Rechenzentrum Gießen

Gegner rufen zu Protest auf

Gegen das geplante Rechenzentrum im Westen der Stadt Gießen regt sich Widerstand. Enorme Strommengen werden verbraucht und der Klimawandel wird beschleunigt, kritisieren die Gegner und rufen zu einer Protestversammlung auf dem Baugelände am Sonntag, 13. September 2026, auf.

Stromfresser beschleunigt Klimawandel

Die Firma Revikon will auf einem 17 Hektar großen Areal am Gießener Ring im Westen der Universitätsstadt ein Datencenter mit Hochleistungsrechnern mit einer geplanten Leistung von 65 Megawatt errichten. In der jüngsten Sitzung des Stadtparlamentes haben CDU, SPD und Grüne dem Bebauungsplan „Katzenfeld“ zugestimmt und damit den Weg für das Großprojekt frei gemacht.

Der Stromfresser soll neben einem Umspannwerk errichtet werden. Das Rechenzentrum verbrauche mehr als die gesamte Stadt Gießen im Jahr 2025 verbraucht habe, nämlich durchschnittlich 52 Megawatt, führen die Kritiker an. Angesichts der Klimakrise sei Stromsparen angesagt und nicht neue Riesenverbraucher zu schaffen. Gießen wolle bis 2035 klimaneutral werden. So werde das nicht klappen.

Werde der Strom knapp, konkurriere das Rechenzentrum mit anderen Verbrauchern wie Privathaushalten oder Krankenhäusern. Dabei sitze es näher an der Quelle, nämlich dem Umspannwerk.

Enorme Abwärme

Die Server des Rechenzentrums produzieren eine enorme Abwärme. Es „droht eine Überhitzung der durch den Klimawandel sowieso schon zu heißen Weststadt und der Lahnaue“, schreiben die Kritiker in einem Flugblatt. 17 Hektar Fläche würden durch das Rechenzentrum versiegelt. Dabei habe die Stadt schon von der deutschen Umwelthilfe die rote Karte gezeigt bekommen, weil in den vergangenen drei Jahren über 100.000 Quadratmeter Fläche neu versiegelt wurden.

Mit Arbeitsplätzen und Gewerbesteuer sei durch das Rechenzentrum nicht zu rechnen. Dass sich IT-Firmen im Umfeld des Rechenzentrums ansiedeln, sei technisch Unsinn, da über das Internet von fast überall her auf die Rechner zugegriffen werden könne. Zur Gewerbesteuer führen die Kritiker an, dass in Frankfurt Rechenzentren 20 Prozent des städtischen Stroms verbrauchen, aber nur ein Prozent zur Gewerbesteuer beitragen.

Das Baugebiet für das Rechenzentrum. (Bildquelle: Flugblatt der Gegner des Rechenzentrums)
Massive Belastung

In der Bauphase komme es zu einer massiven Belastung, weil zum Hochwasserschutz unter dem Gebäude vier Meter aufgeschüttet werden sollen. „Das Rechenzentrum wäre dann eine Insel während die gesamte Weststadt längst unter Wasser steht“, merken die Kritiker an. Um die Insel aufzuschütten, müssten bis zu 100 Lastwagen täglich hin und zurück fahren, 20.000 Fahrten seien es insgesamt.

Das Begegnungsfest der Gegner des Rechenzentrums ist am Sonntag, 13. September 2026, ab 15 Uhr auf dem Baugelände an der Krofdorfer Straße Ecke Weilburger Grenze

Titelbild: Visualisierung des Rechenzentrums mit Block von Nordosten (rechts: Gleiberg), Feldmann Architekten, 2025. (Bildquelle: Flugblatt der Gegner des Rechenzentrums)

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