SCHÖNE GESTE IN GIESSEN

Ein Zettelchen als Geschenk

von Jörg-Peter Schmidt

Die junge, sympathische Frau wollte in der Gießener Lonystraße, nicht weit vom IHK-Gebäude entfernt, etwas loswerden: ihren kleinen, grauweißen Zettel, den sie nicht mehr brauchte. Der aber noch gut eine dreiviertel Stunde Parkzeit aufwies. Den wollte sie weiterreichen, damit eine Pkw-Fahrerin oder ein -Fahrer Geld sparen kann.

Diese schöne Geste kommt schon Mal vor. Auch in Gießen. Man steigt aus dem Auto und es kommt einem jemand entgegen, der seinen Parkzettel mit einer Restlaufzeit verschenkt. Aber die Pkw-Fahrerin in der Lonystraße ging noch einen Schritt weiter. Sie blieb neben mir stehen und kündigte an, so lange warten zu wollen, bis jemand ihr Schein benötigt. Wir schauten jetzt also beide, ob jemand in eine der beiden noch freien Parkbuchten vor uns fahren würde und warteten gut eine Viertelstunde vergeblich, während wir uns über die Straßenverkehrsprobleme und unterschiedliche Parkgebühren in Gießen unterhielten.

Ich muss schon sagen: Von der Einstellung meiner Gesprächspartnerin gegenüber ihren Mitmenschen war ich beeindruckt. Das wollte ich ihr auch sagen,  aber dann aber musste sie los, zu einem Termin, wie sagte. Sie drückte mir noch schnell ihren Parkschein in die Hand: Vielleicht würde ihn ja doch noch jemand brauchen. Und so war es auch: Eine Pkw-Fahrerin, die nur kurz parken wollte, nahm das Zettelchen dankbar entgegen.

Es war nur eine kleine Geste einer mir unbekannten Frau, die „hartnäckig“ etwas verschenken wollte. Aber da man regional oder überregional auch schon mal unfreundlichen Menschen begegnet, hat mich das Verhalten dieser uneigennützigen Pkw-Fahrerin umso mehr gefreut. Auch so eine kleine Geste ist nicht selbstverständlich in einer hektischen, sehr nervösen Zeit.  (Foto: Jörg-Peter Schmidt)

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