Museum Obbornhofen

Tabakschneider Exponat des Monats

Ein Tabakschneider aus dem Jahr 1916 ist das „Exponat des Monats“ Mai 2026 im Heimatmuseum Obbornhofen. Das Gerät zeugt von den Zeiten, als die Tabakverarbeitung in Mittelhessen noch eine bedeutende Rolle spielte.

Tabak seit Jahrtausende genutzt

Der Tabakschneider im Heimatmuseum Obbornhofen besteht aus einem stabilen Holzgehäuse mit Schneidmesser und Ratschenmechanismus. „Damit konnten getrocknete und fermentierte Tabakblätter, je nach Bedarf für Pfeife oder Drehtabak, gleichmäßig und in einstellbarer Länge in feine Streifen geschnitten werden“, schreibt der Heimatverein, der das Museum betreibt, in einer Pressemitteilung.

Tabak werde seit mindestens 12.000 Jahren von Menschen genutzt, „deutlich länger als lange angenommen“. Bei Ausgrabungen im US-Bundesstaat Utah sei von Forschern in einer 12.000 Jahre alten Feuerstelle verkohlter Tabaksamen entdeckt worden. Nach der Entdeckung Amerikas gelangte die Tabakpflanze nach Europa. Zunächst wurde sie als Heilpflanze geschätzt: Tabakblätter legte man auf offene Wunden, Tabaksaft sollte bei Magenbeschwerden helfen. Ab dem 17. Jahrhundert verbreitete sich der Tabakanbau auch in Deutschland. Tabak wurde zu einem bedeutenden Genuss- und Handelsgut.

Der Tabakschneider, Exponat des Monats im Heimatmuseum Obbornhofen. (Foto: Heimatverein Obbornhofen)

Zentrum der deutschen Tabakindustrie

Gerade in ländlichen Regionen sei Tabak häufig selbst angebaut und verarbeitet worden. Tabakschneider hätten daher zur Grundausstattung vieler Haushalte gehört und seien meist von örtlichen Handwerkern gefertigt worden. „Sie stehen bis heute für Eigenversorgung und handwerkliches Können früherer Generationen“, schreibt der Heimatverein.

Auch in Mittelhessen habe die Tabakverarbeitung eine wichtige Rolle gespielt. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert habe sich die Region um Gießen, Heuchelheim und Pohlheim zu einem Zentrum der deutschen Tabakindustrie mit zeitweise über 30 Fabriken entwickelt. Eine der bedeutendsten sei die Gail’sche Zigarrenfabrik (gegründet 1812) gewesen, die über viele Jahrzehnte zu den führenden Zigarrenherstellern Deutschlands gezählt habe.

Am Sonntag, 3. Mai 2026, um 14 Uhr öffnet das Heimatmuseum Obbornhofen, Kommenturgasse 18, erstmals in diesem Jahr seine Türen. In der Kulturscheune werden Videoaufnahmen aus dem Jahr 2025 gezeigt, und im Hof lädt das Museumscafé zu Kaffee und Kuchen ein. Von Mai bis Oktober ist das Museum an jedem ersten Sonntag im Monat jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Individuelle Besichtigungen können mit Johannes Fritzsche, telefon 0151 1040 1908, oder Eberhard Müller, Telefon 0151 5024 1805, vereinbart werden.

Titelbild: Die Ratsche für Vorschub der Tabakblätter am Tabakschneider, einstellbar für Feinheit des Schnitts.

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