Bad Vilbel

Möbelhaus Porta wird zur Großbaustelle

Von Klaus Nissen

Der geplante Abriss und die Neugestaltung des Möbelhauses Porta in Dortelweil, dem nördlichsten Stadtteil von Bad Vilbel, bekommt politischen Rückenwind. Einstimmig gaben die neun Ortsbeiräte Ende August 2026 ihren Segen für das Großprojekt. Im September wird das Stadtparlament von Bad Vilbel voraussichtlich nachziehen. Bürgermeister Sebasian Wysocki schwärmte: „Das ist eine tolle Entwicklung für Dortelweil.“ Die künftige Geschäftszentrum schräg gegenüber dem Rathaus stärke die Mittelpunktfunktion Bad Vilbels.

Neues Möbelhaus für Bad Vilbel

Wenn am 18. September 2026 ab 18 Uhr im Kurhaus auch die Stadtverordneten zustimmen, wird ein Bebauungsplan aufgestellt. Danach kann kann die Möbelhauskette Porta einen Bauantrag stellen. Deren Chef-Projektentwickler Jörg Husemann hält es für möglich, dass die neuen Fachmärkte noch in diesem Jahrzehnt entstehen.

Das Möbelhaus Porta vom Willi-Brandt-Kreisel aus gesehen. Der Neubau soll als langer Riegel weiter weg von der Friedberger Straße entstehen. Die Zufahrt erfolgt vom Kreisverkehr aus. Foto:: Nissen

Es geht um viel Geld. Das Kölner Konsumforscher-Büro gma hält für das neue Möbelhaus einen Jahresumsatz von rund 30 Millionen Euro für realistisch. Der nebenan entstehende Lebensmitteldiscounter könne auf 800 Quadratmetern 7,2 Millionen umsetzen. Insgesamt sollen die Kunden im neuen Zentrum jährlich 38 bis 44 Millionen Euro ausgeben.

Das „Wohnparadies“ entstand 1988

Konrad Sagemüller eröffnete sein „Wohnparadies“ im Jahr 1988 an der Friedberger Straße. Als er sich zur Ruhe setzte, übernahm 2003 die Möbelhauskette Porta aus Porta Westfalica das fünf Hektar große Gelände, die 130-köpfige Belegschaft und das Möbelhaus mit dem zentralen Atrium und gläsernem Aufzug.

Ende 2024 wurde bekannt, dass die die Familien Gärtner und Fahrenkamp ihre Porta-Kette an den österreichischen Konkurrenten XXL Lutz verkaufen wollen. Dieser Deal ist bislang nicht vollzogen, so Jörg Husemann. Er werde noch kartellrechtlich geprüft.

Die Skizze im Bebauungsplanentwurf für den Weitzesgrund zeigt, wo die neuen Geschäfte und die Auto-Stellplätze künftig auf dem Fünf-Hektar Grundstück angeordnet sind. Repro: Nissen

Recht detailliert sind die Ideen für eine bessere Ausnutzung des riesigen Grundstücks. Die Vertreter von acht Planungsbüros berichteten vor dem Ortsbeirat und acht Zuschauern: Alles wird zunächst abgerissen. Das Möbelhaus, das Warenlager dahinter mit den darüber liegenden Wohnungen, der Pflanzenmarkt Kitzinger, ein von Efeu überwachsenes Wohnhaus und die Baracke am Parkplatz. Nur die Bäume und Büsche an der Eibenstraße bleiben stehen, versicherte Husemann auf die besorgte Frage einer Anwohnerin.

Langer Gebäuderiegel und seitlich weitere Läden

Anschließend entsteht das Möbelhaus neu – als bis zu 200 Meter langer und maximal 18 Meter hoher Riegel. Er wird nach hinten an die Eibenstraße gerückt. Im rechten Winkel dazu wollen die Investoren an der südlichen Grundstücksgrenze entlang der Hohemarkstraße Wand an Wand mehrere große Läden errichten. Angedacht, aber noch ohne Verträge sind ein Fahrradmarkt, ein Lebensmittel-Discounter, ein Neubau für Blumen-Kitzinger, ein Geschäft für Kleintierbedarf.

Als separater Neubau ist in der Nordwestecke am Willi-Brandt-Kreisel ein Gastronomie-Gebäude geplant. Man denke an eine Systemgastronomie wie etwa Osteria, so Projektleiter Husemann. Wer dort Wirt wird, stehe noch nicht fest. Angedacht ist auch die Ansiedlung der dänischen Mitnahmemöbel-Kette Jysk – früher als „Dänisches Bettenlager“ bekannt.

Stellplätze für Autos werden breiter

Die Autos der Besucher sollen breitere Stellplätze bekommen als bisher. Sie werden entlang der Berliner Straße angeordnet und fassen bis zu 327 Autos und 119 Fahrräder. Das sind mehr als jetzt, aber weniger, als die Vilbeler Stellplatzsatzung vorschreibt.

Die Zufahrt soll vom Kreisverkehr erfolgen; die bisherige Porta-Zufahrt weiter südlich bleibt dem Lieferverkehr vorbehalten. Pro 200 Quadratmeter Parkplatz will man einen großen Baum pflanzen – schon deshalb wird es keine Tiefgarage geben. Das Möbelhaus bekommt ein begrüntes und mit Solaranlage bestücktes Flachdach und Fassadenbegrünung. Eine 980 Kubikmeter fassende Zisterne soll das Regenwasser auch bei einem 20-Jahres-Unwetter auffangen können.

Mehr Verkehr auf der Friedberger Straße

Das neue Geschäftszentrum bringt der Friedberger Straße täglich knapp 2000 zusätzliche Autofahrten, schätzt der Verkehrsplaner Klaus Behrendt. Momentan zähle man 10 500 Fahrten auf der ehemaligen Bundesstraße 3. Der Ziel- und Quellverkehr über den Brandt-Kreisel zum Porta-Gelände wird auf je 1600 Fahrten täglich geschätzt. Bisher steuern 350 Autos das Möbelhaus an. All das sei verkraftbar und führe wohl nicht zu Staus, versicherte Behrendt auf Nachfragen von Ortsbeirats-Mitgliedern.

Die neuen Läden werden den Geschäften der Innenstadt und des Umlandes nicht den Garaus machen, prophezeite die Konsumforscherin Monika Kollmar aus Köln. Im Gegenteil: „Sie werten den Standort Bad Vilbel wirklich auf. Der Edeka im Brunnencenter gegenüber „wird sicher etwas merken“, aber meist sei die Kombination eines Vollsortimenters mit einem Discounter vorteilhaft.

Fast zwei Hektar Verkaufsfläche

Das jetzige Möbelhaus hat 18 800 Quadratmeter Verkaufsfläche – sie soll im Nachfolgebau auf 17 000 Quadratmeter schrumpfen. Davon bleiben etwa 2000 Quadratmeter für die wichtige Kleinartikel-Abteilung am Kassenbereich erhalten.

In Zeiten des Klimawandels ist auch der Trinkwasserbedarf wichtig. Das neue Geschäftszentrum wird etwa 3000 Kubikmeter pro Jahr verbrauchen, schätzen die Planer. In der mehr als 300 Seiten dicken Planungsskizze steht auch, dass die hier gesichteten Vögel, der Große Abendsegler und die Zwergfledermaus weiter leben können.

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