Röntgen

Kunstwerke durchleuchtet

Das Oberhessischen Museum am Brandplatz in Gießen widmet sich einer besonderen Technik, die nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Kunstrestaurierung eine Rolle spielt. Zum 125-jährigen Jubiläum der Entdeckung der Röntgenstrahlen (2020) präsentiert das Museum zwei Porträts der Familie Kempff in der Kabinettausstellung „Kunst durchleuchten. Die Entdeckung der Röntgenstrahlen und die Trautschold-Bilder“.

Bei den beiden Damenporträts handelt es sich um zwei von fünf Gemälden, die Elke Köttschau im September 2019 dem Oberhessischen Museum aus ihrem Familienbesitz übergab. In Vorbereitung auf eine Restaurierung wurden sie im Städel Museum in Frankfurt geröntgt und analysiert. Die Röntgentechnik spielt eine wichtige Rolle, um eine präzise Aussage über den Zustand eines Kunstwerkes zu treffen, wird von der Pressestelle der Stadt Gießen erläutert.

Der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen war von 1879 bis 1888 ordentlicher Professor an der Universität in Gießen. Alle kennen heute die revolutionäre Entdeckung der Röntgenstrahlen aus dem Jahr 1895, für die Röntgen den ersten Nobelpreis für Physik erhielt und mit der er vor allem die medizinische Diagnostik veränderte. 

Bis zum  9. Januar 2022 ist die Ausstellung im Alten Schloss zu sehen. (Foto: Jörg-Peter Schmidt)

Hilfe in der Museumsforschung

In der Museumsforschung dienen die Röntgenstrahlen der Analyse von Objekten aus unterschiedlichen Sammlungsbeständen. Anhand der Röntgenaufnahmen können beispielsweise Gemälde auf Echtheit, Übermalungen, Schäden oder ältere Restaurierungen überprüft werden. Da bestimmte Geräte und Voraussetzungen dafür notwendig sind, kann sie nur in wenigen Museen in Deutschland angewendet werden.

Das Frankfurter Städel Museum zählt zu diesen Museen und dort wurden auch die Röntgenaufnahmen der beiden Frauenporträts des aus dem Oberhessischen Museums angefertigt. Mithilfe der Analyse sollte überprüft werden, welche Materialien verwendet wurden und ob im Laufe der Zeit eine Übermalung vorgenommen wurde. 

Was die Analyse ergab

Die Analyse ergab, dass die Gemälde weder übermalt wurden noch andere Eingriffe den Werkprozess beeinflussten. Dafür zeigte sich aber, dass die Porträts mit Bleiweiß unterlegt wurden – ein typisches Verfahren, um eine bessere Strahlkraft der Farben zu erzeugen. Außerdem ergab die Analyse, dass eine Reinigung der Gemälde sowie eine Festigung der Malschicht und der lockeren Bereiche am Rahmen notwendig waren. 

Das Röntgen-Denkmal  des Berliner Künstlers Erich Fritz Reuter in Gießen in der Südanlage. (Fotoquelle:  Wikipedia, Norbert Fust)
Öffnungszeiten der Ausstellung

Der farbliche Gesamteindruck der Malerei hatte sich durch Oberflächenverschmutzungen und die Vergilbung des Firnisses unvorteilhaft verändert. Die Farben besaßen keinerlei Leuchtkraft und Tiefe mehr, sie erschienen trüb und ohne Ausdruck. Die Ergebnisse der Restaurierung, die Röntgenaufnahmen sowie die Zwischenschritte der Restaurierung sind in der kleinen Kabinettausstellung im Oberhessischen Museum nachzuvollziehen.

 Die Öffnungszeiten sind: Di – So 10 bis 16 Uhr (bis zum 9. Januar 2022). Am Mittwoch, den 15. Dezember 2021, um 18 Uhr wird die Diplom-Restauratorin Sabine Kuypers im Alten Schloss einen Vortrag über die Restaurierung der beiden Damenporträts halten.

Titelbild: Blick in die Ausstellung unter dem Titel  „Kunst durchleuchten“ (Foto: Oberhessisches Museum / Amalka Hermann)

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