Windkraft



Was verdient man mit vier Windmasten?

Von Klaus Nissen

Die Windtürme bei Kloppenheim bekommen Gesellschaft: Die Mainova hat mit dem Bau von vier weiteren Anlagen begonnen – ab 2027 sollen sie Strom liefern. Die rundum lebenden Menschen können sich beteiligen und Geld verdienen. Die Rendite interessierte die Gäste bei einer Infoveranstaltung am 22. Juni 2026 im Petterweiler Bürgerhaus am meisten.

Frankfurter steigen ins Windkraftgeschäft ein

Der uralte Kastanienbaum auf dem Schäferköppel hat vielleicht schon erlebt, wie nebenan auf dem Galgenberg die Straftäter am Strick baumelten. Und wie die Händler auf der Römerstraße im Geleit bewaffneter Reiter von Frankfurt nach Friedberg reisten und dabei von Aussätzigen angebettelt wurden, die man aus den Dörfern rundum vertrieben hatte.

Unter der alten Kastanie auf dem Schäferköppel sitzen oft Leute aus der Umgebung, um den weiten Blick in die südliche Wetterau, auf den Taunus und Frankfurt zu genießen. Die AfD hielt hier vor Jahren eine Kundgebung ab, um gegen den von ihr so gesehenen Unsinn der Windkraftnutzuzng zu protestieren. Nun verdoppelg sich die Zahl der Windstromgeneratoren dort von vier auf acht. Foto: Nissen

Das ist lange her. Seit zwei Jahrzehnten leisten vier Windstrom-Masten der Kastanie Gesellschaft. Zwei davon gehören dem Frankfurter Stromversorger Mainova. Der baut nun vier weitere Türme südwestlich davon, zwischen Ober-Erlenbach und Petterweil auf Frankfurter Gemarkung. Sie werden bis zur Rotorspitze 266 Meter in die Höhe ragen und bei optimalem Wind jeweils bis zu 6,8 Megawatt Grünstrom liefern. Genug für den Energiebedarf von 22 000 Zwei-Personen-Haushalten, rechnete Projektleiter Markus Getto am beim Info-Abend des Petterweiler Ortsbeirats vor.

Die Baugruben sind kreisrund

Südlich des Galgenbergs sind schon die Feldwege für die Lieferung der Nordex-Anlagen verbreitert und vier kreisrunde Baugruben ausgehoben. Am 3. Juli zwischen 14.30 und 17 Uhr bewirtet die Mainova dort bei einem „Bürgerfest“ alle Interessierten und informiert über das Projekt. Bald danach beginnt der Guss der Betonfundamente, ab Herbst wachsen die Stahltürme in die Höhe. Ab März 2027 werden die Generatoren an die nebenan verlaufenden Starkstromleitungen angeschlossen. Der erste Windstrom soll im vierten Quartal 2027 fließen.

Die Baugrube eines der vier Windkraft-Türme ist gut zwei Meter tief ausgehoben. Auf dem Rest des Ackers steht noch Weizen, durchsetzt von Kamille und Disteln. Im Hintergrund die Freileitungen, in die der Windstrom fließen kann. Und die Hochhäuser der stromhungrigen Metropole Frankfurt. Foto: Nissen

In Petterweil warben zwei Sprecher der noch jungen Frankfurter Bürgerenergiegenossenschaft FraBeG für das Projekt. Sie betreibt bislang eine Solaranlage auf einem Frankfurter Schuldach. Nun will sie 15 Prozent der Betreibergesellschaft für die neuen Windkraftwerke kaufen. Um die Energiewende hinzukriegen, sagte der FraBeG-Aufsichsratschef Andreas Heming vor knapp 40 Zuhörern. „Und weil wir auch gerne was verdienen wollen“.

Neue Energiegenossenschaft beteiligt sich

Verdienen werden laut Markus Getto neben der Mainova die Grundbesitzer mit bis zu 120 000 Euro im Jahr. In einem 2,5-Kilometer-Radius bekommen die Anliegerkommunen zudem 0,2 Cent je erzeugter Kilowattstunder – die Stadt Karben kann mit einem Drittel dieses Geldes rechnen.

Andreas Heming ist Aufsichtsrat der 2024 gegründeten Frankfurter Bürgerenergie. Sie zählt rund 160 Mitglieder. Und will mit dem ersten Windkraftprojekt auf Frankfurter Boden wachsen. Foto: Nissen

Andreas Heming und FraBeG-Vorstand Christian Stenglein boten ihren Zuhörern den Einstieg in die Genossenschaft an. Sie können pro Person vorerst bis zu 20 Anteile a 150 Euro erwerben, so Stenglein. Insgesamt sollen etwa 10 000 Anteile auf den Markt kommen. Die Käufer beteiligen sich mit Nachrangdarlehen an Kosten und Ertrag des Windparks.

Als das verkündet war, prasselten gut 90 Minuten lang Detailfragen aus dem Publikum auf die Referenten ein. Dabei ging es nicht mehr um Pro oder Contra des Windparks, sondern meist um die Rendite. „Wie stellen Sie sicher, dass die Kosten nicht künstlich hochgerechnet werden?“ wollte ein Karbener wissen. Die FraBeG werde einen Geschäftsführer stellen und genau die Bilanzen prüfen, versprach Andreas Heming.

Viele Details der Windpark-Beteiligung sind laut Heming derzeit unklar, weil der Vertrag mit der Mainova noch verhandelt wird. Die Stromabnahme sei aber auf 20 Jahre garantiert. Die Betreiber erlösen laut Markus Getto in dieser Zeit „nicht ganz sieben Cent je Kilowattstunde“. Wie hoch denn die Rendite für Geldgeber werde, insistierten mehrere Zuhörer. Höher als Tages- und Festgeld, aber weniger als acht Prozent, ließ sich Strenglein schließlich entlocken. Vielleicht drei bis 4,5 Prozent. „Das ist keine besonders rentable Geldanlage“, mäkelte ein Mann aus der ersten Stuhlreihe. Trotzdem blieb er bis zum Schluss.

Nichts neues über Petterweiler Windprojekt der Alterric

Ein Petterweiler meldete sich: Viel lieber würde er sich an dem Windpark beteiligen, die der Investor Alterric am Südrand seines Wohnortes plant. Davon sei er schließlich direkt betroffen. Doch seit Monaten scheine das Projekt zu stagnieren, es gebe keine Informationen zum Fortgang. Er wisse auch nichts, antwortete Ortsvorsteher Michal Mertens. Er werde nachfragen, versprach ein Rathaus-Bediensteter.

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