Cony Theis

Sie malt Porträts auf ihre Haut

von Jörg-Peter Schmidtausstellung1

Cony Theis hat eine außergewöhnliche Technik der Porträtmalerei entwickelt: Sie malt die Bilder in kleinem Format auf ihre Haut, fotografiert sie und entfernt die Farben sogleich wieder von Armen oder Beinen. So ist auch das nebenstehende Selbstporträt entstanden. Ihre Werke sinde bis zum 30. Juli 2016 im ehemaligen Kiosk in der Licher Straße in Gießen zu sehen.

Die Haut verändert sich

Der Neue Kunstverein Gießen, der mit großer Resonanz das frühere Wasserhäuschen beim Alten Friedhof für Ausstellungen nutzt, hat es ermöglicht, dass die in Köln lebende Professorin für Bildende Künste ihre viel beachteten Fotografien jetzt auch in Gießen vorstellt. Sie hat bei ihren Ausstellungen auch im Ausland (beispielsweise in Israel)  große Anerkennung gefunden.

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Cony Theis stellt in den Räumen des Kunstvereins in der Gießener Licher Straße im früheren Kiosk ihre Porträts vor, die sie auf ihre Haut gemalt und dann fotografiert hat. (Foto: Jörg-Peter Schmidt)

Vor der Vernissage in Gießen sprach die gebürtige Ewersbacherin mit dem „Landboten“ über ihre Arbeit. Dabei berichtete sie, wie sie auf die Idee kam, auf den menschlichen Körper Gemälde aufzutragen: „Ich hatte beobachtet, dass die Haut sich mehrmals am Tag und in der Nacht verändert, morgens nach dem Aufstehen Runzeln und Falten bildet.“ Da die Haut in dieser Weise selbst Bilder produziert, lag es für sie nahe, auf diesen sensiblen Träger Miniporträts zu produzieren, was gar nicht so einfach ist: Die Haut wehrt sich zunächst gegen die Farbe. Mit etwas Geduld entstanden aber dann doch die Bilder, für die sich unter  anderem Verwandte der Künstlerin zur Verfügung stellten.  Auch ihre Kollegin Rosemarie Trockel (Kunst-Professorin in Düsseldorf) wurde auf diese Weise als Gemälde verewigt: deutlich sichtbar als Reminiszenz an Brigitte Bardot.

Cony Theis ist auch Gerichtszeichnerin

Bei der Ausstellung im früheren Kiosk liegt der Schwerpunkt auf den „Haut-Bildern“. Wer sich aber in die Biografie von Cony Theis  vertieft, stellt fest, dass sie ihre Kreativität in vielfältige weitere Projekte umsetzt. Seit 1988 ist sie Gerichts-Zeichnerin;  beispielsweise  beim Mannesmann-Prozess in Düsseldorf  (2006) sowie den Gerichtsverhandlungen nach der Gladbecker Geiselnahme  (1989 in Essen)  entstanden ihre Illustrationen für die Zeitungen.  Zum Arbeitsfeld von Cony Theis gehören zudem soziale Aufgaben. Einen Entwurf für die künstlerische Ausgestaltung  der Fassade des neuen Küchen- und Werkstattgebäudes auf dem Areal der Justizvollzugsanstalt Zweibrücken hat sie zusammen mit Gefangenen und Beschäftigten entwickelt. Seit 1988 entstehen durch ihre Mitarbeit Filme von Jürgen Heiter.
Zurzeit konzentriert sich die Kölnerin aber auf ihre Ausstellung in Gießen, wo sie zum Abschluss am 30. Juli um 16 Uhr im ehemaligen Kiosk in der Licher Straße noch einmal zum einem öffentlichen Gespräch zur Verfügung stehen wird. Jeden Samstag zwischen 14 und 17 Uhr ist die Ausstellung zugänglich. Termine  außerhalb dieser Öffnungszeiten kann man unter Tel. 0641 – 250 94 44 und 0174 – 342 99 66 vereinbaren, berichtet Andreas Walther vom Neuen Kunstverein.

conytheis.de
kunstverein-giessen.de

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