Zukunftsplan Wasser umsetzen
Angesichts der weiter fallenden Grundwasserstände fordert die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (sgv), den hessischen Zukunftsplan Wasser rasch umzusetzen. Die Schutzgemeinschaft hat an dem Zukunftsplan nach eigener Aussage „maßgeblich mitgearbeitet“.Quellen versiegen
„Der Klimawandel schreitet weiter voran. Spürbar wird dies auch in unserer Region durch heiße Sommertage um die 40 Grad Celsius, an viel zu geringem Niederschlag, wodurch die Natur leidet, Quellen versiegen, Bäche austrocknen, Bäume absterben und unsere schöne Mittelgebirgslandschaft wie eine Steppe wirkt. Auch die Landwirtschaft klagt über immer weiter zurückgehende Ernteerträge“, beschreibt die sgv die Situation im Vogelsberg. Landauf, landab fielen die Grundwasserstände und „die Versorgung der Menschen mit dem Lebensmittel Nummer eins ist in vielen Regionen gefährdet“. Städte und Gemeinden in Hessen müssten immer mehr auf ihre vorhandenen Gefahrenabwehrverordnungen über die „Einschränkungen des Verbrauchs von Trink- und Brauchwasser bei Notständen der Wasserversorgung“ zurückgreifen, die es verbieten Trinkwasser in bestimmten Bereichen zu verschwenden. Selbst die großen Wasserversorger hätten inzwischen erkannt, dass das Trinkwasser nicht uneingeschränkt zur Verfügung stehe, und hätten in den heißen Sommermonaten zum Wassersparen aufgerufen.
In manchen Kommunen sei in diesem extrem trockenen Jahr Wasser mit Tankwagen herangefahren worden, um die Trinkwasserversorgung der Menschen aufrechtzuerhalten, so wie es bereits im Jahr 2018 in Hessens höchstgelegener Stadt Ulrichstein über ein halbes Jahr der Fall gewesen sei.
Weniger Grundwasser nach Rhein-Main
Deshalb seien ihre Forderungen „aktueller denn je“, betont die Schutzgemeinschaft Vogelsberg. Der gemeinnützige Verein fordert seit Jahren, dass weniger Grundwasser in Richtung Rhein-Main fließen darf. Aktuell erhalte das Ballungsgebiet per anno knapp 40 Millionen Liter Wasser aus dem Vogelsberg. Das machen ein Drittel des gesamten Trinkwasserverbrauchs in der Rhein-Main-Metropole aus.
Der klageberechtigte Verein fordert angesichts dieser Situation, „dass nunmehr die Festlegungen des hessischen Zukunftsplan Wasser zeitnah umgesetzt werden“. Hierzu gehöre die Einführung eines Wassercents in Hessen als Finanzierungsinstrument – nur in Hessen und Thüringen gebe es aktuell keinen Wassercent – und die Weiterführung der finanziellen Förderung von kommunalen Wasserkonzepten über das Jahr 2026 hinaus. Das Rhein-Main-Gebiet müsse wieder vermehrt auf Eigenversorgung mit Trinkwasser setze, um nicht noch mehr Grundwasser aus den Gewinnungsgebieten wie dem Vogelsberg abpumpen zu müssen.
Ein richtiger Schritt in die richtige Richtung sei das innovative Projekt des Wasserverbandes Kinzig, der mit einem großen Wasserwerk unterhalb der Staumauer des Kinzigtalstausees aus dem Niederschlagswasser des Sees Trinkwasser gewinnen wolle. Geplant sei, dass durch die Ultra-Filtration jährlich 9 Millionen Kubikmeter Trinkwasser entstehen sollen. Die sgv hat sich das geplante Wasserwerk durch den Geschäftsführer des Wasserverbandes Kinzig, Dr. Holger Scheffler, vorstellen lassen und begrüßt und unterstützt das 70-Millionen-Euro-Projekt des Verbandes bis zur Umsetzung und darüber hinaus.
„Die sgv, gegründet 1989, ist eine der größten gemeinnützigen Naturschutzinitiativen in Hessen. Seit 2014 als klageberechtigter Verband anerkannt, stehen wir erfolgreich für den Grundwasserschutz und verhindern den Grundwasserraubbau im Naturraum“, beschreibt sich die Schutzgemeinschaft.
Titelbild: Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg fordert schon lange, nicht noch mehr Grundwasser nach Rhein-Main fließen zu lassen. (Archivbild)
