Native Americans

Museum gibt Lederhemd zurück

von Ursula Wöll

Das Hemd aus Bisonleder gehörte einst dem Chief der Teton-Lakota namens Daniel Hollow Horn Bear. Er verstarb 1913. Sein Urenkel Duane bat das Weltkulturenmuseum um eine Rückgabe des reich verzierten Lederhemdes. Als heutiger Chief verwies er auf dessen identitätsstiftende Wirkung für seine indigene Gemeinschaft. Das Frankfurter Museum erfüllte die Bitte. Eine noble Geste, denn es konnte kein Schmuh beim Erwerb vor 113 Jahren nachgewiesen werden.

Teton-Lakota, ein Stamm der Sioux

Daniel Hollow Horn Bear 1900 im Hemd der Sammlung des Frankfurter Weltkulturenmuseums.

Die Rückgabe des historischen Hemdes erfolgte in Rosebud im amerikanischen Bundesstaat South Dakota. Dort befindet sich das Reservat der Teton-Lacota, das in seiner ehemaligen Ausdehnung stark beschnitten wurde. Als das historische Hemd gearbeitet wurde, eine Aufgabe der Frauen, lebten die Lacota von der Jagd auf Bisons. Damals grasten diese mächtigen Wildrinder zahlreich in der Prärie. Da die Indianer irgendwann an Pferde und Gewehre kamen, waren die Bisons eine leichte Beute. Nicht nur ihr Fleisch wurde gegessen, das Leder der Tiere wurde zu Kleidung gearbeitet und auch jeder andere Teil des Tierkörpers im Alltag genutzt. Die Versuche der Behörden, die Lakota zu sesshaften Ackerbauern zu machen, schlugen fehl. Die tiefen Wurzeln des Präriegrases sind nötig, um die Erde vor Erosion zu bewahren, die Wurzeln des Weizens schaffen das nicht. Vor allem aber stand die traditionelle, nomadisch geprägte Kultur dem entgegen. Sie ist stark gefährdet und verliert ihre soziale Bindekraft. Selbst die traditionelle Sprache wird nur noch von einem Teil der Lakota gesprochen.

Amerikanischer Bison

Identität der Lakota bröckelt

Die Eingriffe von außen in die Sioux-Kultur hat das Leben in dem Reservat schwierig gemacht. Es gibt heute eine hohe Arbeitslosigkeit und viele Kranke, vor allem Diabethiker durch falsche Ernährung. Alkohol- und Drogenprobleme nehmen zu. Nicht nur African Americans, auch die Native Americans werden ja von der weißen Mehrheit durch die Brille des Vorurteils gesehen. Das historische Lederhemd kann dazu beitragen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Es ist sehr kunstvoll gearbeitet und beweist, dass die Vorfahren eine hoch entwickelte Kultur besaßen. Deshalb bat der auch schon in die Tage gekommene Urenkel Chief Duane Hollow Horn Bear im Jahr 2019 um die Überlassung des Lederhemdes. Und nicht, weil auch Haare seiner Familie eingearbeitet sind. Es wurde ihm nun gut verpackt nach Rosebud, dem größten Ort des Reservats, geschickt. Da, wo es einst entstand, ist es sinnvoller aufgehoben als bei uns.

Museen überprüfen ihre Sammlungen

Ganze 113 Jahre gehörte das Hemd aus Bisonleder dem Museum der Weltkulturen am Frankfurter Schaumainkai, 30 Jahre davon war es als Dauerleihgabe im Ledermuseum Offenbach ausgestellt. Da die Sammlung 67000 Objekte umfasst, war es zwar nobel, aber nicht allzu schmerzlich, die Bitte des Chief Duane zu erfüllen. Das Hemd war einst korrekt von einem amerikanischen Museum erworben worden, dieses hatte es einem Privatmann abgekauft. Wie es aus den Händen der Lacota in dessen Hände geriet, scheint allerdings ungeklärt. Wie viele andere Museen auch, prüft das Weltkulturenmuseum, ob es unrechtmäßige Objekte in seiner Sammlung bewahrt. Durch die Forderung Nigerias, die vielen einst geraubten wertvollen Benin-Bronzen zurückzugeben, bekam die Diskussion über die Sammlungen in europäischen Museen starken Auftrieb. Die ungleichen kolonialen Verhältnisse hatten einst geradezu zum Raub von Kunst- und Kulturgütern oder deren „Kauf“ mit Glasperlen verführt. Was in den beraubten Ländern jedoch eine feste Funktion in Alltag und Religion besaß, hat in unseren Augen lediglich einen ästhetischen Reiz. Wenn es überhaupt vor unsere Augen kommt und nicht in irgendwelchen Kellern ruht. So musste das Berliner Humboldt-Forum endlich zusagen, die Benin-Bronzen zurückzugeben. Aber noch ist das nicht geschehen. Die Geste des Weltkulturenmuseums könnte die notwendige Diskussion und Überprüfung der Bestände in den europäischen Museen vorantreiben.

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