Straßenbahn

Tram-Träume in Bad Vilbel

Von Klaus Nissen

Kommen die Bad Vilbeler dereinst auch mit der Straßenbahn nach Frankfurt? Oder soll nicht besser der 30er-Bus schneller und öfter an den Main fahren? Darüber stritten am 19. Juli 2022 die Stadtverordneten in Bad Vilbel. An Ende wurde klar, in welche Richtung die Fahrt geht.

Straßenbahn hat mächtige Gegner

Eine Straßenbahn ist in Bad Vilbel nicht erwünscht. Die Koalition aus CDU und SPD stimmte am 19. Juli 2022 im Stadtparlament mit Unterstützung der FDP und der AfD gegen eine Machbarkeitsstudie. Die sollte Details der gemeinsamen Linie von Frankfurt und Bad Vilbel klären. Die Grünen plädierten vehement für den Bau der Linie, fanden aber keine Mehrheit. Wie es nun weitergehen soll, wollen sie öffentlich gemeinsam mit interessierten Bad Vilbelern am Donnerstag, 21. Juli ab 20 Uhr im Haus der Begegnung am Marktplatz beraten.

Die Frankfurter Straße in Bad Vilbel bietet den Autos viel Platz. Christ- und Sozialdemokraten finden es unzumutbar, dass die Automobilisten die Trasse mit einer Straßenbahn teilen müssten. Foto: Nissen. Titelfoto einer Berliner Straßenbahn: Kurt Rasmussen

Die Machbarkeitsstudie wert? hätte die Quellenstadt ungefähr 150 000 Euro gekostet. Schon in der Bürgerversammlung am 12. Mai 2022 stand das Straßenbahn-Projekt zur Debatte. Zuvor hatte eine „Potenzialanalyse“ ergeben, dass eine Tramlinie von Frankfurt über den Heilsberg und die Kasseler Straße und die Homburger Straße in den künftigen Quellenpark am Nordrand der Bad Vilbeler Innenstadt wirtschaftlich wäre. Die öffentliche Meinung war dazu in der Bürgerversammlung aber nicht eindeutig genug, meint der parteilose Stadtverordnete Michael Wolf. In dieser wichtigen Zukunftsfrage müsse aber die ganze Bevölkerung mitreden können. Deshalb beantragte er – allerdings erfolglos – einen Bürgerentscheid über Sein oder Nichtsein der zweiten Schienenverbindung mit Frankfurt östlich der S-Bahnlinie S6.

Machbarkeitsstudie nicht erwünscht

Die regierende Koalition aus Christ- und Sozialdemokraten hatte sich schon im Juni 2022 gegen die Straßenbahn ausgesprochen. Die Tramlinie hätte zu viele Nachteile, argumentierten Irene Utter für die CDU und Carsten Hauer für die SPD später im Haupt- und Finanzausschuss. Es sei einfach zu eng für ein eigenes Gleisbett entlang der Frankfurter und der Kasseler Straße, so Utter. Hundert Straßenbäume, diverse Radwege und Auto-Stellplätze müsste man für die Tram opfern – die in den Stoßzeiten zudem gemeinsam mit den Autos im Stau stehen würde.

„Bus billiger als Tram“

Die im Vergleich zur S-Bahn kürzere Tramroute nach Frankfurt bringe trotzdem kaum Zeitersparnis. Sämtliche Kreisverkehre auf der Nord-Süd-Strecke müsste man zurückbauen und den Verkehrsfluss mit sieben zusätzlichen Ampeln aufhalten. Zudem bekäme der Quellenpark eine hässliche Endhaltestelle. Und keiner könne garantieren, dass dort einmal wirklich 8000 neue Arbeitsplätze für Pendler entstehen, die dann die Straßenbahn nutzen sollen.

Dann noch die Kosten. Den 30er-Bus bezuschusst die Stadt laut Irene Utter mit 53 000 Euro im Jahr. Die Tram würde dagegen satte 560 000 Euro an Betriebskosten produzieren. Man sollte also auf den Busverkehr setzen, beantragten CDU und SPD. Schneller und in kürzeren Takten sollen die Busse zwischen Vilbel und Frankfurt verkehren. Man brauche zusätzliche Busspuren im Stadtgebiet und auf der B521. Die Busse sollten auf CO2-neutrale Antriebsarten umgestellt werden. Erreichen will die Koalition dies in Gesprächen mit dem Wetteraukreis und der Stadt Frankfurt.

Wiesbadener wollten keine Citybahn

In Deutschland sind neue Straßenbahnnetze bis 2020 neue Netze laut Wikipedia in Oberhausen, Saarbrücken, Heilbronn, Kehl und Weil am Rhein entstanden. Zudem wurden vielerorts bestehende Netze erweitert, beispielsweise in Karlsruhe, Bremen, Mainz und Freiburg. In Lübeck kämpft ein Verein für den Bau eines Straßenbahnetzes. In Wiesbaden hatten die Einwohner 2020 per Bürgerentscheide eine Citybahn abgelehnt.

In Bad Vilbel will die Parlamentsmehrheit neben der S-Bahnlinie 6 einen verbesserten Busverkehr in Richtung Frankfurt einsetzen. Die Bürger sollen auch Ideen für Verbesserungen des innerstädtischen Busverkehrs beisteuern, heißt es im Antrag der schwarz-rotenKoalition. Auf einer noch zu schaffenden Online-Plattform sollen sie Tipps geben, die man dann in der nichtöffentlich tagenden Verkehrskommission bewerten will.

Doch am Ende setzte sich die Bus-Fraktion durch. Das Stadtparlament hat das Straßenbahn-Projekt nun beerdigt.

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