Buchmesse

Die Gäste des Landboten

In seiner Redaktion während der Buchmesse am 9. April 2017 in Bad Nauheim sprach der Neue Landbote mit vielen interessanten Gästen –  darunter dem Dialekt-Schriftsteller Kurt Werner Sänger, der Katzenkrimi-Autorin Petra Zeichner, der Tomaten-Fotografin Karin Günther-Thoma, dem Poetry-Slammer und Verleger Thorsten Zeller, dem Dankeskirchen-Kantor der Frank Scheffler und dem Oldtimerblogger Michael Schlenger.

Dialekt, Reime und Orgelpfeifen

Thorsten Zeller gab der Landbote-Redaktion eine Kostprobe seines Könnens: einen Text, den er zur Unterhaltung der Fahrgäste in einer stecken gebliebenen S-Bahn gereimt hat. Zeller ist Poetry-Slamer – und nun auch überraschend Verleger. Nach dem überraschenden Tod des Verlegers Walter Sülberg hat Zeller zusammen mit Frank-Uwe Pfuhl dessen Morlant-Verlag übernommen. Zeller betreibt das Poetry-Slam-Programm nun in seinem Reimheim-Verlag, darunter auch sein Buch Der erste Tag vom Rest meines Lebens“ .

Hinterländer Platt

Kurt Werner Sänger

Kurt Werner Sänger aus Bad Bilbel liebt den Dialekt. Er sieht ihn als Bereicherung unserer Sprache und unseres Denkens. In Kürze wird im Cocon Verlag sein Buch „Moiserisch Emil“ erscheinen, eine im Hinterwälder Platt geschriebene Geschichte über das gefährliche Abenteuer einer Feldmaus mit einer arroganten Großstadtkatze, die natürlich Hochdeutsch spricht. Hinterländer Platt wird im Oberen Lahntal gesprochen, wo Sänger aufgewachsen ist.

Als der Autor aus Bad Vilbel aus seinem neuen Buch „Moiserisch Emil“ vorliest, fallen den Zuhörern in der temporären Redaktion des Neuen Landboten im Badehaus 7 die Kinnladen herunter. Sie haben fast nichts verstanden! Denn Sänger rezitiert auf „Hinterländer Platt“ – und der Dialekt der nordwesthessischen Gegend um Biedenkopf und Gladenbach am Oberlauf der Lahn ist recht weit vom Zungenschlag der Wetterauer und Frankfurter entfernt. Er gilt als  Ableitung aus dem Alt- und Mittelhochdeutschen mit einem deutlich und häufig rollenden R. Hier ein Beispiel aus dem Buch:

Zum Glück steht der Text über den Moiserisch und die arrogante  Großstadtkatze auch auf Hochdeutsch im Büchlein, das Ende April im Hanauer Cocoon-Verlag erscheint. Die Dialekt-Schreibung hat Autor Sänger nicht in Lautschrift, sondern in Kleinbuchstaben erledigt, die dem Prinzip des „hörenden Schreibens“ folgt. Es steht also so geschrieben, wie man es hört. Als Schriftsprache war das Hinterländer Platt nie in Funktion – obwohl laut Sänger noch immer etwa 70 Prozent der Hinterland-Bewohner diese Sprache benutzen. Freilich mit sinkender Tendenz, denn die jüngeren Leute sprechen lieber Hochdeutsch.

Kurt Sänger selbst kam 1968 als 18-jähriger Jung-Postler aus dem Hinterland nach Frankfurt.  „Aus meiner Gegend sind früher viele Leute als Knechte und Mägde in die Wetterau gegangen.  Die wurden schon wegen ihres Dialekts als Deppen wahrgenommen“, erzählt der Autor. Er selbst engagiert sich, diese Sprachvariante lebendig zu halten und sie auch literarisch zu würdigen. Der Wikipedia-Eintrag von Kurt Werner Sänger umfasst gut ein Dutzend Publikationen dazu.

Mehr über den Autor berichtete der Neue Landbote bereits unter

https://landbote.info/dialekt/

Büchners Pack

Gedichte über Kleist, Grabbe, Lenz, Reuter, Büchner enthält das Büchlein „Ein paar Dichter“ des Wehrheimer Schriftstellers, Journalisten und Schäfers Olaf Velte. Er hat darin über Dichter gedichtet, die ihrer Zeit voraus waren, etwas Rebellisches und Visionäres hatten, sagt Velte. Christian Reuter zum Beispiel, der heute ziemlich vergessen ist, habe vor über 300 Jahren mit „Schelmuffky“ den ersten Schelmenroman geschrieben. Velte hat sich auf die Spuren von Christian Reuter begeben und seine Erlebnisse dabei im Buch „Reuters Kiste“ festgehalten. Für den Landboten las er sein Gedicht „Büchners Pack“.

Tomaten, Frauen und die Zeit

Karin Günther-Thoma brachte eine Reihe ihrer Tomaten-Fotos mit in die Landbote-Redaktion, die die Wände der Badezelle zierten. Es sind keine Tomaten, wie man sie aus Supermärkten kennt, sondern verwachsene, verschrumpelte, verfärbte. Aus dem Gemüseregal des Supermarktes hat Karin Günther-Thomas diese Nachtschattengewächse nicht. „Ich bin keine Gärtnerin und habe auch keinen Garten. Aber für dieses Projekt fin ich an, Tomatenpflanzen in Bottichen zu kultivieren. Und dabei kamen auch ganz besondere Exemplare heraus, die ich dann fotografierte.“ Eine bunte Auswahl der absonderlichsten Tomaten druckte die Künstlerin in ein quadratisches Booklet, das sie zum Kauf anbietet. Der Erlös aus dem Verkauf für ein Hilfsprojekt in Afrika bestimmt. Das Geld fließt an den Verein „Häuser der Hoffnung – Schulbildung für Afrika“. Es geht darum,  Mädchen in Mali Schul- und Berufsausbildung zu ermöglichen.

Die Fotos und Booklets gibt es in der Ladengalerie von Karin Günther-Thoma in der Fuhrstraße 2 in 61191 Rosbach-Ober-Rosbach zu sehen. Die Ausstellung ist jeden Freitag, Samstag und Sonntag von 17.00 bis 19.00 Uhr geöffnet und nach Vereinbarung unter Telefon 06003/487 oder mobil 0151 581 005 84 sowie per E-Mail an kaguetho@arcor.de.

Mehr über Karin Günther-Thoma auf

https://landbote.info/karin-guenther-thoma/

Regionaler Katzenkrimi

Petra Zeichner hat einen Krimi geschrieben, in dem Katzen die Hauptrolle spielen. Ein streunender Kater ermittelt in „Katerdämmerung“. Es ist nicht nur ein Katzen- sondern auch ein regionaler Krimi: er spielt in Butzbach

Die Journalistin aus Rockenberg kennt sich aus mit Katzen. Sie lebt mit so einem Tier zusammen. Im Jahr 2015 hat sie sich davon inspirieren lassen, den Katzenkrimi  zu verfassen. „Wer Katzen hat, weiß, dass sie siehr intelligente Tiere sind“, sagt Petra Zeichner im Gespräch mit dem Neuen Landboten auf der Ernst-Ludwig-Buchmesse. Sie könnten auf vielfältige Weise mit Menschen kommunizieren und haben auch unterschiedliche Gesichtsausdrücke drauf – kombiniert mit signalisierenden Lauten.

Die „Katerdämmerung“ ist ein Buch mit meist tierischen Akteuren, kombiniert mit einem Regionalkrimi. Die Handlung spielt in Butzbach. Allerdings sei es ihr nicht wichtig, möglichst viele lokale Details zu beschreiben, so die Autorin. „Denn das birgt die Gefahr, den Leserkreis zu sehr einzuschränken.“

Wird es noch weitere Katzenkrimis aus ihrer Feder geben? Einen Plot habe sie in Reserve, sagt die Tageszeitungsredakteurin. Doch zuvor plane sie einen psychologischen Thriller. Der wird wie auch die „Katerdämmerung“ dereinst als Book on Demand erscheinen.

Mehr über Petra Zeichners erstes Buch im neuen Landboten

https://landbote.info/katzenkrimi-katerdaemmerung/

Das Schicksal der Orgel
Frank Scheffler (Foto: Jutta Himmighofen-Strack)

Eine beeindruckende Orgel-Improvisation erklang zur Eröffnung und zum Abschluss der Buchmesse. Die war in der Dankeskirche aufgenommen worden. Kantor Frank Scheffler hat sie gespielt. Die Dankeskirche sei berühmt für ihre Akustik, deshalb habe er dort unbedingt Kantor werden wollen, sagt Scheffler. Die Orgel der Dankeskirche gehört zu den größten in Hessen. Sie ist 1906 gebaut worden.  Der Klang dieser 111 Jahre alten Pfeifen sei „absolute Weltklasse“, schwärmt der 1970 geborene Musiker Scheffler. Auch die Kirche selbst habe eine „fantastische Akustik“.

Allerdings wurde 1965 gut zwei Drittel der rund 3000  Pfeifen ersetzt. Leider haben sie nicht die Qualität der ursprünglichen Pfeifen, beklagt Scheffler. Deshalb spiele er bei Konzerten vor allem auf den Registern mit den alten Pfeifen und mischt die neueren nur im notwendigsten Maße hinzu.

Unabhängig davon steht eine Renovierung der alten Walcker-Orgel an. Die Pfeifen müssen von Pilzbefall gereinigt werden, und die Zugänge zu den Pfeifen müssen Instandgesetzt werden. Derzeit wird im Kirchenvorstand über ein Sanierungskonzept und auch die Kosten gesprochen. Spenden werden – wie für alle Projekte der Kirchengemeinde entgegen genommen.

Wer speziell für die Sanierung der Kirchenorgel spenden will, überweist unter dem Stichort „Orgel“ auf das Spendenkonto der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Nauheim bei der Volksbank Mittelhessen, IBAN: DE83 51390000 0089328403,  oder bei der Sparkasse Oberhessen, IBAN: DE09 51850079 0030001621.

Im Bereich der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Nassau arbeiten übrigens 120 hauptamtliche Organisten, sagt Frank Scheffler. Leider nehme die Zahl der Kirchenmusik-Studenten in neuester Zeit ab. Dabei sei die Kunst des Orgelbaus aktuell auf nie gekannten Höhen.  In Kassel sei zum Beispiel eine drei Millionen teure Orgel für die Marienkirche im Bau. Auch die Komponisten lieferten interessante neue Werke für Orgeln.

Leidenschaft für alte Autos

Michael Schlenger stöbert bei Ebay und geht gern in Antiquariate. Und wenn er dort alte Schwarz-Weiß-Fotos mit Autos und Menschen entdeckt, greift er zu.  Werbefotos und Schnappschüsse aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg – die sind sein Ding.  An seinem Infostand bietet er für kleines Geld Reproduktionen der oft mehr als hundert Jahre alten Fotografien an.  Auf einer ist zum Beispiel ein offener Opel zu sehen,  auf dessen Rücksitz zwei Herren mit Hut unterwegs sind.  „Ich habe im Hintergrund die Friedberger Burg erkannt“, erzählt Michael Schlenger. In anderen Archiven und im Netz forschte er nach, um welche offenbar hochgestellte Persönlichkeiten es sich in dem  Fahrzeug handeln könnte. Und identifizierte sie schließlich als Großherzog Ernst Ludwig und seinen Verwandten,  den Zaren Nikolaus von Russland. Gemeinsam fahren sie vom Urlaubsquartier im Friedberger Schloss mit dem Opel zu den Kureinrichtungen von Bad Nauheim. Wenige Jahre später schlittern die Länder der beiden Monarchen einen blutigen Ersten Weltkrieg.

Immer wieder versucht Michael Schlenger, die Menschen zu identifizieren, die er auf den uralten Bildern sieht. Und den jeweiligen Auto- oder Motorradtyp. Schon letzteres ist eine eigene Wissenschaft, so der Bad Nauheimer. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland mehr als hundert verschiedene Autoproduzenten – in Frankreich waren es sogar tausend. Wenn er außer Fotos auch noch Werbematerial oder Einzelteile findet, macht das Michael Schlenger glücklich. Und wenn er Überzähliges oder Reproduktionen verkauft, investiert er das Geld in neue Sammlerstücke. So versammelt er auch diverse Uralt-Motorräder und eine echte Licorne-Limousine aus dem Jahre 1933 in einer Garage.

Sein Wissen über alte Autos und Motorräder teilt Michael Schlenger gern. Sein fast täglich aktualisierter Blog heißt

klassiker-runde-wetterau.com

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