Sprudelhof

Appell zu Sprudelhof: „Fakten abwarten“

Therme und Sprudelhof waren Themen der Bürgerversammlung am Donnerstag in der Bad Nauheimer Trinkkuranlage. Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) appellierte dabei an etwa 200 Zuhörer, dem städtebaulichen Gesamtkonzept eine Chance zu geben. Er biete einen Bürgerentscheid an, sagte er. Allerdings bitte er um so viel Fairness, die Ergebnisse des Architekten-Wettbewerbs mit Visualisierung abzuwarten. Mehrere Bürger meldeten sich nach seiner Rede kritisch zu Wort (siehe weiterer Artikel).

Der Sprudelhof bewegt die Bürger, hier Rathauschef Klaus Kreß. Hinter ihm der Fraktionsvorsitzender CDU, Manfred Jordis. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Der Sprudelhof bewegt die Bürger, hier Rathauschef Klaus Kreß. Hinter ihm der Fraktionsvorsitzender CDU, Manfred Jordis. (Bild: Petra Ihm-Fahle)

Wie Rathauschef Kreß erklärte, wolle er nicht nur wie angekündigt über die Therme, sondern auch über den Sprudelhof reden. Er blickte auf die Schließung des Sole-Schwimmbads und die Zeit danach zurück: „Nichts hat sich bewegt.“ Dann allerdings habe die Stadt einen Gordischen Knoten durchschlagen – wegen ihres Bekenntnisses zu einem Gesamtkonzept. Dies habe auch das Land seit Jahren gefordert, unter anderem wegen der Parkplatz-Situation. „Zu Recht“, fügte Kreß hinzu.

Dank an Hölzinger und Patscha

Er dankte dem Bad Nauheimer Architekten Johannes P. Hölzinger und dem städtischen Chefplaner Jürgen Patscha. Beide hätten ein Konzept entwickelt, das einen Zeitplan für den Neubau einer Therme überhaupt erst ermögliche. Bad Nauheim brauche das Thermalbad dringend, betonte der Bürgermeister. Hätte sich die Stadt aber geweigert, ein städtebauliches Konzept vorzulegen und dies nicht als Chance zu werten, „wären wir heute Abend schnell fertig. Dann könnten wir nämlich überhaupt nichts präsentieren.“ Obgleich es den Fahrplan nun gibt, könne er nicht sagen, wie das Ganze eines Tages aussehe und wie wirtschaftlich es am Ende sei.

Das Hölzinger-Modell will ein Gesamtkonzept für den Sprudelhof realisieren. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Das Hölzinger-Modell will ein Gesamtkonzept für den Sprudelhof realisieren. (Bild: Petra Ihm-Fahle)

Keine Mauer um Sprudelhof

„Aber niemand hat vor, eine Mauer mit Schießscharten um den Sprudelhof zu bauen“, betonte er. Für die Generalplanung und Betriebsführung habe die Stadt Top-Fachleute gewonnen. Beide hätten bereits angefangen, „wir haben den Fuß aufs Gas gelegt“. Denn es habe genug Sitzungen und Arbeitskreise gegeben, konstatierte Kreß. Im Februar 2019 stehe der Vorentwurf des B-Plans für Therme und Hotel. Im Mai dann seien die Abrissarbeiten spätestens fertig. Der Neubau sei der richtige Weg – die Therme sei nicht zu sanieren gewesen. Denn allein die Schadstoffsanierung koste die Stadt 1,1 Millionen Euro. Ebenfalls im Mai solle der B-Plan-Entwurf für Therme und Hotel stehen. Im Juli stelle die Stadt den Entwurf vor, und das Parlament werde darüber beschließen.

190 000 Euro für Wettbewerb

Kreß versicherte, dass keinesfalls in „Nacht- und Nebelaktionen Bagger anrücken und Mauern errichten“. In einem Jahr stelle die Stadt den Bauantrag, initiiere parallel einen Wettbewerb für Architekten und Investoren zur Wohnbebauung der Ludwigstraße. Dafür seien 190 000 Euro eingeplant. „Ziel ist es, den Bürgern zu zeigen, wie eine Bebauung aussehen könnte.“ Dies müsse professionell laufen und bedürfe deshalb auch einer Vorbereitungszeit, damit sich nicht falsche Bilder in die Köpfe einbrennen – auch wenn er den Wunsch verstehe, früher eine Visualisierung zu sehen. „Anschließend kann die Stadtverordnetenversammlung im Oktober 2019 über die Satzung für Therme und Hotel abstimmen.“

Vorschlag Bürgerentscheid

Für den Sprudelhof plane die Kommune aber auch die Spielstätte im Behälterraum zwischen den Badehäusern 3 und 4, sagte Kreß. Wie dies genau aussehen soll, werde ebenfalls im Oktober 2019 vorgestellt. Im November desselben Jahres rechne die Stadt mit den Ergebnissen des Wettbewerbs zur Wohnbebauung, über die das Parlament Ende des Jahres beschließen werde. Falls die Stadtverordneten mehrheitlich der Gestaltung und Wirtschaftlichkeit zustimmten, schlage er einen Bürgerentscheid vor. Kreß räumte ein, dies mit den Fraktionen im Vorfeld nicht abgestimmt zu haben. Zweidrittel des Parlaments müssten Ja zu dem Bürgerentscheid sagen – oder wenn die Einwohner innerhalb von acht Wochen ausreichend viele Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammelten. Er bekräftigte nochmals: Das Gesamtkonzept sei die einzige Chance gewesen, zeitnah eine Therme wiedereröffnen zu können.

Die Bürger stellen kritische Fragen, hier der Sprecher der BI, die sich das Motto "Rettet den Sprudelhof" auf die Fahnen schreibt: Dr. Eric Meyer. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Die Bürger stellen kritische Fragen, hier der Sprecher der BI, die sich das Motto „Rettet den Sprudelhof“ auf die Fahnen schreibt: Dr. Eric Meyer. (Bild: Petra Ihm-Fahle)

Erst wenn belastbare Infos und Beschlüsse vorlägen, hob Kreß hervor, sehe er die Zeit für eine ehrliche gemeinsame Diskussion mit Pro und Contra gekommen – basierend auf Fakten. Im Januar 2020 solle der Bau der Therme starten, parallel dazu der Bürgerentscheid vorbereitet werden, „und im Dezember 2021 wollen wir die neue Therme eröffnen“. Im anschließenden Frageteil erntete Kreß allerdings den Gegenwind kritischer Bürger (siehe weiteren Artikel).

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