Großereignis bewegt Oberhessen
Von Corinna Willführ
Unter dem Motto „wir sind garten“ präsentiert Oberhessen vom 22. April bis 3. Oktober die Landesgartenschau (LGS) 2027. An 165 Tagen bieten elf Städte und Gemeinden im Wetteraukreis und im Vogelsbergkreis mehr als 1500 Veranstaltungen. Die LGS Oberhessen 2027 ist als erste Interkommunale Landesgartenschau ein Novum in Hessens Geschichte.Wanderweg Oberhessensteig
„Drei besondere Parks“ erwarten die Gäste mit dem Stadtpark in Büdingen, dem Schlosspark in Gedern und dem historischen Kurpark in Bad Salzhausen. Letzterer ist zugleich das Herzstück der Präsentationen, die klassisch für eine Landesgartenschau sind. Darüber hinaus sollen Interkommunale Projekte wie der Oberhessensteig als Wanderweg mit rund 160 Kilometern Länge und die durch Bürgerbeteiligung ausgewiesenen Entdeckerpunkte die Region nachhaltig bekannter, erlebbarer, lebens- und liebenswerter machen. Über den LGS-Zeitraum hinaus.
Blick in die Geschichte
Am Anfang war es ein so mutiges, wie zukunftsweisendes Unterfangen des Vereins Oberhessen, im Januar 2020 bei der Landesregierung in Wiesbaden mit einer Idee aufzutreten, die es bis dahin in Hessen nicht gab: eine Interkommunale Landesgartenschau durchzuführen. Eine Machbarkeitsstudie wurde erstellt. Von August bis November waren Bürgerinnen und Bürger gefragt. Viele Stunden kontroverser Diskussionen folgten nach der Vorstellung der Machbarkeitsstudie bis schließlich am 17. November 2020 die kommunalen Vertretungen von elf Kommunen einig waren, das Unternehmen zu wagen und sich für die erste Interkommunale Landesgartenschau Oberhessen gemeinsam zu bewerben.
Henrike Strauch, seit 2017 Vorsitzende des Vereins Oberhessen, hielt damals einen kleinen Blumengruß in der Hand als sie die Bewerbung in Wiesbaden überreichte. Am 19. Mai 2026 ist es genau fünf Jahre her, dass die LGS Oberhessen 2027 vom Hessischen Kabinett den Zuschlag erhielt, die bislang in der Geschichte des Bundeslandes einmalige Kooperation in Angriff zu nehmen.
Überzeugungsarbeit für Zukunftsideen
Die nächsten Schritte: Am 15. Dezember 2021 wird die gemeinnützige gGmbH gegründet. Sie hat ihren Sitz in der Kurstraße 2 b im Niddaer Stadtteil Bad Salzhausen. Der denkmalgeschützte untere Kurpark des einstigen kleinsten Hessischen Staatsbades ist das Herzstück der LGS Oberhessen 2027. Geschäftsführer der gGmbH sind Florian Herrmann, Thomas Hellingrath und Rudolf G. Hartmann. Henrike Strauch ist Aufsichtsratsvorsitzende.

Von der Entscheidung bis heute leisten die Initiatoren wie Verantwortlichen unermüdlich Überzeugungsarbeit für die Zukunftsideen, die mit der LGS Oberhessen 2027 verbunden sind. Geschäftsführer Florian Herrmann fasst sie zusammen: eine integrierte Entwicklungsstrategie, die die Sichtbarkeit und Identität der Region über kommunale Grenzen hinaus erweitert. Denn: „Zukunftsthemen lassen sich nur gemeinsam lösen.“ Zukunftsthemen wie Mobilität, Daseinsvorsorge, demografischer Wandel oder Klimaanpassung.
Dass die Investitionen für die LGS Oberhessen 2027 „eine langfristige Wirkung“ (Herrmann) für die Region haben werden, bestreiten deren Kritiker weiterhin. Vor allem sind es die mit dem Großprojekt verbundenen Kosten, die die vielerorts schon klammen Kommunen zusätzlich belasteten.
30 Millionen Euro Fördergelder eingeworben
Thomas Hellingrath: „Wir haben bereits rund 30 Millionen Euro Fördergelder für die LGS bekommen. Da können wir schon stolz drauf sein.“ Zur Aufklärung: Die Baumaßnahmen und die Veranstaltungen – 1500 bis 2000 -) sind vorgesehen, werden über zwei Haushalte abgewickelt. Aus dem Pressematerial: „Das Land fördert die investiven Maßnahmen, also die nachhaltigen Projekte mit 4,5 Millionen Euro. Für Gedern sind die Kosten für den Park mit etwa 4,9 Millionen Euro (netto) kalkuliert. Für Büdingen sind es 4,7 Millionen Euro. Der Durchführungshaushalt deckt alle Inhalte der Landesgartenschau ab, etwa temporäre Schaugärten oder Veranstaltungen. Er speist sich aus Eintrittsgeldern, Sponsoring, Fördergeldern und einmaligen kommunalen Beiträgen. Pro Einwohner sind 58 Euro Beitrag je Kommune veranschlagt.“
Mit Kritik an dem Großprojekt müssen die Veranstalter wohl weiter rechnen. Denn Fragen der Mobilität („Wie komme ich ohne Auto etwa von Büdingen nach Gedern), der Infrastruktur („Wo kann ich wie übernachten? Welche Gastronomiebetriebe gibt es?“) oder der Verkehrsführung bzw. Wo gibt es ausreichend Parkplätze für die erwarteten 400.000 bis 500.000 Gäste?“
Die LGS Oberhessen 2027 setzt auf Information und Öffentlichkeitsarbeit. Zuständig in der Geschäftsstelle dafür ist Myriam Lenz. „Ein Jahr vor der Eröffnung haben wir bereits ein großes Medien-Echo. Auch bundesweit etwa in Publikationen wie der „FAZ“ oder dem „Spiegel“.
Wer in der Region lebt oder einen weiteren Weg nicht scheut, kann sich auch selbst ein Bild von den Arbeiten in Büdingen, Gedern und Bad Salzhausen machen. Oder unter www.landesgartenschau-oberhessen.de verfolgen, was sich dort tut.
Weitere Beiträge auf der Seite des Landboten folgen
Der Landbote informiert in weiteren Artikeln über die laufenden Arbeiten im Stadtpark Büdingen, dem Gederner Schlosspark und dem Kurpark Bad Salzhausen. Vorgestellt werden außerdem die Mitmachaktionen im Vorfeld der LGS Oberhessen 2027, die aktuelle Situation der Markierung auf dem Oberhessensteig und die interkommunalen mit viel ehrenamtlichem Engagement zusammengetragenen Entdeckerpunkte. In und um die elf beteiligten Kommunen: Echzell, Limeshain, Ranstadt, Nidda, Glauburg, Ortenberg, Gedern, Hirzenhain, Kefenrod, Büdingen und Schotten.
Titelbild: Ein Blick auf die Region Oberhessen. Sie wird von der Landesgartenschau nachhaltig profitieren. (Foto: Renner/LGS)
