Shared History Project

Die Friedberger Mikwe

Mit seiner Mikwe, dem rituellen jüdischen Frauenbad, besitzt Friedberg ein bedeutendes Zeugnis jüdischen Lebens. Das Bad wurde vor 760 Jahren 25 Meter tief in den Fels getrieben. Die Friedberger Mikwe ist das Objekt dieser Woche in dem virtuellen „Shared History Projekt – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ des Leo Baeck Institute New York/Berlin (LBI).

Seit Beginn des Jahres wird auf der Internetseite des Shared History Project jede Woche ein neues Objekt aus 1700 Jahren jüdischer Geschichte in Deutschland vorgestellt. Das Projekt ist ein Beitrag zum diesjährigen Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Als Objekt 7 gehört die Friedberger Mikwe zu den ersten im Jahresverlauf präsentierten Zeugnissen jüdischen Lebens. „Sie steht als einzige ausgewählte Mikwe und herausragendes Beispiel stellvertretend für die im deutschsprachigen Raum erhaltenen monumentalen jüdischen Ritualbäder des Mittelalters wie die in Köln, Speyer und Worms und weiteren Orten“, erläutert der Leiter des Wetterrau-Museums in Friedberg Johannes Kögler in einer Pressemitteilung. Zwei Essays wurden von Stefanie Fuchs beigetragen, die laut Kögler eine ausgewiesene Spezialistin zum Thema Mikwe ist. Sie hat bereits 2010 die Friedberger Mikwe eingehend untersuchte und war mit einem Referat bei dem in Friedberg veranstalteten Symposium zum 750-jährigen Jubiläum der Friedberger Mikwe vertreten.

Die Friedberger Mikwe als Objekt der Woche im Shared History Project.

360-Grad-Film wurde gedreht

Kögler selbst hat begleitendes Bildmaterial ausgewählt und dem Leo Baeck Institute in New York zur Verfügung gestellt. Der Kontakt zu dem New Yorker Büro besteht laut Kögler seit rund einem Jahr. Im Oktober 2020 wurde von einem vom Leo Baeck Institute beauftragten Fotografen ein 360-Grad-Film der Friedberger Mikwe aufgenommen, der Anfang März im Rahmen einer virtuellen Ausstellung online gestellt wird. Momentan wird die Mikwe mit zwei Fotos vorgestellt, die bei diesem Termin entstanden sind.

Das Shared History Projekt umfasst außer der Webseite und einer virtuellen Ausstellung (ab März) auch eine physische Ausstellung, die anlässlich der Gedenkstunde zum 27. Januar 2021 im Deutschen Bundestag eröffnet wurde und dort bis Ende April zu sehen ist. Die Eröffnung mit Grußworten des Präsidenten des Leo Baeck Institute, David G. Marwell, und des Präsidenten des Zentralrates der Juden, Dr. Josef Schuster, sowie der Eröffnungsansprache des Bundestagspräsidenten Dr. Wolfgang Schäuble konnte pandemiebedingt nur virtuell stattfinden.

Mikwe wegen des Lockdowns geschlossen

Die Einbindung in das Projekt zeigt die große Bedeutung, die der Friedberger Mikwe auch international beigemessen wird. Darüber hinaus bietet das virtuelle Projekt Menschen weltweit die Gelegenheit, die Friedberger Mikwe kennenzulernen. Auch für das heimische Publikum ist es eine große Bereicherung, zumal die Mikwe in Zuge des Lockdowns seit Anfang November nicht physisch besucht und erlebt werden kann. Da das Erleben des Baudenkmals vor Ort letztlich durch nichts ersetzt werden kann, richten sich die Hoffnungen natürlich auch auf eine Wiederöffnung für Besucherinnen und Besucher im Frühjahr, sobald die Corona-Pandemie dies wieder zulässt.

Das Shared History Project ist hier sharedhistoryproject.org

Auf der Internet-Seite bundestag.de/sharedhistory können die Redebeiträge zur Eröffnung in ganzer Länge als Videoaufzeichnungen abrufen werden. Dort sind auch ein zusammenfassendes Eröffnungsvideo, ein Flyer sowie weitere Informationen zur Ausstellung finden.

Eine weitere Möglichkeit des virtuellen Besuchs der Mikwe bietet sich über die Plattform „Virtuelle Stadt“, die über die Homepage der Stadt Friedberg friedberg-hessen.de oder unter dem direkten Link virtuell.friedberg-hessen.de/ zu erreichen ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.