Coronapandemie

Probleme für Menschen mit Behinderung

Der Welttag der Menschen mit Behinderung ist am Donnerstag, 3. Dezember 2020. Aus diesem Anlass fordern Maren Müller-Erichsen, Aufsichtsratsvorsitzende der Lebenshilfe Gießen, und Dirk Oßwald, Vorstand der Lebenshilfe Gießen, Menschen mit Behinderung an Corona-Entscheidungen zu beteiligen. „Für Menschen mit Behinderung ist ihr Schutz vor Infektionen ebenso wichtig wie ihre Teilhabe und bedarfsgerechte Unterstützung. Daher muss ihre Perspektive gehört werden. Damit die Corona-Maßnahmen ihre besonderen Bedarfe berücksichtigen,“ so Maren Müller-Erichsen und Dirk Oßwald.

Besondere Risiken für Behinderte

„Menschen mit Behinderung sind häufig besonderen Risiken ausgesetzt, da sie teils wegen bestehender Vorerkrankungen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe haben. Zudem können sie präventive Maßnahmen wie Abstandhalten oft schwieriger umsetzen, da sie häufig auch auf körpernahe Unterstützung durch wechselnde Personen angewiesen sind. Gerade zu Beginn der Pandemie waren sie durch die Schließung von Tagesstätten, Schulen wie auch Werkstätten für behinderte Menschen und mit Besuchsverboten im gemeinschaftlichen Wohnen lange Zeit in Wohnstätten und Familien von der Außenwelt abgeschnitten und isoliert. Das darf nicht wieder passieren“, erläutern Müller-Erichsen und Oßwald in einer Pressemitteilung der Lebenshilfe Gießen.

Damit alle aus diesen Erfahrungen lernen, fordert die Bundesvereinigung Lebenshilfe in einem Positionspapier, dem sich auch die Lebenshilfe Gießen anschließt, „dass bei allen staatlichen Maßnahmen vorab überprüft wird, welche Auswirkungen sie auf Menschen mit Behinderung und ihre Familien haben; sie brauchen zugängliche Informationen und bedarfsgerechte Unterstützung, wenn zum Beispiel ein Besuch der Werkstatt wegen erhöhtem Risiko nicht möglich ist. Es darf nicht sein, dass durch Corona die mühsam erreichte Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung in Frage gestellt wird und sie von dringend notwendigen sozialen Kontakten abgeschnitten werden.“

Positionspapier der Lebenshilfe

In dem Positionspapier heißt es unter anderem: „Die Corona-Krise stellt uns weltweit vor noch nie gekannte Herausforderungen, die alle Bürger*innen betreffen. Gleichzeitig machen wir in dieser Krise die schmerzliche Erfahrung, dass Inklusion – also die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung – in unserer Gesellschaft noch längst nicht fest verankert ist. Es zeigt sich, dass die Belange von Menschen mit Behinderung insbesondere bei den gesetzgeberischen Maßnahmen zur Prävention der Infektion und zur Bekämpfung der Corona-Folgen nicht selbst verständlich mitgedacht werden, obgleich sich die Herausforderungen bezüglich des Umgangs mit der Pandemie für Menschen mit Behinderung und ihre Familien in besonderer Weise zuspitzen: Zum einen sind sie teilweise besonderen Risiken ausgesetzt, da sie teils wegen bestehender Vorerkrankungen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe haben. Zum anderen können sie präventive Maßnahmen – wie Abstandhalten – oft schwieriger umsetzen, da sie häufig auch auf körpernahe Unterstützung angewiesen sind. Des Weiteren sind Menschen mit Behinderung ohnehin stärker von Ausgrenzung und Isolation bedroht.“

Unterstützung fehlt oft

An anderer Stelle in dem Text wird unterstrichen: Für die Familien, besonders auch für Eltern und Geschwister, sind die Anforderungen bei der Betreuung ihrer Angehörigen mit Behinderung, egal in welchem Alter, immens: Die Unterstützungsmaßnahmen sind teilweise komplett weggefallen und es mussten zumeist die Betreuung und das eigene (Berufs)-Leben unter größten Schwierigkeiten zusammengebracht werden. Gerade für Alleinerziehende war dies häufig nicht zu schaffen. Innerhalb weniger Tage wurden der ‚Lockdown‘ und die Kontaktbeschränkungen verkündet und im ganzen Land umgesetzt. Menschen mit Behinderung konnten nicht mehr in Kindergärten und Schulen, in Werkstätten für Menschen mit Behinderung oder Tagesförderstätten gehen. Es gab nur Notgruppen für die Menschen, bei denen eine Betreuung unabdingbar war, zum Beispiel weil Angehörige als Pflegekräfte im Gesundheitssystem arbeiten.

Für ihre Familien hieß das, Angehörige entweder rund um die Uhr zu betreuen und zu versorgen oder sie für Monate überhaupt nicht mehr zu sehen, wenn sie beispielsweise in einer gemeinsamen Wohnform leben, die teilweise die Besuchsmöglichkeiten komplett untersagten.“

An anderer Stelle in den Text heißt es: „Damit Menschen mit Behinderung und ihre Familien in der gesellschaftlichen Ausnahmesituation der Corona-Pandemie gleichberechtigt mit anderen berücksichtigt werden, fordert die Bundesvereinigung Lebenshilfe, bei allen staatlichenMaßnahmen zur Bekämpfung oder Begleitung der Pandemie zu überprüfen, welche Auswirkungen sie auf Menschen mit Behinderung und ihre Familien haben und sie gegebenenfalls anzupassen und zu ergänzen, um den spezifischen Bedarfen gerecht zu werden. Es darf nicht sein, dass in der Corona-Pandemie die mühsam erreichte Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung vollständig in Frage gestellt wird. Insbesondere ist zu vermeiden, dass die Infektionsprävention für alle Bürger*innen auf Kosten von Menschen mit Behinderung und Risikopersonen umgesetzt wird. „

Das Positionspapier der Bundesvereinigung Lebenshilfe steht hier lebenshilfe.de/Positionspapiere

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