischen 30,70 und 35,10 Euro. Viele Aufführungen sind schon jetzt weitgehend ausgebucht. Ein solches Programm „gibt es in Deutschland nur einmal, vielleicht sogar in der Welt“, sagt Thyssen. Vor allem nicht zu diesen Eintrittspreisen. Es ärgert ihn immer noch, dass er nach vielen Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit vor die Tür gesetzt wurde. Seit drei Jahren organisiert er in Offenbach im Capitol ein Varietéprogramm. Ohne einen finanzkräftigen Geldgeber wie die Ovag sei das aber ungleich schwerer.

Er nahm einen neuen Anlauf als Wirt in Friedberg, mit dem „Backstage“. „Mein Traum: Ein Gewölbekeller mit Bühne“, sagt er. Der Traum platzte. Die Kneipe lief nicht so recht, wurde zum finanziellen Albtraum. Nach zweieinhalb Jahren gab er auf. Geblieben ist Copa Kaba Noga Festival an der Stadtkirche, das vor zwei Jahren von sechs Friedberger Wirten ins Leben gerufen wurde. Der merkwürdige Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Gründer-Kneipen zusammen: Costas, Pastis, Kaktus, Backstage, Novum, Galerie.

Der Flüchtlingshelfer

Seinen Lebensunterhalt verdient er inzwischen in der Flüchtlingshilfe. Er ist im Leitungsteam für die Betreuung unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge und verantwortlich für die Teamkoordination und Kulturvermittlung. Da sind ihm seine Erfahrungen und Kontakte als Veranstaltungsmanager sehr nützlich.

Thyssen Entertainment betreibt er weiter. Er war gerade in Kiew, hat sich die Abschlussgala der Staatlichen Ukrainischen Artistenschule angeschaut und Kontakte geknüpft, um ein großes Projekt umzusetzen: Ein Artistenprogramm mit Flüchtlingen. Unter den aus Syrien, Ägypten und anderen Staaten Nordafrikas geflüchteten Menschen sind sicher auch Artisten, sagt er. Zusammen mit einem Partner aus den Niederlanden und der Artistenschule in Kiew will er mit ihnen ein Programm aufbauen. Ein Antrag auf Fördermittel der EU ist gestellt. Thyssen rechnet damit, dass bis Oktober darüber entschieden sein wird.

Thyssen liebt den Umgang mit Artisten. Die seien etwas Besonders. „Das sind Freaks“, sagt er.

Der Landbote präsentiert Harry Thyssen am Samstag, 11. Juni 2016, um 12 Uhr bei „Friedberg spielt“ auf der Bühne an der Burg. Nach einem kurzen Interview spielt er mit dem Publikum.

4 Gedanken zu „Harry Thyssen“

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