Baurecht da, Geld noch nicht
Von Detlef Sundermann
Die Wiederinbetriebnahme des Streckenabschnitts Wölfersheim-Hungen der Horlofftalbahn hat eine entscheidende Hürde genommen: das Planfeststellungsverfahren. Die Offenlage wurde im November 2025 vom Eisenbahnbundesamt veranlasst, teilt eine Sprecherin von DB Infrastruktur mit. Die Klagefrist sei Anfang dieses Jahres abgelaufen. „Somit liegt nun formal Baurecht vor“, erklärt die Sprecherin.Finanzielle Baufreigabe in Kürze erwartet
Allerdings werden in den kommenden Wochen noch nicht Baufirmen die Gleisanlage samt der Signaltechnik aus den 1960er Jahren modernisieren und die alten Haltestellen wegen ihres Zustandes abreißen und neu bauen. Laut Bahn fehlt noch die finanzielle Baufreigabe durch den Bund, die jedoch in Kürze erwartet werde.
Bis dahin legt man bei der DB Infrastruktur die Hände jedoch nicht in den Schoss. „Das Projektteam arbeitet derzeit daran, dass auf dieser Basis noch in 2026 vorlaufende Umweltmaßnahmen starten können.“ Hierzu zählen voraussichtlich etwa Ersatzhabitate für geschützte Tierarten wie Eidechsen und Wechselkröten. Die Vorbereitungen für den Bau, etwa die Anlage einer Baustraße, könnten dann im ersten Quartal des kommenden Jahren erfolgen, heißt es. Laut einer früheren Aussage im Landesprogramm Mobiles Hessen soll die Horlofftalbahn ab 2030 in Betrieb gehen und in den Hauptverkehrszeiten im Halbstundentakt und in der Nebenverkehrszeit im Stundentakt rollen. Für den Zeitplan sei jedoch eine erfolgreiche Bauvergabe erforderlich, heißt es in der Stellungnahme von DB Infrastruktur.
4,3 Millionen Euro veranschlagt
Dem Unternehmen zufolge sind die Hauptarbeiten auf der gut zwölf Kilometer langen Strecke der Gleisbau und die Erneuerung von elf Bahnübergängen, darunter auch der an der stark befahrenen B 455. Des Weiteren sollen die Stationen Wölfersheim-Berstadt und Hungen-Inheiden neu gebaut werden. Die Strecke, die durch eine nahezu idyllische Feld- und Wiesenlandschaft vorbei am ehemaligen Braunkohletagebau führt, wird auch künftig eingleisig und unelektrifiziert bleiben. Ob die Züge am einstigen Halt Bellersheim wieder stoppen werden, ist fraglich. Die Station wurde seinerzeit vor allem für Arbeiter im Tagebau geschaffen. Mit dem Ende des Kraftwerkes in Wölfersheim in den 1980er Jahren ist aus der Grube der Sachsensee entstanden, der für Freizeitnutzung gesperrt ist.
Die Planungskosten für die Reaktivierung der Strecke wurden im Jahr 2020 mit 4,3 Millionen Euro veranschlagt, die baulichen Ausgaben mit 25 Millionen Euro. Laut einer früheren Mitteilung übernimmt die Bahn 90 Prozent der Kosten, den Rest das Land Hessen.
700 Fahrgäste täglich erwartet
Dass es eine Renaissance der Horlofftalbahn zwischen Hungen und Wölfersheim geben wird, ist der einstigen schwarz-grünen Landesregierung zu verdanken. Das Wirtschaftsministerium unter Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) gab 2018 eine landesweite Machbarkeitsstudie in Auftrag. Inhalt war eine Rentabilitätsuntersuchung von stillgelegten Bahnstrecken. Für die Horlofftalbahn ergab sich eine Prognose von rund 700 Fahrgäste pro Tag und damit ein guter Grund in die Revitalisierung zu investieren. Dass dies möglich ist, ist jedoch nicht zuletzt ebenso den beiden Kopfgemeinden zu verdanken. Als im Dezember 1997 ungeachtet der Proteste von Politik und Fahrgästen die Bahn das angekündigte Aus umsetzte, erwarben Hungen und Wölfersheim die Gleisanlage und ließ sie bis auf Grünpflege unberührt. Im Gegensatz zu anderen Orten, sollte darauf kein Radweg entstehen. Denn eines Tages wird dort wieder ein Zug fahren, lautete die Hoffnung. Laut dem Wiesbadener Ministerium hat die Bahn die Teilstrecke von den zwei Kommunen nunmehr zurückgekauft.
Titelbild: Die Horlofftalbahn soll aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden.
