Lieber E-Autos als KI

Sauberen Strom fürs Klima reservieren

Von Dietrich Jörn Weder

Klima-neutrale Elektrizität ist die Goldwährung im Kampf gegen die Erderwärmung. Und es droht die Gefahr, dass die Künstliche Intelligenz mit ihren stromfressenden Rechenzentren diesen kostbaren Stoff großenteils für sich vereinnahmt.

Besser klimaschonend Auto fahren

Es sollen in Deutschland, wie berichtet wird, noch rund einhundert große Rechenzentren gebaut werden, darunter 24 ganz große, so genannte Hyperscaler. Allein die Letzteren würden soviel Strom verschlingen, dass sich damit ein Bundesland wie Sachsen-Anhalt mit seinen zwei Millionen Einwohnern zur Gänze versorgen ließe.

Schon 2030, also in wenigen Jahren, würde dann die für Digitaldienste nötige Rechenmaschinerie mit voraussichtlich 35 Terrawattstunden so viel Elektrizität beanspruchen, dass sich damit rund zwölfeinhalb Millionen PKW elektrisch, also klimaschonend, bewegen ließen, immerhin ein Viertel unserer Autoflotte.

Platz für viele neue Rotortürme gesucht!

Das Energie-Effizienz-Gesetz schreibt seit Anfang 2024 vor, dass neue Rechenzentren zur Hälfte mit erneuerbarer Energie zu betreiben sind. Einige große Betreiber wie Google Deutschland wollen dies bis 2030 sogar gänzlich klimaneutral besorgen. Aber wo um Himmels willen soll denn so viel zusätzlicher Wind- oder Solarstrom herkommen?

Allein für die geplanten neuen Rechenzentren müssten rund 3.500 Windkraftanlagen bisheriger mittlerer Größe oder anderthalbtausend neue ganz große Rotortürme zusätzlich errichtet werden. Sie kämen zu den bereits laufenden 31.000 Strommühlen hinzu. Wer würde ihnen in Deutschland Platz bieten, wo doch die AfD sogar bestehende Flügeltürme abreißen möchte?

Rares Wasser für die Kühlung der Computer

Die Betonklötze der Rechenzentren werden in unserem doch beengten Land erheblichen Raum einnehmen. Zudem brauchen die Computerscheunen meist Wasser für ihre Kühlung. Und Wasser ist in diesem Sommer plötzlich auch zu einer knappen Ressource geworden, mit der man künftig sorgsamer wirtschaften muss. Wo bleibt eigentlich der Aufschrei von Umweltschützern gegen die absehbaren Ökoschäden der wuchernden Digitalisierung?

US-Geldmühle KI

Jedes neue mit kohlenstoff-freiem Strom betriebene E-Auto ist ein Gewinn fürs Klima und letzten Endes auch für die deutsche Volkswirtschaft. Ob aus KI ein vergleichbarer Nutzen für das Gemeinwohl resultiert, ist höchst ungewiss. Die KI-Modellierer schüren die Hoffnung, dass sich mit ihrer Hilfe auch ganz neue , bislang ungeahnt originelle Lösungen zur Eindämmung des Klimawandels finden lassen. Im besten Fall freilich brauchen auch die ihre Zeit, bis sie anwendbar sind.

Ganz gewiss aber wollen die US-Tech-Milliardäre mit bezahlter KI-Nachfrage ihre bereits astronomischen Gewinne möglichst schnell vermehren. Um die Erderwärmung hier und heute zu bremsen, für diese vordringliche Aufgabe, würde gesunder Menschenverstand reichen, den freilich nicht alle mit uns teilen.

(Neben eigenen Berechnungen hat der Autor sich einige Fragen vom europäischen KI-Dienst Mistral beantworten lassen.)

Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. Wachposten

Titelbild: Ein Elektroauto an einer Ladestation. (Bildquelle: Wikipedia/Von Peter Kersten – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=99650064)

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