Raps

Wenn die Landschaft Gelbsucht hat

von Bruno Rieb

Sattgelb leuchten jetzt weite Teile von Rhein-Main und Mittelhessen. Der Raps steht in voller Blüte. Der Anbau der Ölfrucht ist für die Bauern ein lohnendes Geschäft. Aber er belastet auch die Umwelt durch hohen Düngemittel- und Pestizideinsatz. Der ökologische Anbau des Kreuzblütengewächses spielt nur eine verschwindend geringe Rolle.

Favorit der chemischen Industrie

Der aktuelle Preis für Raps liegt laut „finanzen.net“ bei 370 Euro pro Tonne. Für Weizen gibt es 199 Euro pro Tonne. Raps sei „die Königsdisziplin im Ackerbau“ schwärmt der Chemiekonzern BASF auf seiner Hompepage. Kein Wunder, denn für Chemieunternehmen ist diese Pflanze doppelt interessant: beim konventionellen Anbau wird viel Stickstoffdünger benötigt und Pesizide werden eingesetzt, schließlich wird das aus dem Raps gewonnene Öl in der chemischen und pharmazeutischen Industrie verwendet. Es ist Grundstoff für Farben, Kunststoffe, Weichmacher und Schmierstoffe.

Rapsfelder heben sich leuchtend gelb aus der Landschaft hervor (Fotos: Rieb)

Vor allem wird Rapsöl für Kraftstoff, das sogenannte Biodiesel, verwendet. Der Einsatz als Energiepflanze ist umstritten, weil er Nahrungspflanzen verdrängt. Das Frauenhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme hat Biodiesel (Rapsmethylester RME) mit mineralischem Diesel verglichen und kommt zu dem Schluss, dass beide Vor- und Nachteile haben: „Bei der Gewinnung von Dieselkraftstoffen werden große Mengen fossiler Energieträger verbraucht. Der Anbau von Raps zur Gewinnung von Biodiesel erfordert hingegen den Einsatz mineralischer Ressourcen. Während die Kohlendioxidbilanz eindeutig zugunsten von RME ausfällt, wirken sich die erhöhten Stickstoffemissionen negativ aus. Der naturgemäß geringe Schwefelgehalt wiederum spricht für Biodiesel. Negativ anzurechnen ist diesem Treibstoff der teilweise hohe Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln beim Anbau, der eine Belastung für Boden und Grundwasser darstellen kann. Die gute Abbaubarkeit von RME wirkt sich als Vorteil für Meere und Binnengewässer aus. Bei Transportunfällen stellt RME eine geringere Gefahr für die Umwelt dar.“

Öko-Raps spielt unbedeutende Rolle

Im Wetteraukreis wurden im vergangenen Jahr (2019) 3,94 Tonnen Raps pro Hektar geerntet. 2014 war der höchste Ertrag der vergangenen zehn Jahre erzielt worden: gut 5 Tonnen pro Hektar. (Quelle: Hessisches statistisches Landesamt) Landesweit waren in Hessen vor vier Jahren auf 61.000 Hektar Raps angebaut worden. Der Anbau war damals sogar etwas zurückgegangene, weil zu enge Fruchtfolgen zu Fruchtfolgekrankheiten geführt hatten.

Vor der Münzenburg ist ein gelber Teppich ausgebreitet.

Öko-Raps wird nur in ganz geringem Umfang angebaut. 2015 waren es deutschlandweit gerade mal 2600 Hektar, das waren nur 0,2 Prozent der gesamten deutschen Rapsanbaufläche von 1,3 Millionen Hektar. Beim ökologischen Anbau ist das Risiko hoch, denn der Raps ist anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Zudem braucht er viel Stickstoff. Der Ertrag ist beim Bioanbau nur etwa halb so hoch wie beim konventionellen Anbau. Bio-Rapsöl ist allerdings als Nahrungsmittel sehr gefragt. Landwirte, die Raps ökologisch anbauen, können hohe Preise erzielen.

Ein Gedanke zu „Raps“

  1. Raps ist eine intensives, aber wichtiges Fruchtfolgeglied für die konventionelle Landwirtschaft. Dazu noch einige Aspekte, die für unsere Landwirte wichtig sind:
    – Fruchtfolge: als Blattfrucht wird Raps in einer gesunden Fruchtfolge benötigt. Weizen nach Raps hat ca. 10% höheren Ertrag bei gleichem Düngeraufwand
    – Rapsschrot: 1 ha Raps ersetzt ca. 2 ha Sojabohnen aus Südamerika, ist gentechnikfrei und liefert regionales, hochwertiges Eiweißfutter
    – Biodiversität: Imker lieben Raps, die Bienenvölker nutzen das Blütenangebot und werden stark und sammeln viel Honig. Die Zusammenarbeit Imker-Landwirt klappt in der Regel sehr gut, trotz Pflanzenschutzmitteleinsatz.

    Die Stickstoffdüngung zu Raps wurde in den letzten 20 Jahren deutlich optimiert. D.h. je erzeugter t Raps wird heute 50% weniger Stickstoff aufgewendet und Raps verwertet organische Dünger sehr gut. Ohne Pflanzenschutz wächst auch im ökologischen Landbau nicht die benötigte und gewünschte Kulturpflanze.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.