Corona und Lebensmittel

Rewe macht Sonderschichten

Von Klaus Nissen

Weil die Lebensmittel-Nachfrage immer noch deutlich höher ist als vor der Corona-Epidemie, muss die aufgestockte Belegschaft der Rewe-Lager in Rosbach und Hungen auch nachts arbeiten. Die Knappheit an Klopapier lässt nach. Und für die Tafeln bleibe keine Lebensmittel mehr übrig.

Corona und Lebensmittel

Immer noch gibt es Lücken in den Regalen der Supermärkte. Mehl, Speiseöl, Backhefe, Küchentücher und vor allem Toilettenpapier sind nicht überall und nicht in gewohnter Vielfalt zu bekommen. Doch es wird besser, sagte am 26. März 2020 Rainer Lapp, der in Büdingen, Ranstadt, Stockheim und Gelnhausen insgesamt fünf Rewe-Märkte betreibt. Die Lage habe sich entspannt. Die Warenversorgung liege inzwischen bei 95 Prozent im Verhältnis zur Zeit vor dem Corona-Virus.

Toilettenpapier und Küchenrollen sind im Nieder-Florstädter Rewe-Markt nahezu ausverkauft. Nun kommt allmählich neue Ware. Das Regionallager verteilt die in Rosbach und Hungen angelieferten Rollen gleichmäßig auf alle Märkte, damit nicht einige die ganze bestellte Menge und andere nichts bekommen. Foto: Nissen

Auch wenn es keine Hamsterkäufe mehr sind, holen die Menschen momentan noch 30 Prozent mehr Waren als üblich aus den Supermärkten. In der vorigen Woche lag der Umsatz in Lapps Märkten um 60 Prozent höher als üblich. Am meisten kauften die Menschen am vorletzten Montag (16. März). Da nahmen Lapps Märkte sagenhafte 170 Prozent mehr ein als sonst. Die erhöhte Nachfrage führte auch dazu, dass bei Ladenschluss seit zwei Wochen kaum noch Obst oder Joghurtbecher übrigbleiben, die sonst an die Tafeln gehen.

„Aktuell geht es ruhig zu in den Läden, es gibt keinen Stress“, sagt Lapp. Die meisten Kunden kaufen nun nicht mehr viermal, sondern nur zweimal pro Woche ein – dafür aber mehr. Die Verkäuferinnen und Verkäufer haben sich nach Eindruck ihres Chefs sehr darüber gefreut, dass Bundeskanzlerin Merkel sie als Rückgrat der Nation gelobt hat. Auch die meisten Kunden seien netter als sonst: „Meine Leute bekommen jetzt Trinkgeld – und man stellt ihnen ganz viele Süßigkeiten hin.“

Rewe setzt 50 zusätzliche Lastwagen ein

Der Nachschub für die Supermärkte von Rainer Lapp und über 400 weitere Märkte kommt vorwiegend aus den Rewe-Lagern in Hungen und Rosbach. Dort herrscht mehr Betrieb denn je, sagt Anja Krauskopf von der Region Mitte des Handelskonzerns. „In Hungen wird derzeit eine Sonderschicht eingesetzt, Beginn um Mitternacht. Zurzeit haben wir für die Lager Hungen und Rosbach zirka 50 zusätzliche Fahrer und LKW beauftragt, die unseren Fuhrpark unterstützen.“ Außerdem habe Rewe für die Lager zusätzliches Personal und Fremddienstleister rekrutiert; die Stammbelegschaft mache Überstunden.

Die immer noch erhöhte Nachfrage besteht laut Anja Krauskopf vor allem nach lange haltbaren Lebensmitteln, Konserven und Drogerie-Artikeln. Rewe habe die Lagerbestände in Hungen und Rosbach erhöht, denn man gehe nicht davon aus, dass sich die verstärkte Nachfrage in nächster Zeit wieder abflaut. So herrscht auf den 41000 Quadratmetern Lagerfläche in Hungen und den knapp 22000 Quadratmetern in Rosbach eine große Enge, berichtet Anja Krauskopf. Es zeige sich, wie wichtig der Bau eines neuen Logistikzentrums an der A45 bei Berstadt sei. Dort soll ab 2022 eine rund zehn Hektar große Lagerhalle entstehen. Allerdings ist der Bebauungsplan noch nicht beschlossen, und vor Gericht versuchen Projektgegner, das Zentrum zu verhindern.

Versorgung „grundsätzlich gesichert“

Die aktuelle Anlieferung der Lebensmittel von den Produzenten ist Anja Krauskopf „grundsätzlich gesichert“. Es gebe auch keine Probleme in der Warenversorgung aus dem Ausland, obgleich sich die Transportzeiten durch die Grenzkontrollen verlängern. Und dann kommt ein Satz, der ältere Semester sehr an die Spruchbanner entlang der Transit-Autobahnen durch die DDR erinnern dürfte: „Unsere Mitarbeiter arbeiten mit äußerstem und unermüdlichem Einsatz, die Warenversorgung aufrecht zu erhalten.“

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