Gegen Querdenken

Explosives völkisches Gebräu

Von Bruno Riebjutta

„Wir haben die größten völkischen Aufmärsche seit 1945“, stellte Jutta Ditfurth am Mittwochabend, 21. 10. 2015, in der Friedberger Stadthalle fest. Die Halle wird in wenigen Tagen selbst Ort einer Versammlung von Verschwörungstheoretikern, Esoterikern, Rassisten und Nationalisten sein. Ditfurths Vortrag gehört zum Veranstaltungsprogramm gegen diesen sogenannten Querdenken-Kongress.

Inhumanismus hat Konjunktur

Krisenentwicklungen in Deutschland führen zu „rechten bis faschistischen Antworten“, meint die Soziologin, Publizistin und Politikerin Ditfurth. Tendenzen des Inhumanismus „explodieren geradezu“, beschreibt sie die aktuelle Situation. „Moderner Antisemitismus, Querfront und völkische Bewegung“ war das Thema ihres Vortrages.

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Jutta Ditfurth mit dem Vorsitzenden der Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-Bi) Andreas Balser. Die Antifa-Bi hatte die Veranstaltung organisisiert. (Fotos: Rieb)

Jürgen Elsässer ist Chefredakteur des rechtspopulistischen Querfront-Magazins „Compact“. Elsässer habe eine ähnliche Entwicklung von links nach ganz rechts vollzogen wie Horst Mahler, sagt Ditfurth. In den 1970er Jahren war Elsässer im Kommunistischen Bund (KB) aktiv gewesen. In einem Fernsehinterview hatte Ditfurth ihn einen „glühenden Antisemiten“ genannt. Elsässer war dagegen vor Gericht gezogen. Im Prozess vor dem Landgericht in München überraschte die Vorsitzende Richterin mit einer aufsehenerregenden Definition des Antisemitismus: „Ein glühender Antisemit in Deutschland ist jemand der mit Überzeugung sich antisemitisch äußert, mit einer Überzeugung, die das Dritte Reich nicht verurteilt und ist nicht losgelöst zu betrachten, vor dem Hintergrund der Geschichte.“ Entsprechend das Urteil: Ditfurth darf Elsässer nicht mehr als „glühenden Antisemiten“ bezeichnen, sonst drohen ihr ein Ordnungsgeld von 250000 Euro oder eine Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten. Die nimmt dieses Urteil nicht hin. Es könne nicht sein, dass jemand erst als Antisemit bezeichnet werden dürfe, wenn es zum Massenmord kommt. Sie will vor das Bundesverfassungsgericht ziehen und sammelte in der Veranstaltungen spenden für den Prozess.

Links maskiertes völkisches Denken

Die US-Notenbank Federal Reserve System gilt in der Szene des modernen Antisemitismus laut Ditfurth als Synonym für das Judentum. Sie spricht von einer „links maskierten Form des völkischen Denkens“. An der großen Demonstration gegen des Freihandelsabkommen mit den USA TTIP hätten große völkische Gruppen teilgenommen. Montagsdemonstrationen und der sogenannte Friedenswinter würden genutzt, um völkische und antisemitische Positionen zu verbreiten. Der Einfluss reiche bis in die Linkspartei. Deren Bundestagsabgeordneten Dieter Dehm nannte Ditfurth einen „Querfront-Überzeugungstäter“.

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Diskussion nach dem Vortrag

Wie rechten Positionen in Flüchtlingsdiskussionen entgegengetreten werden könne, wollte der Sozialdezernent des Wetteraukreises Helmut Betschel (Grüne) unter dem Eindruck einer Diskussion am Abend zuvor in Nidda von Ditfurth wissen. Entschieden müsse diesen Positionen entgegengetreten werden, so könne vielleicht der letzte Funke Humanismus geweckt werden. Es dürfe keine Sozialarbeiter-Position eingenommen werden, weil die zur Annäherung führen könne, warnte Ditfurth. Sonst könnte man „mit diesen Leuten im falschen Bus sitzen und nicht merken, dass der Busfahrer eine braune Uniform an hat.“

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