Wandertipp

Von der Römerstadt zum Königsstuhl

Von Klaus Nissen

Der Antike, der Zeit der Raubritter und des Siebenjährigen Krieges begegnen wir bei einer gut 14 Kilometer langen Rundtour nördlich von Waldgirmes zwischen Wetzlar und Gießen. Wir lernen aus der Geschichte, genieße eine schöne Landschaft und können uns am Ende gut erholen.

Wandertipp: Auf zum goldenen Reiter

Elf Meter tief in einem verschütteten Brunnen am Rande des 3300-Seelen-Ortes Waldgirmes fanden Archäologen im Jah 2009 Sensationelles: den lebensgroßen Pferdekopf eines Reiterstandbilders aus römischer Zeit. Es stellte sich heraus: Der Acker war um Christi Geburt Marktplatz einer gerade gegründeten Stadt.

Schotter und Steine umreißen das einstige Hauptgebäude am Forum der Römerstadt von Waldgirmes. Im Hintergrund der golene Reiter und das Besucherzentrum. Foto: Nissen

Die Römer hatten damals vor, auch die Gegend nördlich der Lahn in ihr Reich einzugliedern. Das ließen sie bleiben, nachdem ihr Feldherr Varus mit drei Legionen in eine Falle der Cherusker gegangen und umgekommen war. Die Römer bauten ihren Limes lieber weiter südlich und zogen sich aus der noch unfertigen Stadt zurück.

Den römischen Pferdekopf gibt es zweimal

Heute ist der restaurierte Bronze-Pferdekopf in der Saalburg bei Bad Homburg zu sehen. Doch eine Replik finden wir im Besucherzentrum am Startpunkt dieser Wanderung. Das aus Glas und Holz erbaute Haus auf dem Gelände der Römerstadt ist leicht zu finden. Darin lernen wir, wie die Stadt konstruiert war und was davon noch übrig blieb. Und dass es noch nicht gelungen ist, an der nebenan fließenden Lahn den sicher vorhandenen Hafen der Römer zu finden.

Die Landschaft nördlich der Lahn bei Waldgirmes hat einen großen Himmel. Und viel Geschichte. Foto: Nissen

Steinlinien markieren neben dem Infozentrum die Umrisse des römischen Forums. Rundum standen einst wenigstens 24 Häuser, von einem doppelten Palisadenzaun und Graben geschützt.

Durch Waldgirmes nach Osten

Wir können hier loswandern, ohne uns vor räuberischen Germanen fürchten zu müssen. Zunächst ins Zentrum von Waldgirmes und auf der Lauterstraße durch die ausgedehnte Wohnsiedlung ostwärts, bis wir den Südrand des großen Waldes erreichen, der sich bis Biebertal erstreckt. Am Waldrand weiter bis zum Kneippbecken, dann leicht bergauf in den Wald entlang des Bächleins nach Norden.

Es kommt eine Wegkreuzung mit hölzernem Unterstrand, an dem die Replik des seit dem 14. Jahrhundert hier stehenden Frauenkreuzes zu sehen ist. Eine Tafel erklärt seine Bewandtnis: Das steinerne Kreuz war der eher hilflose Versuch, die Reisenden auf diesem Höhenweg vor Ausplünderung zu bewahren. Damals wimmelte es von Raubrittern und streitenden Kleinstaat-Regenten, die Mittelhessen und ganz Deutschland zu einem unsicheren Platz machten.

Nach links geht es weiter, wenig später tauchen die mit Bäumen bewachsenen Erdwälle der fünfeckigen Sternschanze im Walde auf. Man kann noch immer durch die Laufgräben der französischen Soldaten irren, die sich hier im Herbst 1759 verschanzt hatten.

Hier lagen tausende Soldaten

Wochenlang lagen sich auf diesem Fleck zwei Armeen gegenüber. Die überlebenden 51 000 Soldaten der französischen Armee hatten sich nach der verlorenern Schlacht bei Minden nördlich der Lahn verbarrikadiert. Drei Monate lang saßen ihnen 41 000 Mann der alliierten Streitkräfte von Hessen, Hannoveranern und Engländern auf der Pelle. Im Winter schließlich zogen die Franzosen kampflos ab.

In einer fünfeckigen Schanze verbarrikadierten sich die französischen Soldaten. Die Erdwälle sind noch heute intakt. Repro: Nissen

Es sind nur wenige Meter auf der anderen Seite des Weges, bis wir den Königsstuhl erreichen – die zerklüftete Kuppe eines Basalthügels. Man fand hier mehr als 3000 Jahre alte Urnengräber. Der Hügel soll eine Gerichtsstätte und ein Vorposten der keltischen Burg auf dem Dünsberg gewesen sein. Später wurde der Königsstuhl zum simplen Steinbruch. Nun ist er von Wald überwachsen und bewahrt sein Flair als naturnaher Lost Place.

Ein basaltisches Gipfelein im Walde: der Königsstuhl. Foto: Nissen

Vom 384 Meter hoch liegenden Königsstuhl geht es auf recht steilem Waldpfad nur noch bergab. Es lichtet sich, wir überqueren den Schwalbenbach und die von Waldgirmes nordwärts nach Biebertal führende Landstraße. Noch hundert Meter auf der anderen Seite bachaufwärts, dann scharf links in den nächsten Wald hinein und südwärts auf den Meizebach zu.

Zum Schluss in die Mühle

An dessen Ufer steht zwischen Streuobstwiesen und Pferdekoppeln die finale Raststation.

Auch in der Haustädter Mühle kann man Interessantes lernen. Foto: Nissen

Die Haustädter Mühle ist eine bodenständige Gaststätte mit regionaler Küche. Geöffnet dienstags bis samstags von 17 bis 22, sonntags nur von 11 bis 13 Uhr. Von hier aus ist der Startpunkt der Wanderung am goldenen Reiter binnen zehn Minuten zu erreichen.

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