Gießener Theater mit neuem Progamm
Im Rahmen einer Pressekonferenz stellte Stadttheater-Intendantin Simone Sterr gemeinsam mit ihrem Team das Programm für die kommende Spielzeit 2026/2027 vor. Vierundzwanzig Premieren – darunter zehn Uraufführungen und drei deutsche bzw. deutschsprachige Erstaufführungen – , acht Sinfoniekonzerte sowie zwei chorsinfonische Konzerte mit jeweiligem Preview-Konzert, Kammer- und Sonderkonzerte, zahlreiche Sonderveranstaltungen, Reihen und Extras erwarten das Publikum.
Änderungen am Preisgefüge
Im Pressebericht des Theaters heißt es weiter:
Nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher übernahm Dr. Martin Reulecke, Geschäftsführender Direktor des Stadttheater Gießens, das Wort, um Änderungen am Preisgefüge vorzustellen. Ab der kommenden Spielzeit wird es je nach Wochentag unterschiedliche Preise in den verschiedenen Angeboten geben. Der Wochenendpreis wird an den Tagen Freitag und Samstag gelten, ein Tag des Wochenendes, nämlich der Sonntag, zählt zu den etwas günstigeren Preisen der Kategorie „Unter der Woche.“ So werden die Preise nach mehreren Jahren Konstanz angehoben, in den höheren Preiskategorien etwas deutlicher als in den niedrigen. Keinerlei Preissteigerungen gibt es in den Abonnements – hier bleiben alle Preise stabil, wurde in der Pressekonferenz erläutert.
Intendatin: Wir bleiben im Aufbruch
Intendantin Simone Sterr richtet zu Beginn den Blick auf das Spielzeit-Wort „Bewegung“: „Seit vier Jahren machen wir hier zusammen Theater. Zeit für keinen Rückblick. Wir bleiben in Bewegung. Wir bleiben im Aufbruch. Wir sind auf Sendung und bleiben auf Empfang, scannen die Wirklichkeit und geben ihr im Theater den Raum zur Transformation: in Poesie, Schönheit, Fantastik. Bewegung kann anstrengend sein, gefährlich, beglückend. Verharren ist aber keine Option. Die Welt, denen zu überlassen, die in autokratischer Attitude der Selbstherrlichkeit brutal auf ihr herumstapften auch nicht. So erzählen wir auch von Widerstand und von Utopie, von den unendlichen Handlungsmöglichkeiten und Spielräumen, die der Mensch auch in Situationen vermeintlicher Ausweglosigkeit hat. Und so ist eine Spielzeit über der „Bewegung“ steht auch eine der Hoffnungsschimmer und der Zuversicht.“
Zum Auftakt „Jakob der Lügner“
Die Spielzeit 2026/2027 wird am 12. September im Großen Haus eröffnet mit der Premiere von „Jakob der Lügner“ nach dem Roman von Jurek Becker. Es handelt sich um die Uraufführung der der Bühnenbearbeitung von Christine Becker & Andy Murray und beschreibt das besondere Geflecht von Wahrheit und Lüge, in das Jakob sich verstrickt als er im Ghetto behauptet im Besitz eines Radios zu sein. In der Uraufführung von „TALK3000“ am 19. September im Kleinen Haus verstricken sich die Akteure in hitzige Debatten.
Besondere Geschichten erzählt auch das Musiktheater, wenn es die Oper „Maria de Rudenz“ von Gaetano Donizetti am 26. September zur deutschen Erstaufführung bringt. Eine rauschhaft- phantastische Reise wird erzählt in Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen (Les contes d’Hoffmann)“, Premiere am 13. März.
Ein besonderer Zauber geht von den erzählenden Figuren aus, wie es der Fall ist im Familienstück für alle ab sechs Jahren: am 8. November feiert „Margret: Heldin für alle Fälle“ Premiere im Großen Haus. Was macht Geschichtenerzähler Simon, wenn alle Geschichten erzählt sind und wie bringt Heldin Margret frischen Wind in die Märchenwelt?
Zeitgenössische Vorlagen
Zeitgenössische Vorlagen und Stückentwicklungen bilden den zentralen Schwerpunkt im Programm des Stadttheaters. Im Tanz beispielsweise sind alle Stücke Uraufführungen. „Breath Works“ von Rafaele Giovanola am 17. Oktober ist die erste Premiere im Tanz und widmet sich dem Atem. „Au creux de nos mains – In der Höhlung unserer Hände“ ist eine Tanzperformance der französisch-ugandischen Choreografin, Regisseurin und Tänzerin Willie Stark; Uraufführung ist am 5. Dezember im Kleinen Haus.
Mit „Anthropologie“ erwartet das Publikum am 7. November die deutschsprachige Erstaufführung des Schauspiels von Lauren Gunderson aus dem Englischen von Ulrike Syha. Lauren Gunderson zählt zu den meistgespielten Dramatiker*innen in den USA. Nach der Uraufführung in London wird „Anthropologie“ am Stadttheater Gießen erstmals im deutschsprachigen Raum aufgeführt. „Republik der Taubheit“ ist eine weitere deutsche Erstaufführung, ein Schauspiel nach dem Buch von Ilya Kaminsky, aus dem Englischen von Anja Kampmann. Ab 24. April im Kleinen Haus.
Mit dem Stück „Löwenschwester“ kommt der Text einer zeitgenössischen Autorin auf die Bühne (Premiere am 19. Dezember), die dem Stadttheater Gießen bereits gut vertraut ist: Die mit „Luft nach oben“ (eingeladen zu den Mühlheimer Theatertagen) begonnene Zusammenarbeit mit der Autorin Fabienne Dür findet eine Fortsetzung. Eine ebenfalls enge Verbindung besteht mit der Autorin Amina Eisner, die dem Publikum sowohl als Ensemblemitglied als auch als Verfasserin der Komödie „Generation Arbeit“ bekannt ist. Mit „Endstation Gießen – Eine endlos verfahrene Krimikomödie“ legt sie ein weiteres Auftragswerk des Stadttheaters Gießen vor, das hier am 11. Dezember zur Uraufführung kommt.
Komödie, Show und Glamour
Das Musical „Cabaret“ entführt in die Nachtwelt des Kit Kat Klub: Nicht nur Dichter Clifford erliegt der Faszination dieser Atmosphäre und der Sängerin Sally Bowles. Die legendären Songs dieses Musical sind mitreißend, gleichzeitig ist das Stück auch das Psychogramm einer Frau, die versucht, ihren Lebensentwurf zu retten, ohne sich selbst von irgendwem retten zu lassen. Premiere am 20. Februar. Aus dem Bereich Musical erwartet das Publikum außerdem die Wiederaufnahme von „The Addams Family“, die Muscal-Produktion, die in der noch laufenden Spielzeit für große Begeisterung sorgte und weiterhin sorgt. Das Musiktheater steuert die musikalische Komödie „Eine Frau, die weiß, was sie will!“ von Oscar Straus bei, Premiere ist am 23. Januar.
Programm für junges Publikum
Der mehrteilige Theaterabend „Dido + Aeneas“, Uraufführung am 15. Mai, verbindet Musiktheater und Tanz und führt den Mythos ins Heute. Im Jungen Theater ist das spartenübergreifende Arbeiten längst gelebte Praxis. Das Programm für junges Publikum setzt sich zusammen aus allen Bereichen: „As One“ ist eine Kammeroper für zwei Stimmen und Streichquartett für junge Menschen ab 15 Jahren, Premiere zu Beginn der Spielzeit am 4. Oktober. Mit „Licht“ gibt es ab 24. Januar ein Tanzstück für die ganz Kleinen ab 3 Jahren, eine Uraufführung, die als Entspannte Aufführung entwickelt werden wird. Mit „Der herzlose Riese“ steht eine szenisch-musikalische Reise für junges Publikum ab 6 Jahren auf dem Programm, ein großes Abenteuer nach einem norwegischen Volksmärchen mit Premiere am 3. April. Ein umfangreiches Konzertprogramm mit Formaten wie dem „Minikonzert“ im Foyer für alle ab 3 Jahren bis zum szenisch eingerichteten Konzert „Ludwig Löwenherz“ für alle ab 6 Jahren sorgt für viel Abwechslung. Das bewährte Filmmusikkonzert kommt in einer neuen Auflage und bei „Let’s play!“ gibt es ein Konzert mit Musik aus Videospielen dargeboten natürlich vom Philharmonischen Orchester Gießen
Vorfreude auf die Konzerte
Generalmusikdirektor Andreas Schüller gibt einen Überblick über das umfangreiche Konzertprogramm. Neben facettenreichen Programmen in den acht Sinfoniekonzerten mit dem Philharmonischen Orchester Gießen und den beiden chorsinfonischen Konzerten mit dem Opernchor des Stadttheaters Gießen und dem Gießener Konzertverein, gibt es die bewährten Kammerkonzerte von Musiker*innen des Philharmonischen Orchesters sowie die in dieser Spielzeit gestartete Reihe der Chor- Kammerkonzerte von und mit Mitgliedern des Opernchors. Weitere Sonderkonzerte runden das Programm ab, wie beispielsweise das beliebte Neujahrskonzert in dreifacher Aufführung (1., 2. und 3. Januar) und die Konzertreihe „Solokonzert3“ mit Absolvent*innen der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main.
Molière-Klassiker im Programm
Mit „Der Geizige“ steht ab 17. April ein Klassiker von Molière auf dem Programm. In Zeiten des späten Kapitalismus entlarvt der Text die groteske Gier nach Besitz und zeichnet zugleich ein zeitloses Bild familiärer Machtkämpfe. Elfriede Jelinek ist zeitgenössische Autorin und moderner Klassiker gleichermaßen, die Texte der Nobelpreisträgerin sind auf der Bühne längst etabliert. „SONNE“ wird am 5. Juni Premiere im Großen Haus feiern.
Für junges Publikum ab 14 Jahren gibt es ab 13. Februar den Klassiker der Klassiker schlechthin: „Faust 1+2+3“ von Felix Krakau ist ein furioser Trip durch die Untiefen von Gefühl und Verstand, Wissenschaft und Aberglaube, Himmel und Holle, durch Literatur- und Rezeptionsgeschichte und Texte für die Ewigkeit; neu, komprimiert und rasant erzählt.
Ein besonderes Format wird der Abend „FAM.“ des Kollektivs Posthelvetia sein, der ab 25. März an der Schwelle zwischen Performance, Musik und Theater einen Abend über den Mythos Familie ins Kleine Haus bringt. Ein Novum direkt zu Beginn der Spielzeit wird das Konzert „Schiffenberg Classics“ am 19. August zur Eröffnung des Gießener Kultursommers auf dem Kloster Schiffenberg. Hier gibt es mit einem beschwingten Programm den geballten Orchestersound des Philharmonischen Orchesters Gießen im einzigartigen Ambiente.
Anziehungspunkt Tanzfestival
Zum Ende der Spielzeit an Pfingsten 2027 richtet das Stadttheater Gießen unter dem Titel „DAS IST NICHT DAS ENDE.“ ein Tanzfestival aus. Für drei Tage feiern wir die Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes. Den inhaltlichen Schwerpunkt – die Frage nach den Perspektiven nach einem vermeintlichen Ende – bilden die Uraufführungen „Dido + Aeneas“ sowie die Performanceserie „Imagined City“ der US- amerikanischen Choreografin Stephanie Miracle, die in vier Episoden tänzerisch-performativ den Stadtraum von Gießen durchdringen und das Publikum auf geheimnisvolle Entdeckungstouren mitnehmen wird. Darüber hinaus sind Gastspiele eingeladen, ein vielfältiges Mitmach- und Vermittlungsangebot sowie Workshops und Partys an runden das Programm ab.
Auch die Spielzeit 2026/2027 startet mit einer Sommerbühne auf dem Theatervorplatz von 20. bis 22. August und einem großen Kinder- und Familienfest rund um das Theater mit Spielplanshow am Abend am Sonntag, 23. August.
Auch die Spielzeit 2026/2027 startet mit einer Sommerbühne auf dem Theatervorplatz von 20. bis 22. August und einem großen Kinder- und Familienfest rund um das Theater mit Spielplanshow am Abend am Sonntag, 23. August.
Kooperationen mit Hochschulen
Das Stadttheater Gießen setzt bewusst auf Kooperationen und die Zusammenarbeit mit den Hochschulen, um den künstlerischen Nachwuchs zu fördern. Dies passiert in der Zusammensetzung des Ensembles, in dem zwei Schauspielstudierende sowie eine Studierende Tanz für eine Spielzeit ins Ensemble kommen. Aber auch in konkreten Projekten wie „Die Insel Tulipatan“, eine Koproduktion mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und der Hessischen Theaterakademie, die am 20. November Premiere feiert.
„How to Belong (And Still Be Too Much)” ist eine Koproduktion mit dem Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der JLU Gießen und der Hessischen Theaterakademie. Das Tanzstück feiert am 9. Januar seine Uraufführung.
Viele bewährte Reihen und kleinere Formate werden fortgesetzt. Dies gilt natürlich auch für die Einführungen vor den Vorstellungen, das Angebot von Nachgesprächen und öffentlichen Proben, die dem Monatsspielplan zu entnehmen sind.
Wo man weitere Infos erhält
Das Spielzeitheft 2026/2027 liegt ab sofort zur Mitnahme aus im Haus der Karten in Gießen und an allen Spielstätten des Theaters. Wer sich Tickets für die Veranstaltungen der neuen Spielzeit sichern möchte, kann ab sofort im Haus der Karten aus zahlreichen Abonnements auswählen. Das Team der Theaterkasse berät gerne.
Titelfoto: „The Addams Family“ wird weiter zu sehen sein. (Foto: Christian Schuller)


