Berufsrückkehr

Die Geschichte des Alexander Galbacs

Nicht immer verläuft das Leben geradlinig. Manchmal vermögen bestimmte Lebensereignisse, alle persönlichen Pläne, Wünsche und Hoffnungen über den Haufen zu werfen. Das passiert mal mehr, mal weniger heftig – von heute auf morgen. Nicht allen Menschen gelingt im Anschluss die Rückkehr in den sogenannten Alltag. Hin und wieder sind die Schranken einfach unten, bleiben auch erst einmal unten. Einer, der diese Schranken wieder mit viel Kraft, Motivation und Hilfe öffnen konnte ist Alexander Galbacs. Seine Geschichte schilder Christian Németh in einem Pressebeitrag der Lebenshilfe Gießen.

Man braucht viel Geduld

Alexander Galbacs ist gelernter Metallbauer. Heute ist er für die AWO-Pflegeeinrichtungen Gießen-Land gGmbH als Mitarbeiter der Haustechnik unterwegs, übernimmt für mehrere Standorte im Landkreis diverse Hausmeistertätigkeiten, beteiligt sich aber auch an der Trinkwasserausgabe an die Hausbewohnerinnen und -bewohner. Erst seit wenigen Monaten arbeitet er als Festangestellter. Keine Selbstverständlichkeit, denn vor einigen Jahren wurde der Handwerker mit einer psychischen Erkrankung konfrontiert. Er konnte lange Zeit nicht arbeiten – und fand nur mit viel Mühe, beachtlichem Kraftaufwand, aber auch dank Unterstützung zurück. „Es war nicht einfach. Man braucht viel Geduld. Sehr dankbar bin ich auch meiner Familie“, erklärt der Haustechniker,  der seit anderthalb Jahren in einer Wohngemeinschaft in Reiskirchen lebt, von wo aus er täglich mit dem Zug zu seinem Arbeitgeber nach Lollar reist. „In letzter Zeit nimmt mich aber auch häufig ein Kollege mit. Außerdem plane ich, meinen Führerschein zu machen“, so der AWO-Mitarbeiter, der in seinem neuen Job angekommen und sich wohl zu fühlen scheint: „Ich habe hier super Kollegen, über die lasse ich nichts kommen. Sie haben mich voll in ihren Kreis angenommen, akzeptieren mich so wie ich bin.“

Blicken auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit (v.l.n.r.): Anthony Müller (Geschäftsführer AWO Pflegeeinrichtungen Gießen-Land gGmbH), Alexander Galbacs, Thomas Backes und Petra Emin (beide Lebenshilfe Gießen). (Fotoquelle: Lebenshilfe)
 

Der Weg von Alexander Galbacs zurück in die Arbeitswelt erfolgt schrittweise und behutsam. Eine wichtige Rolle spielte hierbei die Lebenshilfe Gießen, bei der er über die Agentur für Arbeit eine berufliche Reha-Maßnahme (Berufsbildungsbereich) in Anspruch nahm. Statt seine Eingangszeit in einer Werkstatt der Lebenshilfe Gießen zu absolvieren, wie üblich, arbeitete er allerdings von 2017 an durchgehend als Praktikant bei den AWO- Pflegeeinrichtungen Gießen-Land gGmbH.„Das Gute daran war, dass Mitarbeiter und Betrieb erst einmal schauen können, ob es miteinander harmoniert“, erläutert Petra Emin (Lebenshilfe / Leitung berufliche Integration). Das Praktikum wurde hierbei mehrfach verlängert, zudem steigerte sich schrittweise die Arbeitszeit – aufgrund der persönlichen Fortschritte und des größer werdenden Belastungsvermögens – sukzessive.

Werkstattmitarbeiter der Lebenshilfe

2018 erfolgte der Wechsel in den sogenannten Arbeitsbereich, somit in die Kostenträgerschaft des Landeswohlfahrtsverbands Hessen (LWV) und der frühere Metallbauer galt fortan formal als Lebenshilfe-Werkstattmitarbeiter, der jedoch an einem externen Arbeitsplatz tätig war. „Wenn irgendwas schiefgegangen wäre, dann hätte er jederzeit zurückkommen können, in den geschützten Bereich der Werkstätten“, erklärt Emin. Alexander Galbacs indes hatte ein Ziel vor Augen, wollte einen festen Arbeitsvertrag.

Einer, der den beeindruckenden Werdegang des jetzigen Hausmeisters in den vergangenen beiden Jahren hautnah miterlebte, ist Anthony Müller (Geschäftsführer AWO Pflegeeinrichtungen Gießen-Land gGmbH). „Natürlich waren und sind wir mit derArbeit sehr zufrieden. Es muss immer von der Person und von der Tätigkeit her passen – wenn es in dem Fall nicht gepasst hätte, wäre der Festanstellungvertrag nicht zustande gekommen“, so Müller, der sich sicher ist: „Wer gewisse Schicksalsschlage hatte, der bewerte Strukturen im Alltag, die Arbeit in einem Team anders, als andere, die mehr oder weniger problemlos durchs Leben gegangen sind. Diese Menschen sind immer etwas motivierter.“

 Petra Emin freut sich über das Engagement der AWO Pflegeeinrichtungen Gießen-Land gGmbH und wünscht sich für die Zukunft noch viele weitere mittelhessische Arbeitgeber, die sich auf eine Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Gießen im Rahmen der beruflichen Integration einlassen. Anthony Müller, der die Kooperation mit der Lebenshilfe weiterhin pflegen möchte, pflichtet ihr bei .

Ebenfalls froh über das Durchhaltevermögen und das positive Beispiel ist Lebenshilfe-Mitarbeiter Thomas Backes, der Galbacs binnen zwei Jahre als Arbeitssbegleiter zur Seite stand: „Er hat es geschafft dank seiner Familie, aber auch dank seiner eigenen Motivation. “ Der  Berufsrückkehrer zeigt sich dankbar: „Herr Backes hatte immer ein offenes Ohr, ich konnte ihn immer anrufen.“ Emin sieht  ein ermutigendes Beispiel für andere und betont: „Wenn jemand sagt: Ich will nach draußen gehen, dort arbeiten, dann schauen wir, wo es geht, was wir machen können. Wir möchten die Menschen, die es wollen und können, darin unterstützen, ins alte Leben zurückzukehren.“

Weitere Informationen zur beruflichen Integration der Lebenshilfe Gießen gibt Frau Petra Emin (Telefon: 06404 804-170 / E-Mail: p.emin@lebenshilfe-giessen.de)

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