Corona in der Wetterau

Mehr Infizierte, neue Auflagen

Über das Wochenende gab es bis Montag, 26. Oktober 75 neue Corona-Infektionen im Wetteraukreis. Mit einer Inzidenz von 59,7 muss die Kreisverwaltung nun neue, drastischere Kontaktbeschränkungen in Kraft setzen. Das neue Testcenter in Reichelsheim wird derweil rege in Anspruch genommen.

Corona immer stärker in der Wetterau

Die Zahl der seit Beginn der Pandemie nachgewiesenen Fälle von Corona-Infektionen im Wetteraukreis liegt am Montag, 26. Oktober 2020 bei 1035, das sind 75 mehr als am vergangenen Freitag. Die Neuinfektionen wurden gemeldet aus Altenstadt (4), Bad Nauheim (7), Bad Vilbel (14), Büdingen (8), Butzbach (3), Echzell (1), Friedberg (9), Karben (11), Münzenberg (1), Nidda (5), Ortenberg (2), Ranstadt (2), Rockenberg (1), Rosbach (4), Wölfersheim (2) und Wöllstadt (1).

In stationärer Behandlung aufgrund der Corona-Infektion befinden sich nach Angaben der Kreisverwaltung am Montag 33 Menschen (15). Sieben Personen werden intensivmedizinisch behandelt. Das sind drei mehr als bisher. Bislang sind mit der Corona-Infektion 15 Menschen im Wetteraukreis gestorben.

Akut infiziert sind 388 Menschen. Sie befinden sich alle in häuslicher oder klinischer Quarantäne. Laut Gesundheitsamt sind nun wieder stärker die sogenannten vulnerablen Gruppen von der Infektion betroffen. „Deshalb haben wir auch eine Verdopplung der Überweisungen in die Krankenhäuser zu verzeichnen. Weil ältere oder vorerkrankte Menschen mit der Infektion oft einen schwereren Verlauf haben, müssen diese Personen besonders geschützt werden“, fordert Landrat Jan Weckler die Solidarität aller ein.

Gesundheitsamts-Personal wird beleidigt

Mittlerweile wenden sich auch Menschen an die Kreisverwaltung, um gegen Einschränkungen und ausgeweitete Maskenpflichten zu demonstrieren. „Dabei werden auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes beleidigt. Das ist völlig inakzeptabel. Wir erleben täglich unzählige Forderung von ganz unterschiedlichen Seiten. Die einen wollen die sofortige Schließung von Schulen und öffentlichen Einrichtungen, um die Ausbreitung des Virus zu vermindern. Andere sehen die Gesundheit ihrer Kinder und ihrer eigenen gefährdet, weil die Pflicht zum Tragen der Mund-Nase Bedeckung ausgeweitet wird“, so Jan Weckler. Er erinnerte daran, dass diese Entscheidungen keine Erfindung des Gesundheitsamtes seien, sondern Vorgaben, die von Bund und Land kommen und dem Schutz der Bevölkerung dienen.

Maskenpflicht auch in Gaststätten

Ab dem 27. Oktober gelten im Wetteraukreis strengere Kontaktbeschränkungen: Feiern in angemieteten oder öffentlichen Räumen sind nur noch mit einer maximal zehn Teilnehmern erlaubt. Für Feiern in privaten Räumen wird eine Höchstteilnehmerzahl von 10 Personen dringend empfohlen. Zusammenkünfte und Veranstaltungen aller Art sind nur noch mit maximal 100 Besuchern möglich. Auch am Sitzplatz muss jeder die Maske vor Mund und Nase tragen. Das gilt künftig auch, wenn man in einer Gaststätte am Tisch sitzt.

In Schulen ist ab der 5. Jahrgangsstufe auch im Präsenzunterricht eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, wenn die allgemeinen Abstandsregelungen (1,50 Meter) nicht eingehalten werden können.

Es wird empfohlen, auf besonders belebten Straßen und Plätzen, wie zum Beispiel Einkaufsstraßen, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

Testzentrum in Reichelsheim wird oft genutzt

Stark beansprucht ist inzwischen das Anfang Oktober 2020 eröffnete Testzentrum in der ehemaligen Schule an der Florstädter Straße in Reichelsheim. Mit viel Platz drumherum nimmt dort ein vierköpfiges Team Abstriche von Wetterauern mit Krankheitssymptomen, die auf das Coronavirus hindeuten. Ein Arzt und eine medizinische Fachkraft vom Gesundheitsamt sind dort in voller Infektionsschutz-Montur aktiv, außerdem zwei Verwaltungsangestellte von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), die über all die Tests Buch führen. Momentan kommen jeden Tag etwa hundert Menschen zum Testen, teilen Jürgen Richter vom Gesundheitsamt und Karl Roth von der Kassenärztlichen Vereinigung mit. Die maximale Kapazität des Zentrums wird auf 160 Tests pro Tag beziffert. Zuvor hatte das Gesundheitsamt in Friedberg selber gut zweitausend Mal all jene Menschen aus dem Landkreis getestet, die Kontakt zu Infizierten hatten und Corona-Symptome aufwiesen – zum Beispiel Fieber und starke Schmerzen. All das wird nun im Reichelsheimer Testzentrum erledigt.

70 Arztpraxen schicken Verdachtsfälle nach Reichelsheim

Wer befürchtet, sich mit Covid-19 angesteckt zu haben, kann nicht direkt nach Reichelsheim fahren. Zunächst muss man dem eigenen Hausarzt die Symptome schildern. Weil sie denen einer „normalen“ Grippe oder Erkältung sehr ähneln, müssen die Ärzte ihre Patienten mit Halskratzen, Fieber und Gliederschmerzen möglichst von anderen Patienten fernhalten. Inzwischen nutzen 70 Praxen aus der Region die Dienste des Testzentrums, so Jürgen Richter. Die Tendenz sei steigend.

Wer eine Überweisung vom Hausarzt zum Testzentrum bekommt, kann sich auf den Weg nach Reichelsheim machen. Karl Roth von der Kassenärztlichen Vereinigung: „Wegen der guten Vorbereitung und der detaillierten Terminvergabe kommt es nur zu geringen Wartezeiten; die Wartezeit muss wie an allen Testcentern im Freien überbrückt werden.“ Das Ergebnis des Tests erfährt der Betroffene in der Regel am nächsten Tag. Wer seine Handynummer hinterlässt, bekommt es von der KVH per SMS übermittelt. Und wenn sich eine Corona-Infektion vorliegt, meldet sich das Gesundheitsamt.

Kontaktverfolgung wird immer schwieriger

Bislang bemüht sich das Gesundheitsamt noch, die Kontakte der letzten zwei Wochen von allen gemeldeten Infizierten zu recherchieren. Damit sind momentan 25 Vollzeitkräfte an sieben Tagen in der Woche beschäftigt, sagt der Verwaltungsleiter Jürgen Richter. Der Leitende Amtsarzt Reinhold Merbs erklärte Anfang des Monats: „Im Extremfall könnten wir zusätzliche 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Teilen der Verwaltung für die Kontaktermittlung hinzuziehen.“ Bislang werden also noch keine Bundeswehrsoldaten im Gesundheitsamt gebraucht.

Vor allem im Familien- und Freundeskreis haben sich in der Wetterau die meisten Menschen mit dem Coronavirus angesteckt, berichtet Jürgen Richter. Jetzt werde es immer schwerer, die konkrete Ansteckungs-Situation zu erkennen. Das Virus verbreite sich „diffus“ in immer mehr Wetterauer Orten.

Lehrkräfte können sich öfter testen lassen

Anspruch auf eine gebührenfreie Testungen haben alle zwei Wochen Leute, die in Kindertagesstätten oder in den Schulen des Wetteraukreises arbeiten. Auch dann, wenn sie keine Erkältungssymptome spüren. Diese Erzieherinnen und Lehrkräfte, Hausmeister und Sekretariats-Beschäftigten müssen jeden einzelnen Test-Termin neu beim Hausarzt beantragen.

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