Vernetzung

Gießen soll Kulturgewerbehof erhalten

Gießen zeichnet sich durch eine vielfältige Szene aus innovativen Künstlern, Kreativunternehmen und verschiedenen Akteuren aus. Sie sollen im Rahmen eines Kulturgewerbehofs einen Platz auf dem Gelände der Alten Feuerwache in der Steinstraße der Universitätsstadt erhalten.

Große Chance wird geboten

Die Stadt unterstützt diese innovative Einrichtungen. Dieser Szene ein Zuhause zu geben, sie in der Stadt noch sichtbarer zu machen, Synergien zu erzeugen und Impulse für kreative Lösungen zu Fragen der Stadtentwicklung zu geben, ist seit langem eine Idee, berichtet die Pressestelle der Stadt Gießen. Es geht um einen zentralen Ort der Vernetzung, um eine „Denkfabrik“ für kreative Köpfe aus Wirtschaft, Kultur und „social entrepreneurship“, für Co-Worker*innen, Start Ups, Initiativen, mit Raum für Tagungen, Veranstaltungen und Gäste.

Diese Idee nimmt nun Gestalt an. Eine Machbarkeitsstudie im Auftrag des Kulturamtes wird nun der Frage nachgehen, wie ein Kulturgewerbehof betrieben werden kann. Hintergrund ist der Bau des Gefahrenabwehrzentrums und der damit verbundene Auszug der Berufsfeuerwehr, durch den eine zentrale und potentiell geeignete Immobilie frei wird. Die zu erstellende Machbarkeitsstudie wird die Basis eines Durchführungsbeschlusses für die Etablierung eines Kulturgewerbehofes sein, der noch im Dezember 2020 in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht werden soll.

Oberbürgermeisterin und Kulturdezernentin Dietlind Grabe-Bolz betonte in einer Pressekonferenz zum Start der Studie den Stellenwert des Vorhabens für Gießen. „Ein solches Zentrum kann durch seine Mischung aus kreativen, unternehmerischen und sozialen Ansätzen wesentliche Impulse für die Entwicklung Gießens leisten“, so Grabe-Bolz. Im Rahmen der Studie werden ein Nutzer*innenkonzept und ein Raumprogramm entwickelt werden sowie Untersuchungen für Trägermodelle und zur Wirtschaftlichkeit angestellt werden.  Die Studie knüpft an ein Konzept an, das die urbanautik 2019 im Auftrag des Kulturamtes entworfen hat. 

Ein Workshop zu Beginn

Mit der Erstellung der Studie ist das STUDIO if+ mit Partnern beauftragt worden. Zu dem Konsortium gehören Prof. Isabel Finkenberger (Stadtplanerin, Köln), René Tribble (Hamburg), Amsel Kollektiv (Lena Bruns/Meike Frenkel) und Michael Heinze (Institut für Raumplanung und Immobilienwirtschaft). Die urbanautik bringt ihrerseits ihr know how und Erfahrung aus der bisherigen Konzeptarbeit ein. Ebenso begleitet Jakob Sturm, Beauftragter für Räume für die Kultur- und Kreativwirtschaft in Hessen im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen diesen wichtigen Schritt.

Am Anfang steht ein dreiteiliger Workshopprozess, der mögliche NutzerInnen und ihre Bedürfnisse zusammenbringen wird und auch Impulse für die Frage einer Trägerschaft geben wird. Den Auftakt macht ein Workshop am 31. August 2020 von 17 – 20 Uhr in der Gießener Kongresshalle (Alte Kunsthalle), der zum ersten Mal mögliche Nutzer*innen zusammenbringen wird. Diese Kontakte werden in einem zweiten Termin vertieft, bevor im dritten Workshop die Frage der Trägerschaft im Fokus stehen wird. Am Ende des Prozesses sollen möglichst verbindliche Aussagen von zukünftigen Nutzer*innen stehen. Besonderen Dank sprach Grabe-Bolz der Geschäftsstelle Kreativwirtschaft bei der HA Hessen Agentur GmbH für das großzügige Sponsoring des 1. Workshops aus.
Nähere Informationen und einen Link zur Anmeldung findet man  unter.
giessen.de/kulturgewerbehof  Soweit die Pressemitteilung der Stadt. 

 Unter der obigen Internetadresse Adresse gibt es Erläuterungen über die Machbarkeitsstudie.  Auch kann man historische Fakten abrufen:


Unter der Adresse giessen.de/kulturgewerbehof findet man zahlreiche Informationen, Fotos und Illustrationen zum Projekt. 
Die Entstehungsgeschichte der Machbarkeitsstudie

In den Jahren 2002 bis 2003 entsteht eine Studie zur Interkommunalen Zusammenarbeit Gießen – Wetzlar im Rahmen des Forschungsverbundes „Stadt 2030“, initiiert und finanziert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ausgangslage hierfür war, dass Gießen und Wetzlar als Entwicklungsmotoren für die Region Mittelhessen sich im Wettbewerb mit anderen Stadtregionen zu behaupten haben, um in Abgrenzung zum Rhein-Main-Gebiet und der Nachbarregion Rhein-Rhur nicht ins Abseits zu geraten

Aus der Studie entsteht ein Strategiepapier für die Städte Gießen – Wetzlar 2030 Unter demographischen, ökonomischen, technologischen, sozialen, kulturellen und ökologischen Aspekten wird ein Leitrahmen für die Stadtregion Gießen-Wetzlar 2030 entworfen. Zu diesem Leitrahmen gehören 12 Handlungsschwerpunkte mit Startermaßnahmen für die künftige Zusammenarbeit der interkommunalen AG.Unter dem Handlungsschwerpunkt 10 – Kulturstädte –wird als Modul 3 die Einrichtung eines Kulturgewerbehofes als Gründerzentrum genannt.

Im Jahr 2007 wird eine Studie zu kulturwirtschaftlichen Potenzialen in Gießen erarbeitet.Als eine von 8 Städten beteiligt sich Gießen an der Workshopreihe „Kulturwirtschaft und Stadtentwicklung“, gefördert vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung sowie vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Begleitet wird die Reihe von der Schader-Stiftung.In dem Workshop in Gießen postuliert Jörg Wagner, Künstler in Gießen, erstmals die Idee zu einer kümmerei zur Stärkung von Kunst und Kultur als zentrale Wirtschaftsfaktoren in der Stadtentwicklung.

Das Modellprojekt kümmerei wird 2008/2009 als Schnittstelle zwischen Kulturakteuren, Kreativwirtschaft, Immobilienwirtschaft, städtischer Verwaltung und den Hochschulen gegründet. Sie wird getragen von der Abteilung Wirtschaftsförderung, dem Stadtplanungsamt und dem Kulturamt, gefördert durch das Land Hessen im Projekt „Hegiss-Innovation – Modellvorhaben Soziale Stadt“. Die kümmerei – Kulturwirtschaft als Motor der Stadtteilentwicklung in der Gießener Nordstadt – greift temporär auf innerstädtische Leerstände zurück und nutzt diese als Orte zur Vernetzung kulturwirtschaftlicher Akteure, für Leerstandmanagement und Zwischennutzungen sowie als kulturelle Veranstaltungsorte.

Die kümmerei wird als Projekt der Stadt Gießen 2011 bis 2016 fortgesetztgetragen durch das Stadtplanungsamt, das Kulturamt und die Abteilung Wirtschaftsförderung. Aufgaben der kümmerei sind Leerstandsvermittlung, Vernetzung, Beratung von Kulturakteuren und Akteuren der Kreativwirtschaft, Workshops zu relevanten Themen für Kulturakteure (bsp. Steuern für Künstler), Einbindung kulturwirtschaftlicher Bereiche der Hochschulen.Nach der „nomadischen Besetzung“ von mehreren Leerständen, findet die kümmerei schließlich für drei Jahre in Kooperation mit der Technischen Hochschule Mittelhessen im Produktionshaus „neun10räume in der Moltkestraße 11 in Gießen, ein festes Domizil.

In der „Anschlussverwendung“ 2015 in der Grünberger Straße in einem ehemaligen Drogeriemarkt wird ein co-working-space mit 8 Schreibtischplätzen, Wohnzimmer-/Cafébereich, sowie Shop zur Produktpräsentation durch die raumstation3539 eG gegründet.

Nach 8 Jahren wird der Staffelstab 2017 von der kümmerei an die urbanautik als Projekt der raumstation3539eG übergeben.

In einer ehemaligen Kirche in der Georg-Philipp-Gail-Straße wird 2018 der Kulturgewerbehof-Modellprojekt »prototyp« mit 6 Schreibtischplätzen, Ateliers, Büros, Besprechungsraum, Veranstaltungsfläche, Werkstatt und Garten von der urbanautik gegründet.

2018 bringt die urbanautik öffentlich die Alte Feuerwache in der Steinstraße als möglichen Ort für einen Kulturgewerbehof ins Gespräch.

Die Stadt Gießen beauftragt 2019 die urbanautik mit einer Konzeption für einen Kulturgewerbehof am Beispiel der Alten Feuerwache Gießen.

Zur Weiterentwicklung und Prüfung des Konzeptes in Form einer Machbarkeitsstudie Kulturgewerbehof am Standort der Alten Feuerwache beauftragt die Stadt Gießen 2020 ein Team um das Büro STUDIO if+ mit Sitz in Köln.

Titelbild: Der vorgesehene Standort für den Kulturgewerbehof (Fotomitte) auf dem Areal der Alten Feuerwache in der Steinstraße in Gießen. (Foto: Stadt Gießen)


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