Corona-Virus

Kein Infizierter, aber 50 in Quarantäne

In den letzten Tagen kam es im Wetteraukreis vermehrt zu Verdachtsfällen einer Coronavirus-Infektion. Ein laborbestätigter Krankheitsfall ist bislang noch nicht gemeldet, berichtete am 2. März 2020 der Kreis-Pressesprecher Michael Elsaß. „Wir gehen aber davon aus, dass sich über kurz oder lang auch im Wetteraukreis das Coronavirus verbreiten wird.“

Warten auf das Corona-Virus

„Jetzt kommt es darauf an, die Ausbreitung möglichst einzudämmen“, sagte Landrat Jan Weckler in einer Presseerklärung. Derzeit befinden sich rund 50 Wetterauerinnen und Wetterauer in häuslicher Absonderung, entweder weil sie sich in einem Gebiet aufgehalten haben, in dem bereits Erkrankungsfälle mit dem Coronavirus aufgetreten sind oder weil sie Kontakt mit einem Menschen hatten, bei dem das Virus nachgewiesen wurde. Für diese Fälle ist eine häusliche Isolierung notwendig. Die Ärzte schreiben für diesen Zeitraum die betroffenen Personen krank, sodass die Lohnfortzahlung gesichert ist.

Hinweis vor einer Hausarztpraxis in Wöllstadt. Foto: Nissen

Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs muss dann durch Verwandte, Freunde oder Nachbarn sichergestellt werden. Wegen der begrenzten Laborkapazitäten werden Abstriche nur für den Fall vorgenommen, wenn zu den oben genannten Risikofaktoren auch ernsthafte Krankheitssymptome hinzukommen.

Die Verwendung von Desinfektionsmitteln und einfachen Atemmasken sind ohnehin kein geeignetes Mittel, um sich vor der Krankheit zu schützen, so Elsaß. Vielmehr vermittelten sie insbesondere bei unsachgemäßer Verwendung durch Laien ein gefährliches Sicherheitsgefühl. Im privaten Bereich sei die Verwendung von Desinfektionsmitteln und einfachen Atemmasken kein geeignetes Mittel, um sich vor der Krankheit zu schützen.

Die grundlegenden Vorsichtsmaßnahmen gelten nach wie vor: Husten oder Niesen mit größtmöglichem Abstand, am besten wegdrehen und in die Armbeuge oder in ein Papiertaschentuch niesen, das danach entsorgt wird. Berührungen mit anderen Menschen vermeiden. Auf das Händeschütteln verzichten und die Hände regelmäßig und gründlich mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife waschen. Kaltes Wasser ist dazu genauso geeignet wie warmes Wasser.

Hygienematerial ist ausverkauft

Die Bestände an Schutzmaterial, wie Schutzmasken, aber auch Handdesinfektionsmittel, sind begrenzt. Deshalb appelliert Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs für den umsichtigen Umgang mit Schutzmaterial: „Atemmasken der höchsten Sicherheitsstufe brauchen wir für das medizinische Fachpersonal in der Versorgung von Kranken und nicht, um seinen Alltag auch während einer Epidemie einfach so weiterzuführen. Wir müssen das Material zielgerichtet einsetzen, um dauerhaft den Routinebetrieb in den Kliniken sicherzustellen.“

Am Wochenende kamen von einigen hessischen Hausärzten Beschwerden, die sich mit der Corona-Problematik allein gelassen fühlen. Sie habe von einem Malerbedarfs-Unternehmen gerade mal 50 Pakcunen Lackierer-Mundschutz bekommen, so eine Ärztin aus Frankfurt. Eine Marburger Kollegin berichtete, ihre Praxis werde von besorgten Patienen überlaufen. Dabei habe Sie Schwierigkeiten, Schutzkleidung und Handschule zu bekommen. Ein Büdinger Zahnbarztbedarfs-Großhandel meldete, man habe einen kompletten Jahresbedarf an Mundschutzmasken, Handschuhen und Desinfektionsmitteln abverkauft und bekomme vorerst keine neue Ware mehr. Auch in Supermärkten und Apotheken sind sie nicht mehr zu haben. Vorerst unbestätigt bleiben Informationen, dass es in einzelnen Supermärkten zu Hamsterkäufen von Lebensmitteln kam.

Auch Firmen im Bereich der Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg werden durch die Corona-Epidemie beeinträchtigt. Der Teile-Nachschub aus China sei ins Stocken geraten, meldeten sie bei einer Umfrage. Konferenzen und Messen im In- und Ausland würden abgesagt. Mitarbeiter würden sich außerdem verstärkt krankmelden und daheim bleiben.

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