Oberhessisches Museum

Von Conrad Röntgen bis zu Rio Reiser

von Jörg-Peter Schmidt

Ein Rio-Reiser-Abend, eine Röntgen-Ausstellung Erinnerungen an Gießen in den achtziger Jahren: Das sind nur einige der Termine und Themen im neuen Programm des Oberhessischen Museums Gießen in den nächsten Monaten. Im Alten Schloss (Museums-Standort) öffnen sich die Tore nach der Renovierung wieder am 27. Oktober 2020.

Neu für Kinder: „Führerschein“

Das Programm stellten Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz sowie vom Museum die Leiterin Leiterin Dr. Katharina Weick-Joch und vom Team ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Julia Schopferer und Linn Mertgen in einer Pressekonferenz vor.  Das Gespräch fand in einem der wenigen Räume statt, die nicht vollständig von den Umbauarbeiten betroffen sind. Die Weichen werden also gestellt für die Wiedereröffnung, „auf die die Bevölkerung bereits wartet und sich darauf so sehr freut“, so die Oberbürgermeisterin. Grabe-Bolz (bekanntlich zusammen mit Fredrik Vahle selbst musikalisch kreativ) hat  sich einen Termin bereits fest vorgemerkt: den Rio-Reiser-Abend mit Christian Lugerth und Band, der allerdings erst 2021 stattfindet: am 10. Januar um 18 Uhr.

Noch laufen die Renovierungsarbeiten im Oberhessischen Museum im Alten Schloss, das am 27. Oktober 2020 offiziell wieder seine Türen öffnet.

Die Oberbürgermeisterin hatte bereits vor der Pressekonferenz den künftigen Terminplan des Oberhessischen Museums studiert und ist von dem Programm beeindruckt, das Dr. Katharina Weick-Joch vorstellte. Die Übersicht über die Ausstellungen und Veranstaltungen, in die auch Termine für Kinder integriert sind,  kann man in auch in einem Heft nachlesen, das man kostenlos im Gießener Rathaus, im Museum sowie beispielsweise in Cafés und Gaststätten erhalten wird.

Nachfolgend Auszüge aus dem Programm: 
Der Auftakt bei der Vorstellung des Terminreigens gehört der Jugend: Für die Kinder und Jugendlichen hat das Oberhessische Museum zwei neue Angebote : Den Museumsführerschein und die Ferienworkshops. Der Museumsführerschein richtet sich an interessierte Grundschulklassen, die sich im Rahmen des Kunst- oder Sachkundeunterrichts dem Museum widmen möchten. Nach einer Doppelstunde im Oberhessischen Museum können die kleinen Museumsbesucher*innen zu richtigen Museumsexpert*innen werden, nachdem sie den Museumsführerschein erhalten haben. Dieser ermöglicht den Kindern innerhalb von einem Jahr kostenfrei an einer spannenden Führung mit ihren Familien oder an einem kreativen Kinder-Workshop teilzunehmen.

Die Kinder können einen Museumsführerschein erwerben.

 Wie auch der Museumsführerschein ist die Teilnahme an den Ferienworkshops kostenfrei. Die Workshops „Plakativ! – Die Kunst der Buchstaben“ und “Buchstabensalat“ können durch eine großzügige Spende des INNER WHEEL CLUBS Gießen-Wetzlar umgesetzt werden. Durch das Angebot können Kinder und Jugendliche eine Reise durch die Geschichte der Schrift machen. Dabei ist natürlich auch ihre eigene Kreativität bei der Gestaltung von Plakaten und Postkarten gefragt. Soweit Neuigkeiten für die Jugendlichen.

Führungen und Theaterstück

Neu im Programm des Museums sind die gemeinsamen Führungen mit der Volkshochschule Gießen, die monatlich stattfinden und eine Erkundung von Kunst, Stadtgeschichte, Archäologie oder einen Blick hinter die Kulissen des Oberhessischen Museums ermöglichen. Den Spuren der Stadtgeschichte wird auch bei einem Filmabend mit dem Gießener Stadtarchiv und dem „Kleinen Filmbüro“ des Oberhessischen Museums am 27. Oktober 2020 nachgegangen. An dem Abend wird ein Schmalfilm aus den 1950er Jahren gezeigt, der die Situation am zentral gelegenen Kirchenplatz sowie am Kreuzplatz zeigt. Im Anschluss wird es einen Vortrag des Stadtarchives geben.

Ab Dezember 2020 wird in der Gemäldegalerie im Alten Schloss das Theaterstück „Das Leben des H. Erzählt von seinem Kunsthändler (UA)“ in Kooperation mit dem Stadttheater Gießen aufgeführt. Darin lässt der Protagonist Tom Peuckert einen Kunsthändler erzählen: Wie er 1913 einen verarmten Maler vor der Feldherrenhalle in München entdeckte. Wie der Künstler über das Talent verfügte, Gemälde berühmter Maler zu imitieren. Und wie er mit diesem Künstler gefälschte Bilder von Corot, Renoir und Dürer verkaufte. Dann wäre H. kein Politiker geworden. Und die Weltgeschichte hätte ganz anders ausgesehen.

Gedenken an H. Heckroth

Auch im Rahmen der großen Sonderausstellung „Feuer und Flamme für diese Stadt. Das bewegte Gießen in den 80er Jahren“, die wieder ab dem 27. Oktober 2020 bis zum 10. Januar 2021 im Alten Schloss zu sehen sein wird, konnte das Oberhessische Museum aufgrund der unterschiedlichen Kooperationspartner ein abwechslungsreiches Programm zusammenstellen. Mit Stadtrundgängen, Gesprächsabenden und Vorträgen werden die sozialen Bewegungen in Gießen seit den 1980er Jahren beleuchtet und diskutiert. Dabei werden Themen, wie Frauenbewegung, Verkehr, Wohnungsnot, Stadtplanung, Atomkraft und Klima in den Blick genommen, für die in den 80er Jahren zahlreiche Menschen aktiv waren und heute noch aktiv sind. Mit Demonstrationen, Festen und Aktionen haben sie auf Veränderungen aufmerksam gemacht und vieles bewegt.

Die Ausstellung „Feuer und Flamme für diese Stadt. Das bewegte Gießen in den 80er Jahren“ wird fortgesetzt.

Neben der großen Sonderausstellungen wird auch die kleine Kabinettausstellung „Bild. Bühne Film. Stationen Hein Heckroths“ (6. November  2020 – 31. Januar 2012) präsentiert. Anlässlich des 50. Todesjahrs des Gießener Malers und Bühnenbildners Hein Heckroth werden ausgewählte Objekte sein umfangreiches Schaffen widerspiegeln. Zudem wird Dr. Marcus Kiefer, Vorsitzender der Hein-Heckroth-Gesellschaft Gießen e.V., am 28 Januar 2021  einen Vortrag zu dem Leben und Werk Hein Heckroths halten.

Thema Röntgen

Ein weiteres Jubiläum gewährt dem Oberhessischen Museum Anlass für eine Kabinettausstellung: Das 125-jährige Jubiläum der Entdeckung der Röntgenstrahlen und der 175. Geburtstag Wilhelm Conrad Röntgens. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Kabinettausstellung „Kunst durchleuchten. Die Entdeckung der Röntgenstrahlen und die Trautschold-Bilder“ verschoben werden und wird nun ab dem 11. Februar 2021 zu sehen sein. Sie widmet sich der kunsthistorischen Analyse und Restaurierung von mehreren Gemälden, u.a. des Portrait- und Landschaftsmalers Carl Wilhelm Trautschold. Spannende Einblicke in das naturwissenschaftliche Untersuchungsverfahren mittels Röntgenstrahlen wird die Diplom-Restauratorin Sabine Kuypers in ihrem Vortrag am 11. Februar 2021 zum Eröffnungstag der Kabinettausstellung geben.
Die Sonderaustellung „Feuer und Flamme für diese Stadt. Das bewegte Gießen in den 80er Jahren“  wird von einem Rahmenprogramm begleitet (der „Landbote“ informiert  rechtzeitig über alle Termine). Neben dem Rio-Reiser-Abend kann man bereits jetzt eine besondere Veranstaltung am 18. November 2020 (19 Uhr) erwähnen: ein Filmabend mit Barbara Etz. Sie stellt ihren Dokumentarstreifen „Alles unter Kontrolle  – Notizen auf dem Weg zum Überwachungsstaat“ aus dem Jahr 1983 vor. Der Film zeigt die Überwachung von Teilen der autonomen Szene  bzw. der Basisgruppen in Gießen und Umgebung.  

Mehr Informationen zu Veranstaltungen und Ausstellungen sind über die Website (www.museum.giessen.de) zugänglich, auf der das Programmheft als PDF abgerufen werden kann. Zudem liegt , wie erwähnt, das Programmheft in verschiedenen Einrichtungen der Stadt aus. Aufgrund der Corona-Maßnahmen ist eine Anmeldung für alle Veranstaltung erforderlich, die telefonisch (0641 9609730), per Mail (museum@giessen.de) oder über die Website getätigt werden kann.

Titelbild: Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz sowie vom Museum Linn Mertgen, Leiterin Dr. Katharina Weick-Joch und Julia Schopferer (von links) stellten vor dem Alten Schloss das neue Programm vor. (Fotos: Jörg-Peter Schmidt)

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