Uli Aechtner

Leise rieselt der Tod

Von Corinna Willführ

In der Reihe „Emons Weihnachtskrimis“ sind bereits sieben Bände erschienen. Ihre Titel wie „Keinmal werden wir noch wach“ von Sanne Aswald oder „Lasst uns tot und munter sein“ von Elke Pistor deuten schon im Titel darauf hin, dass diese „Mords-Geschichten“ ihrer Leserschaft „weihnachtlich-gemütliche Lesestunden“ bereiten sollen. So auch der aktuelle Band „Leise rieselt der Tod“ von Uli Aechtner.

Tote Frau im Weihnachtsmannkostüm

Die Aussichten auf ein fröhliches Weihnachtsfest stehen für Jennifer Meyer schlecht. Ihr Freund Nick hat sich von ihr getrennt. Den Gedanken, ihre Eltern, die mittlerweile auf Mallorca leben, über die Feiertage zu besuchen, verwirft sie. Bliebe Trübsal. Wäre da nicht Tom, ihr Freund aus Kindertagen. Tom nennt seit kurzem eine idyllisch gelegene alte Villa auf dem Land sein eigen. Dort hat er neben den Räumen für seine Landarztpraxis auch genug Zimmer für Besuch. Jennifer sagt Tom spontan zu. Dass er auch seine Familie eingeladen hat, erfährt sie erst vor Ort. Das allein könnte für Jennifer schon unvorhersehbare Begegnungen bedeuten. Mit einer weiblichen Leiche im Weihnachtsmannkostüm auf den Treppenstufen zu dem herrschaftlichen Anwesen hat sie nun aber wirklich nicht rechnen können.

In dem Krimi „Leise rieselt der Tod“ von Uli Aechtner entwickelt die Bankangestellte Jennifer echte Detektiveigenschaften. Nicht unbedingt zur Freude der Polizei. Neben intuitivem Spürsinn eine gehörige Portion an Waghalsigkeit und Starrsinn. Dass sich all das am Ende auszahlt, versteht sich. Die Umstände des Todes der Frau im Weihnachtsmannkostüm werden ebenso aufgeklärt, wie die Motive für zwei weitere Morde. Und das, während zugleich die Vorbereitungen für einen festlichen Heiligabend laufen: Vom Kauf eines Tannenbaums (der scheitert) über die Zubereitung eines Stollens nach Familienrezept (für die es eigentlich schon zu spät ist) bis zur Frage, ob den ein Welpe als Geschenk in Frage kommt.

Den falschen Färten folgt man gerne

Klingt ziemlich skurril die Geschichte. Und sie ist es auch. Aber der Plot ist durchdacht. Den falschen Fährten, die die Autorin legt, folgt man gerne. Sieht man beim Lesen auf einigen Seiten mehr der Aufklärung des Mordes, pardon der Morde, mit Spannung entgegen, driftet man mit Vergnügen an anderen Stellen ab, um sich an der turbulenten Feiertagsvorbereitung zu erbauen. Etwa daran, dass Toms Mutter das Lametta ganz ordentlich auf die Tannenzweige hängt, während der Vater es in unbeobachteten Momenten handstreichs einfach über die Nadeln wirft. Soviel amüsante Ablenkung darf schon mal sein, erfährt man doch ganz nebenbei, dass Zyankali von Goldschmieden für die Reinigung von Schmuck ebenso wie von Schmetterlings-Sammlern für das Präparieren der Flügeltiere verwendet wird und Blausäure zudem auch im Bittermandel-Extrakt für die Weihnachtsbäckerei enthalten ist.

Uli Aechtner (Foto: Britta Schmitz)

„Leise rieselt der Tod“ ist trotz der drei Morde kein ausgefeiltes Psychogramm eines Serienkillers und erhebt auch nicht den Anspruch, ein solches zu sein. Blutrünstig geht es in dem nunmehr sechsten Krimi von Uli Aechtner, die in der Region insbesondere mit ihren Krimis mit Lokalkolorit wie „Todesrauscher“ und „Keltenzorn“, einem breiten Publikum bekannt ist, auch nicht zu. Vor Albträumen nach der Lektüre muss also nicht gewarnt werden. Zutreffen könnte allerdings die Titelzeile eines Evergreens von Bill Ramsey aus den 1960er Jahren: „Ohne Krimi geht die Mimi“ nie ins Bett. Denn die „Mimi“ wird sich vom Schmunzeln bei der Lektüre aus dem Jahr 2020 auch nicht abhalten lassen. Und Vorsicht, wenn der Stollen oder ein vor Jahren aus Italien mitgebrachter Amaretto aus einer Zubereitung à la casa zu stark nach Mandeln riecht….

Rezepte als zusätzliches Vergnügen

Keine Sorge: Alle Rezepte von Jennifers Goldnuggets bis zu Karla Möbius Spekulatius Tiramisu, die im Buch eine Rolle spielen, können unbedenklich nachgebacken werden. Zu finden sind sie im Anhang. Ein nette Idee – und ein zusätzliches Vergnügen, wenn man Süßes mag und über den vorhersehbaren und allzu romantischen Schluss hinweg sieht.

Die Autorin Uli Aechtner war vor ihrer Zeit als Schriftstellerin Journalistin unter anderem bei dem französischen Nachrichtensender TF1 tätig. Außerdem moderierte sie Nachrichten beim Südwestdeutschen Rundfunk und gestaltete Filmbeiträge für ARD und ZDF.

Uli Aechtner „Leise rieselt der Tod“, Emons-Verlag, 238 Seiten, 13 Euro, ISBN 978-3-7408-0948-5

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