Hessenpark

Solidarisch gegen Shitstorm

Von Corinna Willführshitstorm3

Parteiübergreifend haben am Samstagmorgen, 13. 2. 2016,  Mitglieder der hessischen Landtagsfraktionen ihre Solidarität mit der „Preispolitik“ des Hessenparks bei Neu-Anspach (Hochtaunuskreis) ausgedrückt. Grund für ihren gemeinsamen Auftritt unter großem Medieninteresse: ein seit Tagen währender Shitstorm in den sozialen Medien gegen das Freilichtmuseum, weil dieses Flüchtlingen freien Eintritt gewähre und damit deutsche Bürger benachteilige.

Freier Eintritt für Flüchtlinge

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Bernadette Weyland (CDU), Aufsichtsratsvorsitzende des Hessenparks. (Fotos: Willführ)

 

 

„Das ist heute nicht irgendein Termin, sondern einer, mit dem wir ein Zeichen setzen wollen, dass wir hinter dem Hessenpark stehen“, erklärte Bernadette Weyland. Die Christdemokratin ist Finanzstaatssekretärin der Landesregierung und  Aufsichtsratsvorsitzende des Hessenparks. Sowohl Aufsichtsrat, wie auch Beirat und Förderkreis der beliebten Einrichtung im Hochtaunuskreis hatten  im vergangenen Jahr beschlossen, „mit dem Angebot des kostenlosen Eintritts für angemeldete und betreute Flüchtlingsgruppen in den Hessenpark einen Beitrag zur Integration zu leisten.“

An einem Ort, so Weyland, „an dem die Tradition und Geschichte unseres Landes hautnah erlebbar wird, für Hessinnen und Hessen und solche, die es werden wollen.“ Der vom Hessischen Ministerium für Finanzen angestoßenen Solidaritätsaktion hatte sich neben den Landtagsabgeordneten Holger Bellino (CDU) , Elke Barth (SPD), Martina Feldmayer (Grüne), Hermann Schaus (Linke) und Nicola Beer (FDP) auch der Neu-Anspacher Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU) angeschlossen.

Museum steht zu seiner Preispolitik

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Großes Medieninteresse

An die 1000 Mails, so eine Mitarbeiterin des Hessenparks, seien seit dem 7. Februar im Hessenpark eingetroffen: dem Sonntag, an dem die Preisliste des Freilichtmuseums auf Facebook und anderen sozialen Nachrichten auf einem Foto verbreitet worden war. Ein Bild, das unter anderem von Ortsverbänden der AfD, der NPD und auf der Seite des Pegida-Gründers Lutz Bachmann geteilt wurde. Die Folge waren „offene Protest- und Boykott-Aufrufe. Zahlreiche Beschwerden, beleidigende Äußerungen und massive Angriffe.“ Trotz dieser Hetze hatte das Museum bereits am 9. Februar in einer Pressemitteilung verkündet: „Wir stehen zu unserer Preispolitik.“ Die diskriminierendsten und beleidigensten Zuschriften hat das Museum an die Polizei in Bad Homburg weitergeleitet. Die Entscheidung über Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft zu treffen.
Die angefeindete Preispolitik ist gestaffelt. So gibt es Familientickets und Ermäßigungen für Grundsicherungsempfänger 2,50 Euro, für Menschen mit Behinderunshitstorm2g 4,00 Euro, Kinder ab sechs Jahre (jüngere haben freien Eintritt), Schüler und Studenten 2,50 Euro. Nach 16 Uhr gelten weitere Ermäßigungen. Dann kostet zum Beispiel die Familienkarte für maximal zwei Erwachsene mit bis zu vier Kindern im Alter von sechs bis 17 Jahren 8 Euro. Wer von Hartz IV leben muss, hat dann noch 1,50 Euro zu zahlen.

Ein Zeichen der Willkommenskultur

Mit seinem Beschluss vom September 2015 wollte der Aufsichtsrat des Hessenparks ein Zeichen für eine Willkommenskultur setzen. Diese weiter zu unterstützen haben die Vertreter der Landtagsfraktionen auf dem heutigen Termin dokumentiert. Auch mit einem symbolischen Akt: Sie pflanzten vor dem Eingang gemeinsam einen Baum. Eine Buche, die an dieser Stelle noch Wurzeln schlagen muss, die Fürsorge braucht – und Zeit zu wachsen. Und wie der Hessenpark die weitere Unterstützung der Menschen, die das Freilichtmuseum kennen und seine Arbeit schätzen. Denn so der Eindruck von den „Shitstorm“-Schreibern – das Museum, sein Anliegen und alle, die es unterstützen, seien beliebig oder zufällig durch ein Foto zu einem Angriffsziel geworden. Die Debatte biete, so Nicola Beer, die Möglichkeit, benachteiligte Gruppen gegeneinander auszugrenzen.

Seit Juni 2015 bis Jahresende, so die Statistik, haben 244 Geflüchtete – in Begleitung und nach Anmeldung den Hessenpark besucht. Eine kleine Gruppe Asylsuchender ist seit Wochen in der Landwirtschaft tätig, hilft beim Aufbauen und Reparieren der Zäune. Und wie Christine Saarholz (Hessenpark) berichtete, „haben uns zwei Frauen angeboten, unsere in Englisch vorliegenden Info-Broschüren ins Arabische zu übersetzen.“ Die beiden Frauen sind Flüchtlinge.

PS: Vergünstigungen bei den Eintrittspreisen in kulturelle Einrichtungen und Bildungsangebote gibt es auch andernorts: So zum Beispiel im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt. Auch hier gilt der kostenlose Besuch für Geflüchtete nur in Begleitung. In der Stadtbücherei Frankfurt können Geflüchtete – und auch andere Bedürftige – kostenlos Medien ausleihen.

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