Ukrainekrieg / Klimakrise

Erdgas sparen, neue Quellen erschließen

Von Dietrich Jörn Weder

Indem wir mehr als die Hälfte des von uns benötigten Erdgases aus Russland beziehen, haben wir uns in eine gefährliche Abhängigkeit begeben. 20 Millionen Haushalte im Land heizen mit Gas und sie hätten es ohne Gas kalt in den Wohnungen. Droht ihnen eben dies, wenn Putin nicht nur Polen und Bulgarien, wie gerade geschehen, sondern auch Deutschland den Gashahn zudreht?

Sehr wahrscheinlich zunächst Nein! Die privaten Haushalte werden im Notfall bevorzugt beliefert. Und dafür reicht schon das Erdgas aus norwegischen und einheimischen Quellen. Alle gewerblichen Verbraucher wären dann auf die leider nur zu einem Drittel gefüllten unterirdischen Gas-Speicher angewiesen. Flüssiggas aus den USA und Katar ließe sich wohl auch in beschränkten Mengen mobilisieren.

Gasspeicher jetzt für den Winter füllen!

Über den Sommer käme man wohl auch, denn in der warmen Jahreszeit wird üblicherweise höchstens die Hälfte der winterlichen Mengen verbraucht. Aber dann, wenn die Temperaturen wieder fallen, im nächsten Winter fehlen 109 Milliarden Kubikmeter, wenn Russland nicht liefert. Zwei Drittel dieses Mankos könnten aus vollen Gasspeichern ersetzt werden, wie Agora Research errechnet hat.

Quelle der Grafik: Agora Energiewende Studie „Energiesicherheit und Klimaschutz vereinen“

Aber warum hat man nicht längst begonnen, die Speicher mit Gas zu füllen, das sich – wie in der Stromerzeugung – durch andere fossile Energien ersetzen lässt? Längst hätte der zuständige Minister Robert Habeck anordnen sollen, Gas nicht mehr zu verstromen, und das Minus an Elektrizität mit Hilfe von Kohle zu erzeugen. Und damit ließe sich fast ein Sechstel unseres gesamten Gasverbrauchs ersparen.

Atommeiler weiterlaufen lassen!

Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Nach Katar zu reisen und dort Flüssiggas für „demnächst“ zu bestellen, dafür, Herr Minister, wäre auch später noch Zeit gewesen. Auf dem Schachbrett des eigenen Landes lassen sich schnell viel stärkere Figuren verschieben.

Springen Sie über den partei-eigenen Schatten und lassen Sie die drei noch am Netz befindlichen Atommeiler ein paar Jahre länger als geplant laufen. Damit wären sechs Prozent der hiesigen Stromerzeugung klimaschonend gesichert. Verschlanken Sie die bisher ungeheuer zeitaufwändigen Genehmigungsverfahren noch einen Schritt weiter, so dass sich Rotortürme überall rasch errichten lassen, wo es dafür politisch bestimmte Standorte gibt.

Ohne fossile Energie keine sichere Versorgung!

Begrüßen Sie und unterstützen Sie die Erschließung neuer Erdgasvorkommen im eigenen Land. Niedersachsen will jetzt endlich zusammen mit den Holländern ein offenbar ergiebiges Gasfeld im Meer vor Borkum anbohren. Und kann es wirklich dabei bleiben, dass wir uns an die Erschließung hiesiger Schiefergasvorkommen nicht einmal probeweise heranwagen, während wir solches Gas unbekümmert aus den USA beziehen?

Auf Jahre hinaus ist es ganz und gar illusorisch, die Stromerzeugung allein auf Windkraft und Sonnenschein stützen zu wollen. Wir müssen leider weiter erhebliche Mengen fossiler Brennstoffe verfeuern, um die Versorgung sicherzustellen. Und wenn das klimaschonend geschehen soll, müssen wir versuchen, das temperaturtreibende Rauchgas abzusondern und unterirdisch zu verstauen. Es ist dies das gerade vom Weltklimarat von Neuem angeratene CCS-Verfahren (Carbon Capture and Storage), dessen Erprobung unsere weitsichtigen Umweltverbände in der Vergangenheit kategorisch abgelehnt haben.

Es rächt sich nun, dass man der Erprobung neuer Technik abhold war, und glaubte, eingleisig in das gelobte Land der Klimaneutralität fahren zu können. Der Ukraine-Krieg zieht einer schönen Gewissheit nach der anderen den Teppich unter den Füßen weg.

Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. wachposten

Titelbild: Heizungsventil einer Warmwasserheizung. (Foto: Wikipedia/Geierunited 14:33, 22. Jan 2005 (CET) – selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=526889)

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