Gesundheitsamt Gießen

Über ein Jahr aktiv gegen Corona

Über ein Jahr Corona-Pandemie im Landkreis Gießen: Für das Gesundheitsamt ist der Ausnahmezustand Alltag geworden. Über 100 Menschen arbeiten hier. Sie verfolgen Kontakte, um Infektionsketten einzugrenzen, prüfen Hygienekonzepte und organisieren Testungen.

Sie arbeiten in verschiedenen Teams im Sachgebiet Hygenie, die jeweils für bestimmte Einrichtungen zuständig sind. Dabei bekommen sie einen tiefen Einblick in die aktuelle Situation und Einrichtungen wie zum Beispiel in Kitas, Schulen, Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeheime, berichtet die Pressestelle des Kreises Gießen. Verantwortliche aus diesen Teams wie Dr. Imke Panzer, Johanna de Haas, Periğan Sisamci und David Grün sprechen über ihre Erfahrungen im Kampf gegen das Virus und darüber, was gerade jetzt zur Eindämmung der Pandemie nötig ist.

Mutationen sind sehr gefährlich

Dr. Imke Panzer gehörte zum Team, das die ersten bekannten Virusmutationen im Landkreis nachverfolgte. Längst tritt die britische Virusvariante B.1.1.7 flächendeckend auf. Bei ihrer Arbeit stellt sie fest, dass die Mutation viel infektiöser ist als der ursprüngliche Wildtyp. Denn nun stecken sich im Vergleich zur zweiten Welle viel mehr Kontaktpersonen an. „Außerdem trifft die britische Variante nicht mehr nur ältere Menschen schwer“, sagt Dr. Panzer.

Niklas David Grün an seinem Arbeitsplatz (Fotos: Landkreis Gießen)

Schwere Krankheitsverläufe

So gibt es mittlerweile auch mehr Personen unter 60 Jahren, die sehr schwere Krankheitsverläufe zeigen und stationär behandelt werden müssen. Insgesamt liegt das Durchschnittsalter der Infizierten aus dem Landkreis Gießen, die stationär behandelt werden, aktuell bei 66 Jahren.

Schutzmaßnahmen einhalten

Hingegen zeigen die Impfungen bei den über 80-Jährigen Wirkung, sodass diese weniger häufg intensivmedizinisch betreut werden müssen. „Auch beim Klinikpersonal stellen wir fest, dass Impfungen und konsequente Hygiene- und Schutzmaßnahmen sehr wirksam sind“, sagt Panzer. Sie appeliert, gerade mit Blick auf die hochansteckenden Virusvarianten, unbedingt Hygiene- und Schutzmaßnahmen einzuhalten und die Ausbreitung durch konsequente Kontaktreduzierung zu verlangsamen. „Nur so können wir Zeit gewinnen, um den notwendigen Impfschutz in der Bevölkerung auszubauen.“ Ansonsten bestehe die Gefahr, dass sich weitere Virusvarianten ausbreiten – mit gravierenden Folgen.

Es gibt auch symptomatische Verläufe

Seit die britische Mutationsvariante den Landkreis erreicht hat, stellt auch David Grün aus dem Fall-Ermittlungsteam Schule fest, dass infizierte Schüler*innen häufiger von stärker auftretenden Symptomen berichten. „Hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Abgeschlagenheit sind mittlerweile ganz typische Symptome auch bei jungen Infizierten.“

Wer die notwendigen Schutzmaßnahmen beachtet, beugt Corona vor, das schwere und schwerste Krankheitsverläufe bewirken kann. (Foto: Jörg-Peter Schmidt)

Dennoch gebe es auch weiterhin asymptomatische Verläufe. Das Gefährliche daran: Personen, die gar nicht merken, dass sie das Virus in sich tragen, geben es unbemerkt weiter. „Seit den ersten Mutationsfällen hatten wir nun auch vor den Osterferien mehrere Klassen, in denen sich die Infektion ausgebreitet hat“, erzählt Grün. „Im Team Schule hat sich das durchschnittliche tägliche Fallaufkommen in den letzten vier Wochen vor den Ferien verdreifacht. Daher empfehlen wir, alle Kontakte so weit wie möglich herunterzufahren.“ Denn die Wahrscheinlichkeit, sich mit Sars-CoV-2 anzustecken und mit Symptomen zu erkranken, sei mit den Mutationsvarianten gestiegen. So reichen teils schon kurze, ungeschützte Kontakte für eine Virusübertragung aus.

Pflegeheimbewohner positiv trotz Impfung

Johanna de Haas leitet das Team Pflege im Gesundheitsamt des Landkreises Gießen. Während sie und ihr Team um die Jahreswende alle Hände voll zu tun hatten, wurde es nach den Impfungen in den Pflegeheimen wieder ruhiger. Doch seitdem die britische Virusvariante B.1.1.7 auch im Landkreis angekommen ist, erreicht diese auch die Pflegeheime. Immer wieder kommt es vor, dass hier Menschen infiziert sind – und das, obwohl sie bereits zweimal geimpft sind oder schon einmal infiziert waren. 

„Da fragt man sich schon ab und an: War das nun also alles umsonst? Geht es trotz aller Anstrengungen von vorne los?“, erzählt de Haas. „Doch zum Glück war nicht alles umsonst.“ So verhindere die Impfung eine Infektion nicht in jedem Fall, sehr wohl aber schwere Krankheitsverläufe. Daher appelliert de Haas an alle, die noch zögern: „Lassen Sie sich impfen, wenn Ihnen die Impfung angeboten wird!“

Unbedingt Kontakte reduzieren

Auch Periğan Sisamci aus dem Team Kitas stellt fest, dass sich seit dem Nachweis der ersten Virusmutationen im Kreis mehr Kinder infizieren und auch häufiger symptomatisch sind. Daher sei es jetzt umso wichtiger, die Gruppen voneinander getrennt zu lassen. „Wir wissen, dass Betreuung in festen Gruppen und die damit einhergehende organisatorische Planung eine große Herausforderung für die Betreuungskräfte ist, aber so verhindern wir, dass bei einem Fall mehrere Gruppen in Quarantäne müssen“, erklärt Sisamci. Außerdem empfiehlt sie den Eltern, die Kontakte auch im privaten Bereich zu reduzieren. Denn nur so seien die in der Kita eingehaltenen Maßnahmen wirksam und sinnvoll.

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