Schädlinge

Das große Krabbeln bekämpfen

Was hat das Regierungspräsidium (RP) Gießen mit dem Schutz vor kleinen, ungebetenen Gästen in Speisekammern zu tun? Die Behörde ist auch für den Verbraucherschutz da und gibt Tipps, um tierische Schädlinge zu vermeiden.

Dankbar für Beschwerden

Beim Blick in die kleine Speisekammer fällt es sofort auf: Da krabbelt ein ungebetener Gast an der Wand entlang. Bei genauerem Hinsehen wird klar: Es ist nicht nur eine Made, die hier unterwegs ist. Wo haben sich die Tierchen versteckt? Das gilt es jetzt so schnell wie möglich herauszufinden. Und das möglichst, bevor sie sich in all den bereits gekauften Zutaten für die Plätzchen oder aber im Vorrat an Nudeln und Haferflocken breitmachen. „Schädlinge in Vorräten sind nichts Ungewöhnliches. Fast jeder ist irgendwann einmal unfreiwilliger Gastgeber für Maden im Müsli, Milben im Mehl oder Käfer im Getreidekorn“, wird der Gießener Regierungspräsident Christoph Ullrich in einer Pressemitteilung seiner Behörde zitiert.

„Gerade naturbelassene Produkte sind besonders gefährdet. Aus wenigen unbemerkten Schädlingen können mit der Zeit sehr viele Tiere werden“, weiß Dr. Wolfgang Kulow, Leiter des Dezernats Verbraucherschutz im Regierungspräsidium. „Lebensmittelproduzenten tun alles dafür, Schädlinge zu vermeiden. Doch es kommt auch mal vor, dass das nicht gelingt. Grundsätzlich gilt: Je naturbelassener ein Nahrungsmittel ist, desto größer ist das Risiko.“

In der Produktion seien die Schädlinge kaum zu erkennen, sodass der Befall oft erst im Handel oder beim Kunden sichtbar wird. Oft können die Hersteller wenig dafür. Viele Produkte kommen von weit her und durchlaufen zahlreiche Handelsstufen. Daher kann es auch sein, dass Schädlinge erst auf dem Transport oder im Groß- oder Einzelhandel in das Produkt eindringen. Umso dankbarer sind die Betriebe, wenn befallene Ware reklamiert wird. „Es ermöglicht dem Unternehmen, Lücken im betrieblichen Warenkontrollsystem zu erkennen und zu beseitigen.“

Ämter können Hilfe bringen

Betroffene Kunden sollten sich an die Experten der Lebensmittelüberwachung beim Landkreis wenden. Bei allen Verbraucherbeschwerden ist es wichtig, dass der Hinweis nicht anonym gegeben werden sollte, wie Dr. Wolfgang Kulow erklärt: „Im Sinne des Verbraucherschutzes benötigen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebensmittelüberwachung Angaben, um die Ursache der Verunreinigung auszumachen und weitere Probleme zu verhindern.“

Zu den Schädlingen, die sich in Haushalten ausbreiten, gehört der Brotkäfer.  (Foto: Wikipedia, Siga)

Sollten sich die Schädlinge im Haushalt bereits ausgebreitet haben, können die Ämter auch hilfreiche Tipps zur Beseitigung geben.“ Auch alle anderen Vorräte sollten auf Schädlingsbefall überprüft werden“, lautet ein solcher Tipp vonseiten des RP-Mitarbeiters. Dazu gehört etwa: Alle gefährdeten Produkte grundsätzlich beseitigen, auch wenn keine Tiere zu sehen sind. Alle Flächen und Gegenstände, die in Kontakt mit den befallenen Produkten gekommen sind, müssen danach gründlich gereinigt werden. Das sollte ohnehin regelmäßig gemacht werden. Bei einem massiven Befall sollte ein professioneller Schädlingsbekämpfer hinzugezogen werden. Und das relativ früh. „Vor allem gegen die Schaben kommt man sonst nicht mehr an“, so der Dezernatsleiter. 

Große Vorräte wegen Corona

Um den ganzen Ärger zu vermeiden, rät er: „Verbraucher sollten schon beim Einkauf auf Packungsbeschädigungen, Spinnfäden und Verklumpungen in Lebensmitteln achten. Sie sind Hinweise auf möglichen Befall mit Schädlingen.“ Vorsorglich sollten Vorräte zu Hause in stabilen und vor allem dicht schließenden Behältern aufbewahrt werden – auch bevor sie überhaupt angebrochen sind. „Dicht bedeutet: Keine Spalten in der Vorratskiste wie Luftlöcher oder Grifföffnungen. Der Deckel muss bündig aufliegen und am besten einrasten“, hebt der Experte hervor. Warum das Ganze? „Die Verpackung allein schützt nicht vor Schädlingen. Die meisten lassen sich nicht von Papier- oder Plastiktüten aufhalten.“ Da in Zeiten von Corona viele Menschen dazu neigen, größere Vorräte an Mehl, Nudeln oder auch Reis anzulegen, rät Dr. Wolfgang Kulow erst recht, alles dicht zu verpacken – und nicht zu viel einzulagern. 

Titelbild: Egal ob Nudeln oder Müsli: Anstatt die angefangene Packung in den Schrank zu räumen, sollte der Rest in dicht schließende Behälter umgefüllt werden.(Foto: RP Gießen)

Ein Gedanke zu „Schädlinge“

  1. Merke: So wie es im Reich der Pflanzen keine „Unkräuter“ gibt, so gibt es auch im Reich der Tiere keine „Schädlinge“ . Es wäre schlimm, wenn etwa der abgebildete Brotkäfer, den der Autor wie weitere für irgendwelche Nahrungsketten wichtigen Kleinwesen „bekämpfen“ will, dem Artensterben anheimfiele. Es wäre auch schlimm, würde man auf ’naturbelassene‘ Nahrungsmittel verzichten oder gar einen ‚Kampf‘ mit Unmengen von Reinigungsmitteln führen. Zugegeben, Mehlwürmer mag ich auch nicht, aber sie verirren sich nur selten in meinen Schrank. Wozu also die eh schon überbordende Putzwut noch weiter anheizen, fragt sich ein unbekümmerter Haferflockenesser.

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