Alle Beiträge von Klaus Nissen

Kunst aus Eisen

Museum in Hirzenhain fast gerettet

Nach langer Ungewissheit zeichnet sich ein gutes Ende für das 1967 eröffnete Kunstgussmuseum in Hirzenhain (Wetteraukreis) ab. Der Trägerverein und die Gemeindeverwaltung verhandeln mit der Gebäude-Besitzerin über den Kauf des Museums und der nebenan liegenden Kunstgießerei, sagte Vereinschef Reinhard Manter. „Wir haben eine reelle Chance, viel mehr Platz zu bekommen“. Kunst aus Eisen weiterlesen

Kunst aus Gusseisen

 Die Geschichte der Kunstschmiede

In Hirzenhain am Rande des Vogelsberges gab es schon früh viel Feuerholz. Das brauchte man in früheren Jahrhunderten, um Holzkohle zu machen und damit Hochöfen zur Eisenherstellung zu beheizen. Schon  1678 entstand im Dorf an der Nidder der erste Holzkohle-Hochofen. Schon bald stellte man dort aus geschmolzenem Eisen  die ersten Kunstgusserzeugnisse her – zum Beispiel  Ofenplatten mit eisernen Reliefs. Seit  1731 gehörte die Schmiede von Hirzenhain der Familie Buderus.  Johann Wilhelm Buderus  leitete zuvor die Eisenhütte in Ruppertsburg bei Laubach, die dem Grafen von Solms-Laubach gehörte.  Nach dem Tod von Buderus übernahm seine Frau Elisabetha Magdalena die Hütte in Hirzenhain. Sie war verantwortlich für zehn Mitarbeiter, sechs eigene Kinder und fünf aus der ersten Ehe ihres Mannes, war 46 Jahre alt, hatte mit Hochwasser und dem Siebenjährigen Krieg, mit Plünderungen und Überfällen zu kämpfen.

Familie Buderus produzierte Eisen

Johann Wilhelm Buderus II stieg 1762 in das Unternehmen ein und expandierte. 1779 pachtete er zum Beispiel eine Schmiede in Feldatal.  Er hielt das Monopol  für den Eisenverkauf und hatte Erzschürfrechte in Grünberg, Schotten, Ulrichstein, Burg-Gemünden und Grebenau. Auch in Weilmünster war Buderus als Unternehmer aktiv.

Der Nachfahre Hugo Buderus übernahm 1891 das Werk Hirzenhain, vier Jahre später auch die  die Main-Weser-Hütte bei Lollar. Die fusionierten  „Eisenwerke Hirzenhain & Lollar“ nutzten  die Lönholdt-Öfen, die von oben mit Braunkohle, Steinkohle oder Koks beschickt werden konnten.  1898 ließ sich die Firma einen gusseisernen Gliederheizkessel patentieren – es entstand die erste Fabrik für Heizkörper auf dem europäischen Kontinent.

Die Produktion von Kunstwerken aus Gusseisen erlebte in Hirzenhain ihre Blüte nach dem Zweiten Weltkrieg.  Buderus holte den  Bildhauer und Modelleur Peter Lipp nach Hessen. Schon lange vorher verdiente Buderus mit eisernen Ofenplatten Geld, deren Formen zuvor aus Holz geschnitzt wurden. Mit steigenden Abgusstemperaturen durch den Hochofenbetrieb mit Koks, feineren Formsanden und Modelliertechniken konnten bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts feine Schmuckstücke gestaltet werden. Mit dem Slogan „Gold gab ich für Eisen“ wurde während der  Befreiungskriege 1813 bis 1815 dafür geworben, Gold zur Kriegsfinanzierung zu spenden. Prinzessin Marianne von Preußen forderte die Frauen auf, ihren Goldschmuck gegen Schmuck aus Eisen einzutauschen. Patriotinnen trugen die Eisenschmuckmode mit Stolz.

„Die Schmetterlinge von Hirzenhain“ mit denen die Gemeinde ihre Kunstguss-Tradition und ihre reizvolle Landschaft, die artenreichen Blumenwiesen und Waldränder verbindet, stammen eigentlich aus  Berlin.  Der im Kunstguss-Museum gezeigte eiserne Schmetterling ist ein Leichtgewicht und hat mehr als 250 Durchbrüche. Die Brosche wurde 1821 vom Juwelier Simon Pierre Devaranne entworfen, der Anfang des 19. Jahrhunderts eine kleine Gießerei in Berlin betrieb.

Im Mai 2015 erkaltete zum letzten Mal Gusseisen in  der Hirzenhainer Kunstschmiede. Die Firma Buderus sitzt jetzt in Wetzlar und nennt sich Bosch Thermotechnik. Sie produziert Heizkessel, Wärmepumpen, Blockheizkraftwerke und Kaminöfen.  Nur noch das Museum erinnert an die industrielle Vergangenheit von Hirzenhain. Ein ebenso sehenswertes Eisen-Kunstgussmuseum liegt übrigens in Sayn bei Koblenz.

Neues Buch

Ge(h)ografie von Herbert Bremm

Eines Tages bricht er in Friedberg auf.  Geht mit dem Rucksack auf dem Rücken  nach Frankfurt, dann über Mainz, Bingen, Simmern immer weiter bis in sein Heimatdorf Briedel an der Mosel. So nähert sich Herbert Bremm dem eigenen Ursprung. Der Bericht darüber ist sachlich, witzig, manchmal melancholisch. Und philosophisch. Und lesenswert, weil man so eine Tour durchaus auf sich selbst beziehen kann. Neues Buch weiterlesen

Fällung soll Allee retten

Alte Linden werden verarztet

Die Straße entlang der Kreisstraße 174 zwischen Bad Nauheim-Schwalheim und Friedberg zählt zu den schönsten Alleen in der Wetterau. Gepflanzt wurde sie im vorigen Jahrhundert einst, um in heißen Sommern Schatten  für Pferdefuhrwerke, aber auch für Gäste der Kurstadt zu schaffen, die hier lustwandelten. Nun gibt es Handlungsbedarf, schreibt Petra Schnelzer von der Kreisverwaltung. Fällung soll Allee retten weiterlesen

Politiker unter Verdacht

Banker soll Millionen veruntreut haben

Vier Millionen Euro soll der Limeshainer laut Staatsanwaltschaft bei der Sparkasse Oberhessen veruntreut haben –  trotzdem behält er sein Mandat.  Kann jemand, der eine schwere Straftat zugegeben hat, noch ein hohes politisches Amt ausüben? Auf Bundesebene wäre das ein No-Go. In Limeshain wird der Verdächtige dagegen im Amt toleriert. Noch. Politiker unter Verdacht weiterlesen

Rund ums Ei

Hessen muss Eier importieren

Übers Jahr verteilt verzehrt jeder der 300 000 Wetterauer 210 Eier. Das macht zusammen 63 Millionen Stück. In den Ostertagen schnellt der Verbrauch um ein Drittel nach oben, schätzen die Experten vom Regionalbauernverband. Dafür werden aber keine zusätzlichen Hennen in die Ställe geholt, erklärt Michael Herdt. Wie befriedigt man die Nachfrage dann? Rund ums Ei weiterlesen

Frühlingstour am Limes

Von Muschenheim nach Echzell

Beim Umgang mit Fremden machen die Römer manches besser als wir. Sie hatten mit dem Limes auch ein flexibles Instrument zur Grenzsicherung. Mehr dazu berichtet Landbote-Redakteur Klaus Nissen bei der Ernst-Ludwig-Buchmesse am 9. April 2017 ab 14 Uhr im Bad Nauheimer Sprudelhof Man kann den Limes noch heute abwandern, dabei viel über die Römer lernen. Zum Beispiel auf dieser Wanderung im Norden der Wetterau, die auch in Klaus Nissens Buch „Limeswandern von Rheinbrohl nach Miltenberg“ beschrieben ist. Frühlingstour am Limes weiterlesen

Krimi

Niemand kränkt mich ungestraft

Von Martin Wagner

An dieser Stelle wagt der Neue Landbote ein literarisches Experiment: Er veröffentlicht einen Kurzkrimi. Die Geschichte spielt in Krofdorf-Gleiberg, ist aber kein typischer Regionalkrimi. Der Autor Martin Wagner wuchs hier auf, lebt aber seitJahrzehnten in Köln. Der freiberufliche Fernsehregisseur hat mit der Geschichte über einen verschwundenen Schüler Anfang 2017 einen Literaturpreis der Gießener Allgemeinen gewonnen. Inzwischen schreibt der 59-järige Jung-Autor seinen dritten Kriminalroman. Das erste längere Werk „Im See“ ist als E-Book bei Amazon erschienen. „Niemand kränkt mich ungestraft“ können die Landbote-Leser an dieser Stelle für einen geringen Betrag über Laterpay lesen. Krimi weiterlesen

Deutsche Türken

Warum viele Erdogan mögen

Von Klaus Nissen

Was denken die Wetterauer mit türkischen Wurzeln über Präsident Erdogan? Es sind immerhin mehr als 10 000 Menschen im Landkreis, von denen viele am 16. April beim Referendum über die türkische Verfassung abstimmen. Sind sie empört, wenn Erdogan die Deutschen als Nazis beschimpft? Glauben sie auch, dass in der Türkei eine Diktatur heranreift? Eine Umfrage des Landboten  brachte widersprüchliche Antworten.  Einig waren sich alle jedoch in einem: Die Deutschen trugen viel dazu bei, dass Erdogan in der Türkei immer mächtiger wird. Deutsche Türken weiterlesen

Afghanische Flüchtlinge

Die tägliche Angst, nach Hause zu müssen

Von Klaus Nissen

Immer wieder transportieren Medien und soziale Netzwerke die Debatte über Abschiebungen afghanischer Flüchtlinge nach Kabul. Sie macht den Betroffenen große Angst. Dieser Text erzählt von einer jungen Familie aus Afghanistan, die seit Oktober 2015  in der westlichen Wetterau lebt. Wo genau, wird wie auch die richtigen Namen nicht verraten. Die Familie möchte nicht erkannt werden. Afghanische Flüchtlinge weiterlesen