Alles Gute

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Der Gewerkschafter und Sänger Joe Hill wurde vor 100 Jahren – am 19.11.1915 – von einem Exekutionskommando erschossen. Das Todesurteil ist einer der größten Justizskandale der USA. Warum steht das in der Rubrik „Alles Gute“? Weil Joe Hill weiterlebt.

„Ich bin niemals gestorben“

Es war weit nach Mitternacht als die Folk-Sängerin Joan Baez auf die Bühne trat. Vor einer halben Millionen Menschen stimmte sie das Lied über Joe Hill an:
I dreamed I saw Joe Hill last night,
alive as you and me.
Says I „But Joe, you’re ten years dead“
„I never died“ said he,
„I never died“ said he.
(Ich Träumte ich sah Joe Hill vergangene Nacht/lebend wie du und ich/Ich sagte: Aber Joe, du bist zehn Jahre tot/Ich bin niemals gestorben, sagte er/ Ich bin niemals gestorben, sagte er)

Das war beim Momente des Woodstock-Festivals 1969. Die neue Gegenkultur der USA schlug die Brücke zur Gewerkschaftsbewegung in ihrem Lande zu Beginn des Jahrhunderts. Die Hippies gedachten der Wobblies.
Joe Hill, geboren am 7. Oktober 1876 als Joel Emmanuel Hägglund, wuchs in bitterer Armut auf. Er wurde zum Armutsflüchtling: 1902 wanderte er in die USA aus, auf ein besseres Leben hoffend. Daraus wurde nichts. Er schlug sich als Erntehelfer und Seemann durch, arbeitete in Kupferminen und an Schmelzöfen. 1910 schloss er sich den Industrial Workers Of the World an (IWW), die Gewerkschafter wurden Wobblies genannt.

Lieder, die Mut machen

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Das Liederbuch der IWW

Hill verstand es, witzige Lieder zu populären Melodien zu schreiben. Dauerte ein Streik lange und die Kampfbereitschaft lies nach, feuerte er die Streikenden mit seinen Liedern an. Eine Heilsarmeehymne dichtete er zum Song „The Preacher and the Slave um“, in dem es heißt:
And they tell you what’s wrong an what’s right,
But when asked about something to eat,
They will answer in voices so sweet:
(Chorus:)
You will eat, by and by,
in that glorius land above the sky.
Work and pray, live on hay,
You’ll get pie in the sky when you die.
(Sie sagen euch was schlecht ist und was gut./Doch bittet ihr sie um etwas zu essen,/So antworten sie mit süßer Stimme:/(Refrein:) Einstmals werdet ihr essen/In dem himmlischen Land über den Wolken./Arbeitet und betet, lebt von Heu,/Im Himmel werde ihr Kuchen bekommen, wenn ihr gestorben seid.)

Ein Gewerkschafter wird ermordet
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Das Testament Joe Hills, das von den IWW verbreitet wurde.

In Utah wurde Joe Hill am 10. Januar 1914 verhaftet.  Am selben Tag waren ein Lebensmittelhändler und sein Sohn von zwei Maskierten erschossen worden. Auf ihre Mörder hatten sie eine Kugel abgefeuert. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen, darunter auch Hill, weil er eine  Schussverletzung hatte. Obwohl es keine Beweise gab und ihn keiner der Zeugen zweifelsfrei identifizierte, wurde der Gewerkschafter zum Tode verurteilt – ein Fehlunrteil, wie sich später herausstellte. Gegen den Richterspruch erhob sich heftiger Protest, dem sich auch Arbeiter aus konservativen Gewerkschaften, Professoren und Kirchen anschlossen. Selbst der amerikanische Präsident Woodrow Wilson setzte sich für Joe Hill ein.
Die Hinrichtung wurde um zwei Wochen verschoben, aber nicht aufgehoben. Am 19. November wurde Joe Hill erschossen. Vier Kugeln durchbohrten sein Herz. Den Schießbefehl für das Exekutionskommando soll er selbst gegeben haben. „Mein Testament ist leicht zu machen, denn es gibt nichts zu verteilen“, schrieb er aus dem Gefängnis.

In dem von Beaz auf dem Woodstock-Festival vorgetragenen Song heißt es
From San Diego up to Maine in every mine and mill,
Where working man defend their rights,
it’s there you find Joe Hill,
it’s there you find Joe Hill.
(Von San Diego bis Maine in jeder Mine und Mühle/Wo Arbeiter ihre Rechte verteidigen, Dort ist auch Joe Hill/Dort ist auch Joe Hill)

Joe, du lebst weiter. Alles Gute!

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