Der Name der Rose

Jubiläum im Kloster Eberbach

Von Elfriede Maresch

Das Kloster Eberbach erinnert an das 40. Jubiläum des Films “Der Name der Rose“, der 1986 in die Kinos gekommen ist. Gefeiert wird aus gutem Grund: „Dieser Film hat in den vergangenen vier Jahrzehnten Hunderttausende von Besuchern nach Eberbach gebracht, weit über kunstgeschichtlich Interessierte hinaus“, sagt Julius Wagner, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Kloster Eberbach. Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Jean-Jacques Annaud hatte das historische Zisterzienserkloster als Drehort der Innenraum-Szenen gewählt.

Eisiger Drehwinter

So wird das Filmjubiläum mit cineastischen, touristischen, gastronomischen und musikalischen Elementen gefeiert. Bei der Ausstellungseröffnung erinnerte das Dormitorium, ausgestattet mit historischen Schreibpulten, an das Skriptorium, eines der zentralen Räume in Buch und Film. Das Dormitorium erwies sich als groß genug auch für eine Ausstellung mit Requisiten und Originalfotografien des Drehs von Hans D. Baumann. Die Bilder aus dem eisigen Drehwinter 1985 zeigen Schneeballschlachten in den Drehpausen, geben Einblick in die Kunst der Maskenbildner: in einer Bildserie wird der Darsteller Ron Perlman in den pockennarbigen Laienbruder Salvatore verwandelt, halb geschundene Kreatur, halb Träger eines dunklen Geheimnisses. Zwei Zeitzeugen der Dreharbeiten kamen zu Wort: Andreas Scholl, ein Komparse im Chorgesang der Mönche und Jürgen Bruhn, der als Fahrer manche der illustren Darsteller durch den Rheingau chauffierte.

300 Interessierte kamen zum Konzert mit mittelalterlicher Musik und dem Soundtrack des Films. (Fotos: Elfriede Maresch)

Das Weingut Kloster Eberbach hat als speziellen Jubiläumswein einen 2023-er Cabernet Sauvignon trocken Kloster Réserve in limitierter Version herausgebracht. Das Etikett „Nomen Rosae“ mit dem unheimlichen Mönchsbild stammt vom Rheingauer Künstler Michael Apitz, der sich intensiv mit dem Buch befasst hatte. Wagner beschrieb den Wein als „passend zum Filmgenuss“ und konnte noch auf eine kleine Sensation hinweisen. Die „Verbotene Tür“, in Buch und Film der streng geschützte Eingang in die Tabu-Zone Bibliothek, ist jetzt zum ersten Mal geöffnet. Die Neugier auf das Geheimnis dahinter zog die Besucher ebenso magnetisch an wie die Führungen in der Konzertpause. Dort gab es die Gelegenheit, den Kapitelsaal als Ort der entscheidenden Gerichtsverhandlung, den Weinkeller und die Wege durch das Kloster zu sehen.

Der Künstler Michael Apitz schuf das Logo des Jubiläums, auch auf dem Weinetiketten zu finden

Jubiläumskonzert

300 Gäste schauten in der Kirche fasziniert auf die historischen Klangkörper, die Pfarrer und Kirchenmusiker Kurt Walter Racky aus dem Musikinstrumentenmuseum Lißberg (Oberhessen) mitgebracht hatte. Racky leitete das Jubiläumskonzert und hatte das Motto „Zwischen Himmel und Hölle“ gewählt. Die Angst vor der ewigen Verdammnis überschattet bei den Mönchen der Handlung sogar die Neugier auf ein geheimnisvolles Buch. Racky konnte vier Abschnitte des Soundtracks in besonders authentischer Weise wiedergeben. Der Filmkomponist James Horner hatte sich vom Gründer des Musikinstrumentenmuseums, Kurt Reichmann, ein extra für den Film entwickeltes Instrument von eigenartig sphärischem Klang bauen lassen: das Nürnbergisch Geigenwerck, von mittelalterlichen Vorbildern inspiriert. Um die Filmhandlung suggestiv zu untermalen, hatte Horner Reichmanns Klangsequenzen für den Film gesampelt. Racky hatte dieses Instrument aus der Werkstatt von Reichmann mitgebracht und spielte zu Beginn und Schluss der beiden Konzertteile variierte Abschnitte des Soundtracks, darunter die Melodie des Mädchens. Weitere mittelalterliche Kompositionen brachten der Lißberger Kammerchor und das Bonifatiusensemble, ebenfalls von Racky geleitet.

Sphärische Klänge lockte der Pfarrer und Kirchenmusiker Kurt Walter Racky am Nürnbergisch Geigenwerck hervor

Auf den Punkt brachte es später beim Rundgang eine Gästeführerin: „Die Mönche haben auch die Kirche als Klangkörper gebaut“. Tatsächlich bracht der Schall sieben Sekunden, um durch den riesigen Kirchenraum zu klingen – eine gewünschte und erreichte Art des Nachhalls. Der Lißberger Singkreis, von Racky über Jahrzehnte aufgebaut, ist ein Ensemble mit überzeugender Erfahrung im Vortrag mittelalterlicher Vokalmusik. Das Bonifatius Ensemble, solistisch besetzt mit Katharina Jost, Martina spies-Gehrig und Gabi Torp-Biladama, spielte kostbaren historischen Instrumenten des Museums. So wurde eine Psalmodie aus dem Graduale Romanum von zwei Musizierenden auf dem Organistrum, dem geistlichen Vorgänger der Drehleier, begleitet. Eine Ductia folgte, ein anmutiger mittelalterlicher Tanz, auf einer welteinmaligen Sinfonia gespielt. Aus diesem Instrument entwickelte sich später die Drehleier. Einer fünfstimmigen Palestrina-Motette folgten Beispiele früher Mehrstimmigkeit. So „Tant con je vivrais“, ein Liebesgesang von Adam de la Halle mit Organistrumbegleitung und gesungen von Katharina Jost, Gabi Torp-Biladama und Kurt Racky, dann die achtstimmige Motette „Zwei der Seraphim, sie riefen“ von Jakobus Gallus aus der frühen Renaissance. Mentalitätsgeschichte im Konzert: Bis in die Reformationszeit und länger reichte die Angst vor der ewigen Verdammnis, die sich in Michael Praetorius´ achtstimmiger Motette „Gott, der Vater, steh uns bei“ spiegelte. Der erste Teil schloss nach einem weiteren Soundtrack-Abschnitt mit dem sehnsüchtigen sechsstimmigen Spiritual „Deep river“.

Die Begegnung mit der Klangwelt des Mittelalters und des Films wurde vom Publikum mit langem Applaus bedacht.

Auch der zweite Konzertteil brachte herausragende mittelalterliche Klang-Überraschungen: als älteste Komposition eine Ostersequenz des Wipo von Burgund um das Jahr 1000, dann eine Introitus-Psalmodie im Wechsel von Katharina Josts Sopran, Rackys Bassstimme und dem sechsstimmigen Chor, einen mit der großen Sinfonia begleiteten Tanz, Troubadour-Gesang mit instrumental umspielter Melodie, gefolgt von der Vulpius-Motette „Jesaja, dem Propheten, das geschah“, der Vertonung einer Vision des Propheten Jesaja, die auch im Sanctus der Messe aufgegriffen wird. Achtstimmig folgte dieser liturgische Abschnitt im Sanctus in einer romantisch geprägten Komposition von Joseph Gabriel Rheinberger. Mit dem Spiritual „Soon a will be done“ in einem leisen Klangteppich schloss das Konzert. Ein Moment der Stille – dann folgte langer Applaus für diese Begegnung mit der Klangwelt des Mittelalters und des Films.

Jubiläumsprogramm

Ein rundes Programm für 40 Jahre „Name der Rose“: Den Jubiläumswein „Nomen Rosae“ mit dem Etikett von Michael Apitz in limitierter Version gibt es in der Vinothek und im Onlineshop des Klosters. Die Fotoausstellung von ikonischen Filmszenen, vom Set und von Erinnerungen von Beteiligten, noch ergänzt durch Requisiten, wird im Dormitorium gezeigt. Sie ist Teil des regulären Klosterrundgangs, im Eintrittspreis enthalten und wird bis um Frühjahr 2027 gezeigt. Es gibt noch einige Restkarten für die Filmnächte am 3. und 4. Oktober, wo der Film in der Basilika auf Großleinwand gezeigt wird. Information gibt es per Mail stiftung@kloster-eberbach.de und telefonisch 06723-9178100

Titelbild: „Zwischen Himmel und Hölle“: Kurt Walter Racky dirigierte den Lißberger Singkreis

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