Rauchen macht blind

„Unbedingt damit aufhören“

von Michael Schlag

Rauchen gehört zu den größten vermeidbaren Gefahren für die Augengesundheit, warnt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Bis zu 20  Prozent aller neuen Erblindungen ab dem 50. Lebensjahr seien auf das Rauchen zurückzuführen. Studien zeigten zudem: Rauchen erhöht das Risiko für viele schwere Augenerkrankungen um das Zwei- bis Vierfache. Darunter die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), der Grüne Star sowie Gefäßverschlüsse. Die gute Nachricht: Mit dem Rauchen aufzuhören reduziere das Risiko sofort und anhaltend – das gilt in jedem Alter.

Deutlich unterschätzte Gefahr

Viele Augenerkrankungen entwickeln sich schleichend, doch das Rauchen beschleunigt diese Prozesse massiv. Denn Tabakrauch enthält eine große Zahl giftiger Substanzen, die nahezu alle Strukturen des Auges angreifen. Sie verschlechtern die Durchblutung in den feinen Gefäßen, fördern Entzündungen, schädigen Nervenzellen und setzen das empfindliche Augengewebe unter Stress. „Der Einfluss des Rauchens auf das Sehvermögen wird in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich unterschätzt“, sagt Prof. Teresa Barth, Geschäftsführende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Regensburg. Schon wenige Zigaretten am Tag könnten messbare Schäden verursachen.

Prof. Teresa Barth, Universitäts-Augenklinik Regensburg, bei einer Augenuntersuchung

Dreifaches Risiko für AMD

Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD): Rauchen verdoppelt bis verdreifacht das AMD-Erkrankungsrisiko und erste Krankheitsanzeichen treten bis zu zehn Jahre früher auf. Alarmierend auch: Das Risiko für das Umschlagen in eine besonders aggressive Form, die neovaskuläre AMD, ist bei Rauchern vier Mal so hoch. Angesichts dieser Fakten appelliert die Augenärztin: Rauchen sei „einer der wenigen Faktoren, die man bei der AMD selbst beeinflussen kann.“ Gerade wer ein erbliches Risiko trage, sollte „unbedingt damit aufhören.“ Nichtraucher zu werden, lohne sich auch im höheren Alter noch; man verzögert das Fortschreiten der Erkrankung und die Entwicklung in höhergradige Stadien.

Das Bild zeigt den Augenhintergrund einer 85-jährigen Raucherin (aktuell 1/2 Packung pro Tag)
mit fortgeschrittener trockener AMD und gleichzeitig vorliegender glaukomatöser Sehnervenerkrankung. (Das Titelbild am Anfang des Berichts zeigt im Vergleich dazu eine gesunde Netzhaut) Fotos: Teresa Barth, Universitäts-Augenklinik Regensburg
Rauchen schädigt Sehnerv

Wer raucht, verdoppelt damit auch sein Risiko, an einem Grünen Star (Glaukom) zu erkranken. Tabakrauch führt zum Verlust von Nervenfasern, schädigt direkt den Sehnerv und die Strukturen, die den Augendruck regulieren. Die Krankheit wird damit beschleunigt. Beim Glaukom habe man bis auf die Anwendung von Tropfen relativ wenig selbst in der Hand, sagt Prof. Barth, „aber ein Rauchstopp bringt positive Effekte“. Auch hier gilt, dass es nie zu spät ist: Das Glaukomrisiko ehemaliger Raucher liegt nur noch 25 Prozent über dem von Nichtrauchern.

Mehr Entzündungsprozesse

Rauchen fördert im Grunde alle Augenkrankheiten, darunter die Autoimmunkrankheit Morbus Basedow, und es verringert die Wirksamkeit von Medikamenten. Auch bei Diabetes Typ 1 gehöre der Rauchstopp zu den unerlässlichen Basismaßnahmen, so Barth: „Rauchen fördert die diabetesbedingte Netzhauterkrankung, Diabetes-Betroffene sollten unbedingt damit aufhören.“ Auch das weit verbreitete trockene Auge wird durch Tabakrauch begünstigt; Rauch reizt die Augenoberfläche und fördert Entzündungsprozesse.

Sieht cool aus, schadet aber den Augen. Image by gpointstudio on Freepik
Gefahr für die Augen von Ungeborenen

Prof. Barth macht schließlich aufmerksam auf Gefahren für das heranwachsende Leben während der Schwangerschaft. Raucht die werdende Mutter „sind beim Ungeborenen die Risiken für spätere Fehlbildungen des Auges und für Sehfehler wie Kurzsichtigkeit oder Schielen erhöht“. Nach Datenlage müssten Kinder rauchender Mütter häufiger wegen Augenproblemen ins Krankenhaus. „Wir empfehlen daher, bereits bei Kinderwunsch konsequent auf Tabak- und Nikotinprodukte zu verzichten“.

Aufhören lohnt in jedem Alter

Die Studienlage zum Rauchen sei eindeutig. „Kein anderer Lebensstilfaktor beeinträchtigt das Auge in so vielen Bereichen wie das Rauchen“, resümiert die Augenexpertin. Mit dem Rauen aufzuhören gehört für sie zu den „wichtigsten Maßnahmen, um das eigene Sehvermögen und das der Kinder langfristig zu schützen – und lohnt sich in jedem Alter“. Das alles gilt auch für E-Zigaretten. Zwar sind hier die Forschungen zu den Wirkungen auf die Augen noch nicht so vollständig, die Augenärztin rät aber vom Konsum klar ab.

Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Smoking and eye diseases

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