NPD

Wahlkampfreden in bewachter Halle

Mit mehreren wegen Volksverhetzung vorbestraften Spitzenfunktionären wirbt die NPD am morgigen Samstagnachmittag in der Altenstadthalle um Wählerstimmen zur Kommunalwahl. Vor der Halle will gleichzeitig ein breites Bündnis Wetterauer Organisationen vor Rassisten und Faschisten warnen.

Drinnen NPD-Chefs, draußen Protest

Die für Zuschauer nur auf Voranmeldung zugängliche Hallen-Kundgebung ist für 15 Uhr angemeldet worden. Nach Angaben des Organisators Daniel Lachmann sprechen der NPD-Bundesvorsitzende Frank Franz (beide sind auf dem Titelfoto bei einer früheren Veranstaltung zu sehen), sein Vize und Vorgänger Udo Voigt, der frühere AfD-Politiker Kay Nerstheimer und Lachmann selbst. Die Begleitmusik liefert der völkische Liedermacher Frank Rennicke. Er wurde laut Wikipedia Anfang der Nuller Jahre wegen Volksverhetzung verurteilt. 2009 kandidierte Rennicke für das Amt des Bundespräsidenten, bekam aber nur vier Stimmen aus der Bundesversammlung.

Der Wetterauer NPD-KreisvorsitzendeDaniel Lachmann bei einer Kundgebung seiner Partei in 2016 in Büdingen. Fotos: Nissen

Daniel Lachmann aus Büdingen ist Kreis- und Landesvorsitzender der NPD, er sitzt außerdem im Kreistag und im Büdinger Stadtparlament. Kurz nach der Ankunft vieler Flüchtlinge ergatterte Lachmanns Partei in Büdingen bei der Kommunalwahl 2016 nicht weniger als 10,2 Prozent der Wählerstimmen. Kreisweit bekam die NPD 2,2 Prozent. Im Wetteraukreis hat die Partei 80 bis 90 Mitglieder, sagt Lachmann. Er sitzt im Kreistag gemeinsam mit dem Rechtsextremen Stefan Jagsch, der daheim in Altenstadt für die NPD zuletzt zehn Prozent der Wählerstimmen holte. Jagsch ist Gemeindevertreter und wurde 2019 vorübergehend zum Ortsvorsteher in der Waldsiedlung gewählt.

Udo Voigt und Franz Rennicke

Seit Wochen trommeln Lachmann und Jagsch in zahlreichen Wetterauer Orten mit Infoständen und Plakaten für die NPD. Die Kundgebung am Samstag soll der Wahlkampf-Höhepunkt werden. Neben dem Bundesvorsitzenden und früheren Oberfeldwebel Frank Franz spricht auch dessen Vorgänger Udo Voigt. Der laut Wikipedia wegen Volksverhetzung vorbestrafte 68-Jährige aus Berlin-Köpenick war bis 2019 fünf Jahre lang Europa-Abgeordneter der NPD.

Der weitere Redner Kay Nerstheimer kam 2016 als direkt gewählter AfD-Kandidat ins Berliner Abgeordnetenhaus. Er ist laut Wikipedia unter anderem wegen gefährliche Körperverletzung, Betrugs, Fahrerflucht und Volksverhetzung mehrfach vorbestraft. Anfang 2020 warf ihn die AfD aus der Partei. Danach trat Nerstheimer in die NPD ein.

Das Büdinger Bündnis protestiert schon seit Jahren immer wieder gegen Kundgebungen der rechtsextremen Kleinpartei NPD – hier 2016 in Büdingen.

Unter dem Motto „NPD raus aus den Parlamenten“ demonstriert ein Bündnis aus 14 Gruppen und Einzelpersonen am Samstag ab 14 Uhr vor der Altenstadthalle. Mit Masken und Mindestabstand rufen unter anderem die Antifaschistische Bildungsinitiative, das Büdinger Bündnis für Demokratie und Vielfalt, die SPD, die Grünen, die Linkspartei und „Die Partei“ zur Aktion auf. Ihre Botschaft: „Macht die NPD in Büdingen und Altenstadt unbedeutend! Mit ihren parlamentarischen Anträgen erreicht die NPS keine Mehrheiten und bewirkt außer Provokationen nichts. Nutzen wir die historische Chance und zeigen, dass eine verfassungsfeindliche und rechtsextreme Partei im Wetteraukreis genauso abgelehnt wird wie im Rest Hessens.“ Ohne neue Mandate geht der NPD nach dem 14. März auch das Geld für weitere Politik-Aktivitäten aus, hoffen Andreas Balser von der Antifa-BI und Boris Winter vom Büdinger Bündnis.

NPD schrieb Erstwähler an

Die Antifa-BI bietet auf ihrer Webseite auch Anti-NPD-Flyer an, die Interessierte herunterladen und in die Briefkästen der Büdinger und Altenstädter stecken können. Laut Andreas Balser hat sich die NPD von den Kommunalverwaltungen die Adressen von Wetterauer Erstwählern geben lassen und die jungen Leute mit rechtsextremer Wahlwerbung angeschrieben. Balser: „Viele Briefe kamen am Jahrestag des Hanauer Terror-Anschlags bei den Erstwähler*innen an.“ Die mit Kreide auf eine Straße in der Waldsiedlung geschriebenen Namen der zwölf Terror-Opfer aus Hanau bezeichnete der NPD-Kader Stefan Jagsch als Werk „antifaschistischer Schmierfinken“ und veröffentlichte auf Facebook ein Foto, auf dem er sie eigenhändig vom Asphalt schrubbt.

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