Kulturbahnhof

Sie wollen hier die Weichen stellen

Die Tür zur ehemaligen Wartehalle und Gaststätte im Hauptbahnhof steht offen. Sonnenlicht fällt auf die alten Bodenfliesen. Kleine Gruppen von Menschen stehen im Gespräch, gehen umher. Die Bad Nauheimer FW/UWG hat eingeladen, um den Bürgern die Idee für einen Kulturbahnhof vorzustellen, den die Stadt – dies sagt jedenfalls die FW/UWG – zu einem attraktiven Preis mieten könne. Im städtischen Finanzausschuss am Donnerstag (21. 02.19, 19.30 Uhr, Rathaus, Dachgeschoss) dürfte das Thema zur Sprache kommen.

Plädieren für einen Kulturbahnhof (von links): Gudrun Roth, Markus Theis, Klaus Englert, Reiner Zinsinger und Markus Philippi.  (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Plädieren für einen Kulturbahnhof (von links): Gudrun Roth, Markus Theis, Klaus Englert, Reiner Zinsinger und Markus Philippi. (Bild: Petra Ihm-Fahle)

Denn dann steht die Errichtung eines Kulturzentrums im Badehaus 3 auf der Tagesordnung, wobei der Magistrat in seiner Vorlage auch auf den Kulturbahnhof eingeht. Den befürwortet er allerdings nicht. Die Signale der anderen Fraktionen sind ebenfalls nicht überschwänglich (siehe Bericht „Die Weichen stehen anders“).

Ressourcen nutzen

Das 16-seitige Papier der Stadtregierung fokussiert sich vielmehr auf das Badehaus 3 und den Behälterraum zwischen den Badehäusern 3 und 4. Ein inhaltliches und finanzielles Konzept soll laut Beschlussvorlage dafür entwickelt werden. Nichts deutet nach Ansicht von FW/UWG-Fraktionsvorsitzendem Markus Theis allerdings daraufhin, dass die Stadtverwaltung den Kulturbahnhof als Variante  ernsthaft geprüft hat. Auf die Idee, die ehemalige Wartehalle/Gaststätte für eine kulturelle Nutzung vorzuschlagen, kam die FW/UWG, um vorhandene Ressourcen mit historischem Kontext in der Stadt zu nutzen.

„Ausreichend Parkplätze“

„Als Ersatz für das Badehaus 2“, sagt Theis. Dort sind derzeit noch städtische Spielstätte und Theater Alte Feuerwache (TAF) angesiedelt, sollen einer Thermennutzung weichen. Für den Umbau des Badehauses 3 zum Kulturzentrum setze die Stadt seinen Worten zufolge 2,4 Millionen Euro an. Dies ist laut Theis aber eine „total grobe Schätzung“. Stattdessen, meint die Fraktion, könnte die Stadt den Bahnhof mieten, den der Eigentümer aktuell saniert. Das biete sich an, unter anderem auch, weil es dort abends ausreichend viele Parkplätze gebe.

Die Besucher verschaffen sich einen Eindruck von dem Vorschlag Kulturbahnhof. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Die Besucher verschaffen sich einen Eindruck von dem Vorschlag Kulturbahnhof. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Behälterraum zu niedrig?

Was den Behälterraum im Sprudelhof betrifft, der laut Theis abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll, gibt es nach Ansicht der FW/UWG vor allem ein Problem: Er sei zu niedrig. Vertreter des TAF hätten bei einer Bürgerversammlung von acht Metern Höhe gesprochen, die das Theater für seinen Spielbetrieb brauche. Das sei an diesem Standort kompliziert, man müsse beim Bauen in die Tiefe gehen. „Es höher zu machen, funktioniert aus Denkmalschutzgründen nicht. Das Dach darf nicht zu sehen sein. Außerdem fiele kein Licht mehr in das benachbarte Badehaus 4. Hier, im Bahnhof hingegen, sind bereits Fenster vorhanden.“ Wie Theis überdies thematisiert, bedürfe ein Abriss des Behälterraums einer besonderen Vorgehensweise. „Das muss man alles mit dem Kran machen, weil man nicht durch die Badehäuser durchkann und kein Lkw ranfährt.“

Früher Wartehalle und Bahnhofsrestaurant - nun Kulturbahnhof? Zumindest die FW/UWG fände dies gut. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Früher Wartehalle und Bahnhofsrestaurant – nun Kulturbahnhof? Zumindest die FW/UWG fände dies gut. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
„Zuggeräusche, keine Lagerräume“

In der Bewertung des Magistrats schneidet der Kulturbahnhof schlechter als das Kulturzentrum im Badehaus 3 ab. Wie aus der Vorlage hervorgeht, seien beispielsweise keine Lagerräume vorhanden. Und Geräusche fahrender Züge könnten störend sein.  

Ernsthaft geprüft?

Laut Theis fehlt aber die Untersuchung der Kosten eines Kulturbahnhofs. Zudem habe der Bahnhofseigentümer keinen Kontakt mit dem städtischen Kulturbereich gehabt. „Das heißt, die haben untersucht, ohne mit ihm mal zu reden. Da fragt man sich, wie ernsthaft die Alternativprüfung war.“

„Hätte Folgen“

Werde das Badehaus 3 zum Kulturzentrum, hat dies nach Ansicht von Theis Folgen: Das Restaurant müsste raus, sagt er, denn dieser Platz würde Eingangsbereich für Stadtbücherei und Theater.

Außer der Wartehalle gibt es weitere Flächen. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Außer der Wartehalle gibt es weitere Flächen. (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Positive Resonanz

Der Freie Wähler führt diese Zeitung durch die übrigen Räume im Bahnhof. Hinter der ehemaligen Wartehalle befinden sich weitere Flächen. Insgesamt sind es 500 Quadratmeter, zudem gibt es Platz im Keller. „Was man daraus macht, ist eine Sache der Planung“, sagt Theis. Beispiel ist die Küche, „braucht man die überhaupt?“ Er sieht positive Resonanz bei den Bürgern in der Stadt, die Idee komme an. Brigitte Fleißner vom Alternativen Tanzclub etwa ist begeistert. „Das wäre ein schöner Trainingsraum“, sagt sie über eine der hinteren Flächen. Auch für andere Vereine wie die Hiesbach-Karnevalisten könne dies eine Lösung sein, meint Fleißner.   

Blick in die Nebenräume (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Viele Pluspunkte für Sprudelhof

Zum Hintergrund: Auf Beschluss des Stadtparlaments vom November 2017 soll sich die Stadtbücherei räumlich verändern. Denn die aktuellen Räume im ehemaligen Inhalatorium sind zu eng. Wie eine Prüfung der Erweiterungsmöglichkeiten aber ergab, seien weder Dachboden noch Keller geeignet. Ein Anbau wäre teuer, zudem seien Auflagen der Denkmalpflege zu erwarten. Im Januar 2018 beschloss das Bad Nauheimer Parlament daher, die Stadtbücherei ins Badehaus 3 umzusiedeln. Planer bewerten als positiv, dass städtische Spielstätte, TAF-Theater und Jugendstilzentrum dort ebenfalls einziehen könnten, wobei ein Neubau anstelle des Behälterraums zwischen den Badehäusern 3 und 4 für das Theater gedacht ist. 165 bis 195 Sitzplätze seien dort möglich, was die Magistratsvorlage als einen zahlreicher Pluspunkte wertet.

Die ehemalige Küche (Bild: Petra Ihm-Fahle)
Die ehemalige Küche (Bild: Petra Ihm-Fahle)

Laut einem Bericht der Wetterauer Zeitung sehen auch Bürgermeister Klaus Kreß und Erster Stadtrat Peter Krank (parteilos) ein Potenzial im Kulturbahnhof, wollen allerdings bei der beschlossenen Planung pro Sprudelhof bleiben. Laut WZ sei Gerüchten zufolge eine Quadratmeter-Miete von 7,50 Euro im Gespräch, was der Eigentümer allerdings nicht habe bestätigen wollen. Auf einem Online-Portal zur Immobilienvermarktung soll das Objekt nach Informationen des „Neuen Landboten“ bis vor Kurzem für eine höhere Kaltmiete zum Angebot gestanden haben.

Zum Landbote-Artikel „Weichen stehen anders“ mit Stellungnahmen aus der Politik:

https://landbote.info/kulturbahnhof/#more-13316

Kulturbahnhof Bad Homburg:

https://www.kulturbahnhof-bad-homburg.de/

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