Soziale Initiative

Spende für schwerkranke Kinder

Doris Klinder aus Langgöns-Niederkleen hat bei ihrer Arbeitsstelle, dem Regierungspräsidium Gießen (RP), 2430 Euro gesammelt. Der Betrag kommt dem Kinder-Palliativteam Mittelhessen des UKGM Gießen-Marburg zugute.

„Schnapsidee“ – aber eine gute

 Eigentlich war es eine Glühweinidee, denn einmal im Jahr, kurz vor Heiligabend nachmittags, lädt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich die RP-Beschäftigten zum Glühweinfest in den Hof des Dienstsitzes am Landgraf-Philipp-Platz in Gießen, so auch 2016. Da der Verwaltungsleiter auch Schirmherr des Kinder-Palliativteam Mittelhessen ist, stellten sich dessen Leiter Dr. Holger Hauch sowie Kolleginnen mit ihrer Arbeit erstmals bei der Veranstaltung vor. „Als ich davon gehört habe, dass es Menschen gibt, die sich speziell um schwerkranke Kinder und Jugendliche und deren Familien kümmert, dachte ich mir, das musst du unterstützen“, wird Doris Klinder in einer Pressemitteilung des Regierungspräsidiums zitiert.

Viele Helferinnen und Helfer

Zunächst konzentrierte sie sich auf ihr direktes Umfeld, die Erstaufnahmeeinrichtung Hessen, und klapperte zwischendurch in den zehn Gebäuden auf dem weitläufigen Gelände ihre Kolleginnen und Kollegen der Abteilung VII ab, wie sie offiziell heißt. 600 Euro kamen so im ersten Jahr zusammen, immer dann, wenn es die Zeit zulässt. Mittlerweile hat sich ihr Einsatz für die gute Sache im Regierungspräsidium herumgesprochen, das über mehrere Liegenschaften verteilt vor allem in Gießen, aber auch unter anderem in Wetzlar angesiedelt ist. Jährlich wechselnde Sammelbeutel kursieren in der Vorweihnachtszeit und füllen sich von Büro zu Büro immer mehr. Dabei gibt es mittlerweile auch viele Helferinnen und Helfer in den sieben RP-Abteilungen.

Es gibt noch weitere Spenden

 Die gute Idee dahinter kommt an, sogar in der Corona-Pandemie, auf Abstand und unter Einhaltung der Verhaltensregeln. Mittlerweile haben sich die meisten Abteilungen angeschlossen. Die letzten Spenden trudeln immer noch ein. „Es gab sogar Kollegen, die haben Spenden privat aus dem Homeoffice abgeholt“, berichtet die Initiatorin. Erstmals hat sie  auch die die externen Dienstleister angesprochen, die rund um die Erstaufnahmeeinrichtung Hessen tätig sind. Beteiligt haben sich die Beschäftigen der Firmen European Homecare, Mattzick, Pond und Spie.

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Hartnäckigkeit hat sie im Leben lernen müssen, denn in ihrem erlernten Beruf als Malerin, Lackiererin und Farbtechnikerin fand Doris Klinder als Frau keinen Arbeitgeber. Also schwenkte sie um, machte eine Ausbildung zur Wachpolizistin und später den LKW-Führerschein. Ab 2002 war sie zehn Jahre auf Achse – in Frankreich, England, Spanien oder auch Portugal. Auf dem Hänger hatte sie auch durchaus sensible Fracht wie Sprengstoff oder radioaktives Material.  Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise vor über fünf Jahren startete sie dann beim RP Gießen in der Erstaufnahmeeinrichtung Hessen an der Rödgener Straße  und fühlt sich heute pudelwohl mit ihrer Aufgabe, worauf der blaue Wollpulli mit weiß Sprengseln, der klassische Maler-Look, eindeutig hinweist.

Etagenweise streicht sie Zimmer und Flure neu und lackiert Türen und Heizungen. Unterstützt wird sie dabei von gemeinnützigen Bewohnerinnen und Bewohnern, die freiwillig für ein kleines Entgelt mitmachen. „Meine Gemeinnützigen“ nennt Doris Klinder sie mit familiärem Tonfall. „Ich habe bis jetzt nur Menschen aus dem Iran in meinem Team gehabt, da waren Architekten, IT-Spezialisten, ein Rechtsanwalts-Ehepaar, Journalisten oder Biochemiker dabei.“ Noch heute, lange nachdem sie wieder die Erstaufnahmeeinrichtungen verlassen haben, erhält sie Mails mit Sätzen wie: „Hallo Mama Doris, wie geht es Ihne

Psychosoziale Versorgung

 Dr. Holger Hauch freut sich sehr über den diesjährigen Spendenrekord aus dem RP Gießen. „Ich bin aber vor allem davon begeistert, dass da jemand wie Frau Klinder einfach loslegt und auch dranbleibt, das hilft uns natürlich am meisten“, sagt Hauch. Diesmal soll die Spende für den Aufbau der psychosozialen Versorgung der schwer belasteten Familien verwendet werden. Seine tägliche Arbeit ist abwechslungsreich, nah an den Kindern, um alles zu tun, die manchmal geringe verbleibende Lebenszeit besser zu machen. Spezialisierte ambulante palliative Versorgung, kurz SAPV genannt, ist nicht neu. Bei Kindern und Jugendlichen hat sich der Ansatz erst seit wenigen Jahren etabliert. Etwa 20.000 junge Patienten leben in Deutschland mit lebensverkürzenden Erkrankungen, bei denen es keine realistische Chance auf Heilung gibt. Das können Krebs- und Herzerkrankungen sein, aber auch neurologische, -muskuläre oder genetische Leiden. Durch das Kinder-Palliativteam Mittelhessen können sie Zuhause leben und die medizinische und pflegerische Versorgung kommt zu ihnen.

Das Palliativteam ist rund um die Uhr erreichbar. „Ziel ist es, die Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten, das funktioniert am besten im normalen Alltag“, erläutert Holger Hauch. „Wir verstehen uns dabei nicht als Sterbe-, sondern als Lebensbegleitung bis zum Schluss.“ „Eine solche Initiative kann natürlich nicht angewiesen werden, die entsteht einfach – oder eben nicht“, ergänzt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Wenn sie dann aus der Belegschaft heraus entstehe, mache ihn das als Verwaltungsleiter sehr stolz. Dabei geht er selbst mit gutem Beispiel voran und hat auch diesmal die Spendensumme am Ende noch aufgestockt. Fast fünf Jahre ist es her, dass er die Schirmherrschaft für das ambulante Kinder-Palliativ-Team Mittelhessen übernommen hat. Von früheren Begegnungen und auch durch begleitende Besuche bei Familien weiß er, wie wertvoll diese Arbeit für die Gesellschaft ist. „Mich beeindruckt das menschliche Einfühlungsvermögen auf der einen Seite und auf der anderen die medizinische Professionalität von Holger Hauch und seinem Team.“  

Stichwort Kinder-Palliativ-Team

 Das Kinder-Palliativ-Team Mittelhessen des UKGM Gießen steht allen Kindern und Jugendlichen mit lebenszeitbegrenzenden Erkrankungen offen, die eine komplexe Versorgung im häuslichen Umfeld benötigen. Für seine jungen Patientinnen und Patienten legt das rund um die Uhr erreichbare Team aus fünf Kinderärzten und -ärztinnen mit Zusatzweiterbildung in Palliativmedizin und sechs spezialisierten Kinderkrankenschwestern jährlich 100.000 Kilometer zurück. Da nicht alle Aufgaben von den Krankenkassen refinanziert werden können, ist auch das Team in Mittelhessen auf Spenden angewiesen. Nähere Informationen hierzu, zu dem Team selbst sowie zu dessen Aufgaben sind auf der Internetseite palliativpro.de zu finden. Kontakt: Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM), Rudolf-Buchheim-Straße 83, 5390 Gießen. Kinder Palliativ Team, Klinikstraße 33, 35392 Gießen. Telefon  0641 985-43906
Telefax  0641 985-43988. E-Mail: sapv.ki-ju@paediat.med.uni-giessen.de 

Titelbild: Doris Klinder aus Niederkleen überreicht dem Teamleiter des Kinder-Palliativteams Mittelhessen Dr. Holger Hauch den Spendenscheck in Höhe 2430 Euro. Darüber freuen sich Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (l.) und Abteilungsleiter Manfred Becker (r. hinten). (Foto: RP Gießen)

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