Ukraine-Krieg

Russisches Erdgas ersetzen

Von Dietrich Jörn Weder

„Wir sind in einer anderen Welt aufgewacht,“ sagte die perplexe deutsche Außenministerin am Morgen nach dem vorangegangen nächtlichen Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine. Also tun wir das, was diese „andere Welt“ plötzlich unerfreulicher Weise von uns verlangt!

Das erste: Eigene Wehrhaftigkeit herstellen, die lange vernachlässigte Bundeswehr mit allem Nötigen ausrüsten und aufrüsten, und auch die Heeresstärke vergrößern, denn das darf doch nicht wahr sein, dass wir mit dem Abstellen von 14.000 Mann für die schnelle Eingreiftruppe der NATO bereits „blank dastehen“, wie der Heeres-Inspekteur freimütig offenbart.

Von Finnland lernen!

Nehmen wir uns ein Beispiel an dem kleinen, aber wehrhaften Finnland, das im Falle eines Falles mehrere hunderttausend Reservisten einberufen kann, für die auch das nötige Gerät bereitsteht. Ähnliches lässt sich bei uns wahrscheinlich nur bewerkstelligen, wenn wir die Wehrpflicht wiedereinführen, die ein historisch kurzsichtiger Herr von Guttenberg samt dem nützlichen Zivildienst unter dem Beifall einer breiten Öffentlichkeit abgeschafft hat.

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Es wäre nur konsequent, wenn sich die Nato für längere Sicht „bis an die Zähne bewaffnet“ entlang der Grenzen zu Russland positioniert, um den skrupellosen Feldherrn Putin von weiteren Aggressionen abzuschrecken. – Wären die Westalliierten besser gerüstet gewesen, hätten sie, glaube ich, Hitler nicht 1938 mit der Preisgabe der Tschechoslowakei den Weg in den großen Krieg freigemacht.

Europa trump-sicher machen!

Welch ein Glück, dass es Putin nicht mehr mit Donald Trump, sondern mit Joe Biden zu tun hat! Aber Europa muss sich auch dann seiner Haut erwehren können, wenn wieder Trump selbst oder ein anderer Nato-Demonteur anstelle von Biden ans Ruder kommt. Das westlich orientierte Europa braucht nicht nur einen gemeinsamen Markt, sondern auch eine gemeinsam organisierte, ausreichend starke Verteidigung, die Putin jetzt aus der Taufe hebt.

Russisches Erdgas ersetzen!

Wir haben uns zu sehr von russischem Erdgas abhängig gemacht. Indem wir es durch andere Energiequellen ersetzen, entziehen wir der übergroßen Militärmacht Russland den finanziellen Boden und dienen überdies dem Schutz des Klimas. Wir müssen und können sehr viel mehr große Windräder aufstellen und die Gebäude mit Solarpanels bepflastern. Mit dem knapper werdenden Erdgas sollten wir zuallererst unsere Wohnungen warmhalten, ehe wir den teuren Energieträger verstromen.

Energiewende kann warten

Die Politik sollte deshalb auch dem bislang undenkbaren Gedanken nähertreten, die letzten drei Kernkraftwerke ein paar Jahre länger laufen zu lassen. Wer sich aus der Abhängigkeit von russischen Erdgas lösen will, kann auch einige Kohlekraftwerke länger als geplant am Netz lassen. Das ist für das Weltklima kaum von Belang, umso weniger, wenn wir die Zeit für einen schnellen Ausbau von Alternativen nutzen.

Heute und morgen müssen wir mit dem, was wir tun, zuallererst dem Kreml Grenzen zeigen. Sonst bestimmen in der anderen Welt, in der wir angeblich aufgewacht sind, nicht wir, sondern die Putins den Gang der Dinge. Und die haben dem westlich orientierten Europa unglaublicher Weise sogar mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht. Wen das nicht aufrüttelt, der leidet unter vermutlich unheilbarer politischer „Schlafmützenichkeit“.

Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. wachposten

Titelbild: Russischer Panzer T-14. (Foto: Wikipedia/Vitaly V. Kuzmin – http://www.vitalykuzmin.net/?q=node/603, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40032618)

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