Ovag-Wasserampel

Demonstranten fordern „Rot“

Die Ovag soll ihre Wasserampel auf „Rot“ stellen. Das forderten nach Angaben der Veranstalter annähernd 100 Menschen am Freitag, 9. September, mit einer Demonstration in Friedberg.

Eigentlich wollten die Demonstranten ihre Forderung zur ZOV-Verbandsversammlung erheben. Die war aber kurzfristig von Friedberg nach Wölfersheim verlegt worden. Der Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV) ist die Muttergesellschaft der oberhessischen Versorgungsbetriebe AG (Ovag) und gehört den Landkreisen Wetterau, Vogelsberg und Gießen. Ein Teil der Demonstranten fuhr von Friedberg nach Wölfersheim.

Oberhessische Vorsorge AG

Zur Demonstration hatten die Kreisverbände Vogelsberg, Wetterau und Frankfurt des Bundes für Umwelt und Naturschutz (Bund) aufgerufen. Die Kreisverbände Gießen, Vogelsberg und Wetterau des Naturschutzbundes (Nabu) sowie der Nabu Horlofftal, die Naturfreunde Vogelsberg, die Schutzgemeinschaft Vogelsberg sowie die Kreisverbände der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald unterstützten den Aufruf. Es sei keine „Anti-OVAG“-Demo, erklärte Werner Neumann vom Bund Wetterau. „Wir sind froh, dass es die Ovag gibt. Ein regional verwurzeltes Unternehmen für Strom und Wasser, das den Landkreisen Wetterau, Vogelsberg und Gießen gehört, ist ein Pfund für die Region. Aber: die Ovag muss sich als „Oberhessische Vorsorge AG“ verstehen“, sagte er und forderte: „Es muss endlich Schluss sein mit der verharmlosenden Informationspolitik der Ovag. Die Wasserampel muss jetzt auf Rot gestellt werden!“  

„70 Prozent der Vogelsberger Quellen sind versiegt, die Nidda ist von der Quelle bis zum Nidda-Stausee ausgetrocknet. Die Horloff lag zeitweise südlich Hungen trocken. Der Grundwasserspiegel im Vogelsberg, Burgwald und Hessischem Ried sinkt immer weiter. Die Fichten sind dürr, Buchen und Eichen kümmern“, sagte Wolfgang Dennhöfer aus Alsfeld. Er forderte gemeinsam mit seinem Kollegen Rüdiger Hansen vom Bund Frankfurt: „Die Ovag muss jetzt die Wasserampel auf Rot stellen. Es ist allerhöchste Zeit! Das ist das Signal der Wasserförder-Regionen in Vogelsberg & Wetterau an den Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main: Frankfurt und der gesamte Ballungsraum müssen ihre Wasser-Eigenversorgung nachhaltig erhöhen! Sorgt endlich dafür, dass Flächen in Frankfurt und andernorts entsiegelt werden und Niederschlagswasser wieder großflächig versickern kann! Leitet Starkregen-Wasser zur Hochwasser- und Elementarschäden-Vermeidung und langsamen Versickerung auf gewässernahe Retentionsflächen! Installiert in Neubaugebieten und nachrüstend auch für bestehende Siedlungen und Gewerbebetriebe Brauchwasserleitungen als andernorts schon technisch bewährtes Zweileitungssytem zur Substitution und Schonung von Trinkwasser! Gießt euer Stadtgrün mit Brauchwasser und senkt eure Leitungsverluste! Schafft mehr Bewußtsein bei euren Verbrauchern und Verbraucherinnen im Ballungsraum für das Lebensmittel Nr. 1 Wasser und dessen begrenzte Verfügbarkeit!“

Mehr Transparenz gefordert

Das Wachstum der Metropolregion Rhein-Main dürfe nicht weiter auf Kosten der Natur sowie Menschen und Mitgeschöpfe im Frankfurter Umland gestützt werden, nämlich im Hessischen Ried, im Vogelsberg, der Wetterau, im Burgwald und im Kinzigtal! Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt & Geologie (HLNUG) habe kürzlich mitgeteilt, dass die Grundwassereinträge in den letzten 20 Jahren um 27 Prozent zurückgegangen sind. Dass er seinen Kollegen Rüdiger Hansen vom Bund Frankfurt vertreten dürfe, zeigte laut Dennhöfer zweierlei: „Wir Umweltschützer in Frankfurt und im Vogelsberg sind einer Meinung: Wir müssen die Wasserpolitik neu aufstellen. Zweitens zeigt es, dass unser Appell den Nerv der Zeit getroffen hat.

Bund-Mitglied Reiner Barsch aus Schotten forderte mehr Transparenz. „Die Ovag muss endlich die Daten ihrer Messstellen und Pegelstände öffentlich zugänglich machen, welche der betriebseigenen Ampelschaltung zugrunde liegen.“ Nach Auskunft des Hessischen Umweltministeriums spreche rechtlich nichts gegen deren Veröffentlichung. Im Hessischen Ried zum Beispiel würden die relevanten Daten der Grundwasserstände und zur Einhaltung der Grenzgrundwasserstände online veröffentlicht. Dies sollte der Ovag ein Beispiel sein.

Stephan Kannwischer vom Nabu Horlofftal steckte der Ovag ein paar Rote Karten in den Briefkasten: Die Rote Karte für Wasserverschwendung, die Rote Karte für neue Siedlungen ohne Brauchwassernetz, die Rote Karte für Wasser-Räuber im Ried, im Vogelsberg und im Burgwald und die Rote Karte Karte für verharmlosende Informationspolitik.

Etwa 30 Demonstranten kamen in Wölfersheim vor der Wetterauhalle an, kurz bevor drinnen während der ZOV-Verbandsversammlung der Antrag der Grünen beraten werden sollte, die Ovag-Wasserampel auf „Rot“ zu stellen. Nach kurzer Kontroverse und einigem Gerangel durften sie an der – öffentlichen – Sitzung teilnehmen. Dazu Wolfgang Dennhöfer: „Wölfersheim war für mich beeindruckend. Die Verlegung des Tagungsortes und die erste Reaktion auf unser Erscheinen habe ich als Signal der ZOV-Verantwortlichen verstanden: ‚Lasst uns in Ruhe unser Ding machen‘. Dass dann keine Diskussion zum Tagesordnungspunkt ‚Rote Ampel‘ stattfand hat mich enttäuscht. Nach der Sitzung gab es aber eine ganze Reihe guter Gespräche mit Abgeordneten aus unterschiedlichen Fraktionen. Besonders bemerkenswert war für mich die Aussage einer bekannten Kommunalpolitikerin, die ich persönlich sehr schätze. ‚Seid nicht enttäuscht. Heute ist das Thema zwar vertagt worden. Aber eigentlich haben wir alle es begriffen: Wir können so nicht weitermachen‘.“

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