Stadthalle Bad Vilbel

Lässt auf sich warten und wird viel teurer

Von Detlef Sundermann

Die Stadt Bad Vilbel baut gerne groß. Ihre neue Stadthalle soll in die Region strahlen. Es war geplant, sie zum Hessentag 2020 in Bad Vilbel zu eröffnen. Der Hessentag wurde wegen der Coronapandemie abgesagt. Und die Stadthallen-Eröffnung lässt noch immer auf sich warten. Und die Baukosten schießen in die Höhe.

Die Bad Vilbeler Stadthalle „Vilco“ wird anders als noch vor einem Jahr angekündigt, nicht in diesem Frühjahr eröffnet. „Wir hoffen trotzdem, in diesem Jahr die Stadthalle fertigstellen zu können, im nächsten Jahr auch das Kurhaus“, sagt der zuständige Dezernent Klaus Minkel (CDU) auf Anfrage des Landboten. In einer Lokalzeitung erklärte hingegen Bauleiter Klaus Rotter jüngst: „Wir hoffen, dass wir im Sommer 2023 erste Probekonzerte veranstalten können.“ Minkel bezeichnet die Terminnennung, die wohl während eines gemeinsamen Ortstermins mit Rotter fiel, nunmehr als „Überinterpretation“ mit Blick auf die aktuellen Schwierigkeiten, der seit 2018 laufenden Bauarbeiten. „Die Verzögerungen liegen begründet in Corona, Ausfall von Handwerkerkolonnen, Zerreißen von Lieferketten, härterem Wettbewerb, der zeitraubende Vergabeverfahren provoziert, und den Anforderungen des Denkmalschutzes“, sagt Minkel.

Corona verzögerte die Bauarbeiten

Was das für den Betreiber, den Karbener Event-Veranstalter Satis & Fy, bedeutet, war von dem Unternehmen kurzfristig nicht zu erfahren. Satis & Fy, der bundesweit zu den großen Akteuren der Branche gehören soll, hatte im März 2021 nach dem von der Stadt europaweit ausgeschriebenen Bieterverfahren den Zuschlag erhalten. Laut früherer Angabe von Minkel zahlt der Betreiber eine monatliche Grundpacht und eine Umsatzbeteiligung an die Stadt. Allerdings ergäben sich nun wegen der Bauverzögerung für Satis & Fy keine Ansprüche gegen die Stadt, heißt es.

SPD-Fraktionschefin Mirjam Fuhrmann äußerte sich über die erneute, erhebliche Verspätung des Betriebsbeginns „erstaunt“. „Arg überrascht“ nahm der Grünen-Vorsitzende und Magistratsmitglied Clemens Breest die Nachricht auf. Zurzeit konzentrierten sich Veranstaltungen und Vereinsversammlungen auf das Sport- und Kulturforum im Stadtteil Dortelweil. Doch könnte es demnächst erforderlich sein, dass diese Halle schon bald als Erstaufnahmeunterkunft für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine benötigt werde, so Breest.

Allerdings machen den Grünen die in die Höhe schießenden Baukosten nicht minder Sorgen. Die Fraktion hatte als einzige und sehr früh, nach dem Grundsatzbeschluss im Jahr 2017 eine Stadthalle zubauen, Bedenken geäußert, weil absehbar war, dass es bei der zuerst diskutierten Summe von 25 Millionen Euro nicht bleiben werde. Auch weil das Projekt letztlich eine Nummer größer wurde, damit Bad Vilbel als regionaler Player etwa bei Kulturveranstaltungen, Messen oder Kongressen auftreten kann. Die Grünen lehnten später den Bebauungsplan aber auch ab, weil die politische Wunschliste um ein Hotel im Kurpark erweitert wurde. Die Herberge der Kette Dorint eröffnete bereits Ende 2021.

Deutlich teurer als 30 Millionen Euro

Dass das Stadthallen-Kurhaus-Vorhaben nicht billig wird, hatte sich schon mit dem Bau der Tiefgarage gezeigt, die im vergangenen Juli in Betrieb ging. Statt der anfänglichen zehn Millionen Euro für die gut 370 Parkplätze unter der Stadthalle bahnt sich am Ende wohl der doppelte Betrag an. Das Gebäude wurde auf einem urzeitlichen Nidda-Verlauf gebaut. Zur sicheren Gründungen musste die Bodenplatte auf Hunderte Betonsäulen gestellt werden, die bis zu zwölf Meter tief in den Boden reichen.

Für die Stadthalle ohne Tiefgarage rechnet Minkel mit einer deutlichen Teuerung. Statt der 30 Millionen Euro für die reinen Baukosten könnten es 35 oder 36 Millionen Euro sein, wird er nun in einer Lokalzeitung zitiert. Auf Nachfrage des Landboten teilt Minkel keine konkreten Beträge mit. „Es wäre verfehlt, sich zum jetzigen Zeitpunkt zu den Gesamtkosten zu äußern, zumal erst eine Schlussrechnung vorliegt“, sagt er. Dass der Baukörper bereits Anfang 2021 weitgehend fertiggestellt war, ist laut Minkel für die nun zu erwartenden Mehrkosten nicht von großer Relevanz. Denn der Hauptkostenblock bei der Stadthalle und beim Kurhaus sei der Innenausbau. „Insbesondere die Stadthalle ist wegen der Bühnen- und Veranstaltungstechnik ein High-tech-Werk und nicht mit einem Dorfgemeinschaftshaus zu verwechseln“, sagt Minkel. Für die Modernisierung des Kurhauses sind fünf Millionen Euro veranschlagt.

„Vor der Kostenexplosion graut uns allen“, sagt Grünen-Chef Breest. Die Mehrausgaben „könnten die Stadt in finanzielle Bedrängnis bringen“. Die gegenwärtige weltweite Verteuerung werde überdies vor der geplanten Theaterwerkstatt für die Burgfestspiele nicht Halt machen, so Breests Einwand. Bad Vilbel werde vermutlich „massiv in die Rücklagen greifen“ müssen. Er betont, die Stadt werde sich aus heutiger Sicht auch bei der Deckung der Betriebsausgaben schwertun, denn die sollten aus den Einnahmen der Therme beglichen werden, die es jedoch noch nicht gibt. Der Bau des Kombibads befindet sich noch in der baulichen Genehmigungsphase. Nicht zuletzt sei mit einer Preiserhöhung bei den Betriebskosten zu rechnen, allein weil der Gebäudekomplex mit Erdgas geheizt werde – das räumt auch Dezernent Minkel ein. Aber, „höhere Entgelte für die Bad Vilbeler für die Raumnutzung sehe ich derzeit nicht“, fügt Minkel an. Und die Vereinsnutzung sei bekanntlich in der Regel kostenlos

Anders als die Grünen sieht Minkel mit Blick auf die wachsenden Ausgaben beim Bau keine finanzielle Gefahr für den städtischen Haushalt, der Corona-bedingt im Herbst aufgestellt und verabschiedet werden soll. „Bisher musste die Stadt weder Steuereinnahmen noch Kredite für das Projekt einsetzen, da finanziell gut vorgesorgt worden ist“, sagt Minkel, wohl mit Blick auf die zahlreichen Grundstückgeschäfte der Stadt in den vergangenen Jahren.

Chronik

2017 wurde der Grundsatzbeschluss zum Bau einer Stadthalle am historischen Kurhaus gefasst. Dabei sollte das über die Jahre marode gewordene Kurhaus modernisiert werden.

Als Standort der Stadthalle wurde das angrenzende Areal des ehemaligen Hallenbades ausgewählt. Das Ende der 1960er Jahre errichtet Bad war heruntergekommen. Es wurde abgerissen – ersatzlos, weil die Thermengruppe Josef Wund für etwa 200 Millionen Euro eine Mega-Therme mit mehr als 30 Saunen, Thermalbecken mit Bad Vilbeler Heilwasser, Räume für Gesundheitsanwendungen, eine Rutschenanlage, sowie ein kommunales Hallenbad mit acht Bahnen errichten möchte. Der Bauantrag wird derzeit vom Wetteraukreis geprüft.

2018 begangenen die Bauarbeiten für den Stadthallen-Komplex, mit dem ambitionierten Ziel, beide Gebäude bis zum Hessentag 2020 in Bad Vilbel eröffnen zu können – was sich als unerfüllbar erwies. Der Hessentag wurde wegen der Corona-Pandemie ohnehin abgesagt.

Titelbild: Die neue Stadthalle in Bad Vilbel aus der Satellitenperspektive von Google Maps.

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