Erderwärmung

Die Welt retten

Von Dietrich Jörn Weder

Wenn man das Treibhausgas Kohlendioxyd mit Hilfe des Sonnenlichts spalten könnte, wie es die Pflanzen mit der Photosynthese tun, dann könnte man die Welt retten, sagt der Nobelpreisträger Benjamin List. Es bräuchte dazu allerdings, wie der Chemiker auch sagt, eine Reihe von Jahren und viel Geld, um eventuell, im besten Fall, erfolgreich zu sein.

Erderwärmung machbar bremsen

Das Geld müsste man und würde man auftreiben. Aber die Zeit, um untätig auf Wunderlösungen zu warten, die haben wir nicht. Es gilt vielmehr, ohne jeden Aufschub das Greifbare und Machbare anzupacken. Und das ist zum Ersten die vollständige Elektrifizierung des Straßenverkehrs und zum Zweiten die Abschöpfung der klimaschädlichen Verbrennungsgase aller fossil befeuerten Kraftwerke. Beides zusammen würde die Erderwärmung merklich bremsen.

Nur noch elektrisch fahren!

Elektrisch angetriebene Kraftfahrzeuge verbrauchen für die gleiche Strecke nur ein Bruchteil der Energie, wie sie Kraftstoff verbrennende Automobile benötigen. Sie fahren im besten Fall nahezu klimaneutral und befreien zugleich die Straßen von Abgasen und Lärm. Elektro-Fahrzeuge werden wegen dieser ihrer Vorzüge früher oder später zwangsläufig die Verbrenner verdrängen. Aber dem Klima ist umso mehr geholfen, je früher das geschieht. Deshalb muss die Politik alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Übergang zum E-Antrieb zu begünstigen und zu beschleunigen.

Emissionsfreier Strom

Dem Wald zuliebe haben wir dem sauren Regen ein Ende gemacht, indem wir die Rauchgase der Kraftwerke entschwefelt und entstickt haben. In ähnlicher Weise lässt sich Kohlendioxid aus der Rauchfahne entfernen, um so dem Klima große Mengen aufheizender Emissionen zu ersparen. Das Kohlendioxyd muss anschließend unterirdisch, zum Beispiel in ausgeleerten Gasfeldern, gespeichert werden. Mit dem Treibhausgas aus einem Zementwerk in Norwegen wird dies auch schon modellhaft praktiziert.

Klimaschutz statt KI

Um diese Methode auch auf die zigtausend Kohlekraftwerke Indiens und Chinas anzuwenden, braucht es erstens den politischen Willen und zweitens sehr viel Geld. Wenn man die Unsummen, die die US-Tech-Milliardäre für die Künstliche Intelligenz ausgeben wollen, für diesen Zweck umlenken würde, würde es an den nötigen Finanzen nicht fehlen. Auf emissionsfreie Kraftwerke verzichten, aber hieße, den Glutofen Erderwärmung bis zur Unbewohnbarkeit des Planeten anzuheizen.

Waldbrände erschweren Aufforstung

Mit der Vermeidung von Emissionen ist es freilich nicht getan, sagen alle Klimatologen. Es müssen Treibhausgase aus der Atmosphäre zurückgeholt werden. Es gab und gibt die Idee, dafür riesige Flächen aufzuforsten, die wachsen, indem sie mittels der Photosynthese das Kohlendioxyd aus der Luft holen. Die allerorten durch Hitze und Dürre angefachten Waldbrände setzen hinter dieses Vorhaben allerdings ein rauchgeschwärztes Fragezeichen.

Wunderlösungen wie das eingangs beschriebene sind sehr, sehr selten. Aber nie waren sie so erwünscht wie in diesen überhitzten Tagen.

Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. Wachposten

Titelbild: Waldbrand bei Goslar im August 2003. (Wildquelle: Wikipedia)

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