SPD Bad Nauheim

„Schulbusse sind zu voll“

„Und wieder rein in die Sardinenbüchse“, sagt ein Schüler, der mit seinen Freunden nach der 6. Stunde auf den Bus zugeht. Dass die Schulbusse zu voll sind, findet auch die SPD Bad Nauheim, die vor dem Hintergrund der Corona-Krise dringenden Handlungsbedarf sieht. Die Sozialdemokraten haben einen Eilantrag für die Stadtverordnetenversammlung am heutigen Donnerstag, 27. August 2020 (19.30 Uhr) in der Frauenwaldhalle in Nieder-Mörlen gestellt.

Im Gespräch mit dieser Zeitung bezeichnet Landrat Jan Weckler (CDU) das Thema als große Herausforderung, für die es keine Musterlösung gebe. Der Kreis sei an das Land herangetreten.

Die SPD Bad Nauheim fordert eine Lösung für den Schülertransport in Bussen. (Foto: Petra Ihm-Fahle)
Die SPD Bad Nauheim fordert eine Lösung für den Schülertransport in Bussen. (Foto: Petra Ihm-Fahle)

Schülertransport in vollen Bussen

Es ist kurz nach 13 Uhr, aus dem Schulzentrum strömen große Mengen von Schülern zum Eleonorenring. Die Radfahrer sind vorneweg, Fußgänger folgen. Nach und nach bilden sich Trauben an den Busstationen auf beiden Seiten der Straße. Busse mit verschiedenen Zielrichtungen fahren vor, die Schüler laufen im Pulk zu den Eingängen. Fast alle Busse fahren überfüllt ab, sämtliche Plätze sind belegt. In den Gängen stehen Kinder und Jugendliche, teilweise dicht. Auf den Gesichtern tragen sie Masken.

Die SPD Bad Nauheim fordert eine Lösung für den Schülertransport in Bussen. (Foto: Petra Ihm-Fahle)
Die SPD Bad Nauheim fordert eine Lösung für den Schülertransport in Bussen. (Foto: Petra Ihm-Fahle)

Eng und anstrengend

Nachdem der Trubel vorbei ist, warten drei Schülerinnen noch an der Station, weil sie einen späteren Bus nehmen wollen. Der komme in elf Minuten und sei leerer. Wie sie erzählen, ist es ihnen zu eng und anstrengend in der Masse, in der nicht alle Passagiere ihre Masken nach dem Einstieg aufbehielten.

Mehr Busse für Schülertransport

Mit dieser Einschätzung liegen die Mädchen auf einer Linie mit vielen besorgten Eltern. Wie der Sprecher der SPD Bad Nauheim, Sinan Sert, unterstreicht, verlangt seine Fraktion, diese Zustände zu beenden. Der Magistrat soll auf Landrat Jan Weckler (CDU) einwirken, den Schuldezernenten des Wetteraukreises. Schnellstmöglich soll er eine Entschärfung des Schüler-Transports nach Bad Nauheim initiieren. „Ziel soll dabei sein, die erlaubte Fahrgastzahl in Bussen zu beleuchten und mehr Busse für den Schüler-Transport zum Einsatz zu bringen, um die Ansteckungsgefahr im Covid-19-Kontext zu reduzieren“, sagt Sert.

Hipos sollen aufpassen

Wünschenswert wäre seinen Worten zufolge ferner, wenn täglich zum Schulschluss, vornehmlich nach der 5. und 6. Stunde, Bad Nauheimer Ordnungskräfte vor dem Schulzentrum darauf achten, dass die Kinder und Jugendlichen Traubenbildungen vermeiden und Abstandsregeln einhalten.

Stadtwerke sollen flankieren

Der Magistrat soll zudem die Stadtwerke bitten, ihr Potenzial zur Unterstützung des Schülertransports mit Bussen zu prüfen.

Eltern beschweren sich

Sert betont: „Obwohl bei dem guten Wetter der vergangenen Tage etliche Schüler mit dem Fahrrad zur Schule gefahren sind, häufen sich Beobachtungen und Meldungen, dass beim Schülertransport mit Bussen vermehrt Situationen entstehen, die im Kontext der Covid-19-Pandemie von Eltern als auch von Schülern als kritisch und unverantwortlich eingeschätzt werden. Sie bemängeln vor allem die Zahl der Fahrgäste, beziehungsweise der Schüler im Bus sowie das ‚Crowding‘ beim Einsteigen.“

Wetter wird schlecht, Fahrrad fällt vermehrt weg

Eine genaue Betrachtung der Situation scheine deswegen sinnvoll. Dies gelte besonders, da nunmehr auch die Corona-Fallzahlen wieder stiegen. „Zudem darf künftig auch mit regnerischem Wetter gerechnet werden, ohnehin steht die Herbst- und Winterzeit bevor“, stellt der Sprecher der SPD Bad Nauheim fest. Entsprechend werde das Fahrradfahren zur Schule als Ausweichmöglichkeit wohl wegfallen.

Das sagt Landrat Jan Weckler

„Das Thema Schülerbeförderung in Corona-Zeiten ist eine große Herausforderung, die daher auch ein gemeinsames Vorgehen bedingt“, erklärt Landrat Jan Weckler gegenüber dem Neuen Landboten.

„Laut Gesetz kein Mindestabstand“

Grundsätzlich gelte, dass an Haltestellen, beim Ein- und Aussteigen sowie innerhalb der Fahrzeuge kein Mindestabstand besteht. Hier heiße es: „[…] an Haltestellen und auf Bahnsteigen, beim Ein- und Aussteigen sowie innerhalb der Fahr- und Flugzeuge muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Personen nicht eingehalten werden […]“. Dies gehe aus gemäß §1 Absatz 6 der Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung hervor. „Entsprechend besteht dort eine Maskenpflicht.“

An diesen Vorgaben orientiere sich auch die VGO, die im Wetteraukreis für die Schülerbeförderung zuständig sei.

Wie Weckler weiter erläutert, erfolge die Schülerbeförderung im Wetteraukreis seit den 1990-er Jahren weitgehend im Rahmen des Linienverkehrs, sprich, jedermann mit gültiger Fahrkarte könne die Busse nutzen.

In Kontakt mit Polizei

„Der Wetteraukreis ist daher in Kontakt mit der Wetterauer Polizei, die wiederum gemeinsam mit den kommunalen Ordnungsämtern Schwerpunktkontrollen zur Einhaltung der Maskenpflicht in Bussen durchführen wird.“

„So viele Busse gibt es nicht“

Weckler: „Zu berücksichtigen ist, dass für die Umsetzung der Abstandsregelung im Schülerverkehr in Spitzenzeiten eine drei- bis vierfache Busvorhaltung notwendig wäre. Dafür müssten Busse beschafft werden, die nicht vorhanden sind und Busfahrer eingestellt werden, die es kurzfristig nicht gibt.“

Das Einsetzen von Reisebussen für die Schülerbeförderung sei außerdem rein rechtlich nicht ohne Weiteres möglich, „diese benötigen beispielsweise eine Linienbusgenehmigung , für die das Land ebenso zuständig ist.“ Hervor gehe dies aus § 42 des Personenbeförderungsgesetzes.

„Kreise wenden sich an Land“

„Das Thema Schülerbeförderung in Corona-Zeiten bleibt eine Herausforderung, für die es keine Musterlösung geben kann“, betont der Landrat. Der Wetteraukreis habe keine Handhabe, diese Probleme alleine zu lösen. „Daher sind die Landkreise über den Hessischen Landkreistag an die Hessische Landesregierung herangetreten, die auch den rechtlichen Rahmen vorgibt, um gemeinsam Lösungen zu diskutieren und eine hessenweite Strategie zu ermöglichen.“

Sorge vor der Ansteckung im vollen Bus

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