Karbener wollen mehr Schatten
Von Klaus Nissen
Wie schützen wir uns gegen die zunehmende Hitze? Diese Frage treibt auch in Karben viele Menschen um. Als der Neue Landbote über Facebook nachfragt, kommen Hinweise, Beschwerden und Debattenbeiträge zuhauf. Etliche Karbener meinen, die Stadt müsse mehr tun, um die Bevölkerung zu schützen.Je mehr Beton, desto mehr Hitze
Friedberg, Altenstadt und Teile von Nidderau sind cooler. Diese Kommunen leuchten auf der Hitzekarte des Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in Grün- und Blautönen. Kloppenheim, Klein- und Groß-Karben bilden dagegen einen roten Fleck. Genau wie der dicht bebaute Ballungsraum Frankfurt mitsamt Bad Vilbel wird es dort im Sommer öfter 30 oder gar 40 Grad heiß.

Wie schützen wir uns besser vor der Hitze? „Den Altersheimen in Karben mal ein paar anständige Ventilatoren spenden“, empfiehlt Nadja Schubert in der Facebook-Gruppe „Karbener Netzwerk 2.0“. Sie ergänzt: „Auf die Dächer Paneele drauf, die das dann strommäßig speisen, und schon läufts auch für die alten und die kleinen Menschen“.
Schöne Spielplätze – mit zu wenig Schatten
Akuten Handlungsbedarf sehen mehrere Facebook-Gruppenmitglieder bei den Spielplätzen im Stadtgebiet. Sie haben „viel zu wenig Schattenoptionen“, meint Ardnas Ecni. „Die Spielplätze werden mit viel Aufwand neu angelegt, schön hergerichtet, haben teilweise auch Wasserpumpen, aber bei den aktuellen Temperaturen brutzelt man erbarmungslos in der prallen Sonne“.

An die älteren Karbener denkt eher die AG SechzigPlus der Wetterauer SPD. Für Senioren müsse man kühle Räume und Trinkwasser zur Verfügung stellen. Man solle dafür ehemalige Gemeindehäuser der Kirchen nutzen. Die Kirchen selbst sind kühl, hatte jüngst der prominente Medien-Mediziner Eckart von Hirschhausen angemerkt. Die könne man doch an heißen Tagen zugänglich machen.
Und was braucht die ganze Bevölkerung? „In der Neuen Mitte mehr Bäume“ wünscht sich Sabrina Nachtrab. Auch entlang der Nidda wären mehr schattige Orte und Trinkbrunnen sinnvoll, meinen andere Gruppenmitglieder.
Cornelia Jannasch hätte für Karben gern ein Verbot, die Rasen bei Hitze zu wässern. Bei Alt- und Neubauten müssten Regenwasserzisternen installiert werden.
Kneipp-Anlage wäre schön
„Die Bushaltestellen sind voll in der Sonne“, klagt Jasmin Wagner. Man müsse sie so umbauen, dass man dort im Schatten sitzen kann.
Marc Pfennig regt Baumpflanzungen entlang der Homburger und der Burggräfenröder Straße an. Dietmar Gutjahr empfiehlt: „In Rendel könnte der alte Löschteich wieder gebaut werden und auch der Bachlauf wieder zum Vorschein kommen. In Klein-Karben am Günter-Reitzel-Sportplatz könnte am Brunnen eine Kneippanlage gebaut werden.“ Zudem könnte man einen stadtweiten Wettbewerb mit Zuschüssen zur Hof – und Fassadenbegrünung organisieren.
Das findet Lob in der Karben-Gruppe. Doch Nutzer „Turquoise Jaguar 5706“ gießt Wasser in den Wein: „Na ja – es wird ein Rechenzentrum gebaut und noch ein Betonviertel. Wir verlieren immer mehr wertvolle Fläche. Vorgärten werden geschottert, und jeder Neubau bei uns im Dorf rundum versiegelt. Die alten Gärten inklusive Hecken und Baume werden beim Neubau komplett gerodet. Es wird in die Aue gebaut. (…) Auf den Friedhöfen gibt`s neue Wasserbrunnen, die kein Aufstellen von Trinkgefäßen für Vögel mehr zulassen.“
Lange Mittagspause und abends länger draußen?
Man kann die Hitze gut in Biergärten – wie etwa dem Kärber Eck an der Nidda – aushalten, findet Silke Cheekylabels. Sie hätte gerne Öffnungszeiten über 22 Uhr hinaus, wenigstens an Wochenenden. Denn „in südlichen Ländern geht das Leben erst spät abends so richtig los.“

Benni Engert sieht das ähnlich. „Wer um 14 Uhr in die Karbener Mitte geht und sich beschwert, dass es so heiß ist – sorry – der ist selber schuld!“ Und in Spanien oder Italien sei niemand bei 40 Grad mit den Kindern auf dem Spielplatz. „Da geht man mit den Kids ab 20 bis 21 Uhr raus, aber hier wird man ja gleich doof angeschaut. Ein wenig Anpassung macht mehr Sinn. Und Grünflächen gibt`s in Karben genug!“
„Sprühschläuche sind Wasserverschwendung““
Lars Hermanns findet, man solle „bei Hitze einfach mal das Hirn einschalten und einen kühlen Kopf bewahren. Die Stadt kann man schließlich nicht für alles heranziehen. Mittags solle man sich lieber in kühle Räume zurückziehen, statt mit Sprühschläuchen auf den Plätzen Wasser zu verschwenden.
Manuela NeuEhren ärgern solche „niedlichen Vergleiche, wie es im Süden läuft. Ich kann nicht von 12 bis 17 Uhr den Dienst in der Kita hinschmeißen, sondern muss ausharren.“
